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Hückeswagen
"Mr. Herbstmühle" geht's ruhig an

Hückeswagen: "Mr. Herbstmühle" geht's ruhig an
Seit Oktober 1985 leitet Ansgar Nowak die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth, an die sich auch Kinder, Jugendliche und Familien aus Hückeswagen bei Problemen wenden können. In sechs Tagen wird der gebürtige Franke in den Ruhestand verabschiedet. FOTO: Stephan Büllesbach
Hückeswagen. Ansgar Nowak wird bald nicht mehr Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen. Denn der Leiter des Psychologischen Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth geht am Mittwoch in den Ruhestand. Er ist froh, diesen Job gemacht zu haben. Von Stephan Büllesbach

Was waren die 80er Jahre doch beschaulich. Auch damals hatten Kinder und Jugendliche Probleme, doch völlig andere als heute. Ansgar Nowak weiß das. Der Diplom-Psychologe hatte 1985 als Leiter der Herbstmühle, wie die auch für Hückeswagen zuständige Beratungsstelle kurz genannt wird, angefangen. "Viele Kinder passten damals nicht in die starren Regeln der Familie hinein", erinnert sich der 63-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Erwachsenen hatten sich zu wenig für die Bedürfnisse der Kinder geöffnet. "Heute ist es genau umgekehrt", sagt der Wahl-Wipperfürther, der in Bamberg geboren worden und aufgewachsen war. "Heute gibt es häufig keine Regeln, und die Familie hat zu wenig Zeit fürs Miteinander."

Nach 32 Jahren in der Leitung der Beratungsstelle, die vor 40 Jahren gegründet wurde, wird Nowak am kommenden Mittwoch, 13. Juli, verabschiedet. Zum Sektempfang im Pfarrzentrum St. Nikolaus Wipperfürth, bei dem auch das 40-jährige Bestehen der Herbstmühle gefeiert wird, werden mehr als 200 geladene Gäste erwartet. Unter anderem Justizminister Peter Biesenbach aus Hückeswagen sowie die Bürgermeister der Schloss-Stadt, Dietmar Persian, und von Radevormwald, Johannes Mans. Für die Musik sorgen die Hückeswagener Jazz-Brüder Roman und Julian Wasserfuhr.

Nach dem Abitur 1973 in Ludwigshafen studierte Nowak Theologie und Psychologie in Münster, Jerusalem (ein Jahr) und Würzburg. Dort heiratet Nowak auch; seine Frau und er haben drei erwachsene Töchter und inzwischen zwei eineinhalbjährige Enkel. Anfangs arbeitete er in einer psychiatrischen Praxis. "Aber mir war klar, dass ich nicht freiberuflich arbeiten, sondern in die Familienbetreuung gehen wollte", sagt er. "Ich wollte näher an den Menschen und ihren Alltagsproblemen dran sein. Da, wo's brennt." So bewarb er sich auf die Stelle als Leiter der Herbstmühle - und wurde angenommen.

Verändert hat sich in seiner Zeit als Leiter auch die Zahl der Beschäftigten von drei zu Beginn auf mittlerweile insgesamt 27. Die Berater haben nun bestimmte Schwerpunkte und können viel differenzierter arbeiten. Auch der Beratungsbedarf ist in den vergangenen 32 Jahren deutlich gestiegen. "Uns war es immer wichtig, dass es keine lange Wartezeit gibt", stellt Nowak klar. Dauerte es anfangs bis zu einem dreiviertel Jahr bis zu einer Beratung, sind es heute nur noch wenige Tage und maximal zwei Wochen. "Wir verlieren sonst den Zugang zu den drängenden Problemen", sagt er.

Ein großes Problem mittlerweile sind die digitalen Medien, die laut Nowak teils bis in den Kleinkinderbereich hineinreichen. Viele Kinder spielten seltener draußen. Handy & Co. beherrschen immer mehr den Alltag von Familien. Nowak: "Es gibt sogar Kinder, die sich über ihre Eltern beschweren, weil die nicht mehr ansprechbar sind."

Er hat sich vorgenommen, erst einmal ein halbes Jahr lang nichts zu tun, sondern den Alltag zu genießen. Dazu gehören das Frühstück, die Zeitung zu Ende lesen, sich mehr Zeit für die Enkel zu nehmen und mehr Musik zu machen - er spielt Saxofon. "Ich werde Zeit für mich nehmen und mich von den großen Aufgaben hier verabschieden."

Freiberuflich für die Herbstmühle wird Nowak nicht arbeiten - das Kapitel ist nächste Woche endgültig abgeschlossen. "Das ist die sehr traurige Seite", bedauert er.

Quelle: RP
 
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