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Hückeswagen
Nach 16 Jahren wieder ein Hammerschlag

Hückeswagen: Nach 16 Jahren wieder ein Hammerschlag
Beeindruckender Moment gestern Vormittag: Paul von Lonzki (79) schmiedete einen Stahl mit einer Festigkeit von 37 Kilogramm. Die Schmiedetemperatur lag zwischen 1000 und 1200 Grad Celsius. FOTO: moll
Hückeswagen. Nach zwei Jahren ist ein alter Bêché-Schmiedehammer gestern Vormittag durch den Verein "3-Städte-Depot" wieder in Betrieb genommen worden. Bis zum Jahr 2000 war er noch in einer Remscheider Werkzeugfirma im Einsatz. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ungewohnte Geräusche dringen gestern Vormittag auf die Peterstraße: Ein stetiges und lautes Stampfen ist es, ein ohrenbetäubender Lärm, wenn man näher an die ehemalige Werkshalle der Firma Bêché & Grohs herankommt. Dazu liegt ein Geruch nach leicht verbranntem Material in der Luft. Im Eingangsbereich der Halle, in der sich heute die Werkstatt und das Museum des "3-Städte-Depots" befinden, steht eine Traube von etwa 30 Menschen. Der Lärm ist nun beinahe unerträglich laut - kein Wunder, dass alle Anwesenden ihre Ohren mit gelben Ohrstöpseln geschützt haben. Dann, plötzlich, verebbt der Lärm.

"So klingt das also, wenn der Bêché-Hammer wieder im Einsatz ist", sagt Albrecht Nunn vom 3-Städte-Depot und lacht erfreut auf. Die offizielle Wiederbelebung des wuchtigen Schmiedewerkzeugs hat geklappt. Beifall, weit leiser als der hämmernde Lärm zuvor, brandet auf. Zwei Jahre hat die Wiederinstandsetzung des 500 Kilogramm schweren Freischmiedehammers gedauert; bis zum Jahr 2000 war das Werkzeug in einer Remscheider Werkzeugfirma im Einsatz. Peter Recknagel von der Firma Recknagel Präzisionsstahl hat den Hammer ausfindig gemacht. "Gespendet wurde er uns von Horst Hülle aus Remscheid. Er hat selbst einige solcher Lufthämmer und hat ihn uns dann überlassen", sagt Recknagel, der mit der Firma von Schaewen für ein wichtiges Element der Restaurierung gesorgt hatte. "Die Schabotte mussten wir neu herstellen, darauf steht der Bêché-Hammer jetzt. Ansonsten hätten wir ein Fundament gießen müssen, was die Restaurierung deutlich verteuert hätte", sagt Nunn. Der Vorstand rechnete mit 4200 Euro, letztlich ist man mit 3000 Euro hingekommen. "Die Renovierung war nur durch unsere Sponsoren möglich, denn wir können hier nur unsere Arbeitszeit und Kraft investieren", sagt Nunn.

Der Hammer ist wieder in Betrieb, es soll aber nicht bei der einmaligen Vorführung bleiben. "Künftig soll er als Vorführobjekt genutzt werden, vor allem, um Kindern und Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung zu zeigen, wie in einer der wichtigsten Firmen aus der Hückeswagener Vergangenheit gearbeitet wurde", sagt Nunn. Konkrete Planungen dafür gibt es zwar noch nicht, aber spätestens im nächsten Sommerferienprogramm wird ein Programmpunkt heißen: "Probeschmieden mit dem Bêché-Lufthammer".

Hintergrund der Restaurierung ist der gleiche wie bei allen anderen etwa 30 historisch wertvollen Objekten, die der gemeinnützige Verein in den vergangenen drei Jahren zusammengetragen und renoviert hat. "Wir wollen die technische Geschichte im Bergischen darstellen und greifbar machen. Uns ist es aber auch ein Anliegen, den technischen Wandel deutlich zu machen", sagt Nunn, der sein Ehrenamt im 3-Städte-Depot genießt. "Im Eingangsbereich wird es ab jetzt die Bêché-Ecke geben mit dem Hammer sowie einigen historischen Objekten aus der Hoch-Zeit der Firma."

Mit dabei ist auch Hedy Bêché, Tochter des letzten Firmenchefs, die selbst auch im Unternehmen gearbeitet hat und für die Fremdsprachen zuständig war. "Wie schön, dass nach all den Jahren wieder einmal ein Bêché-Hammer in den Hallen erklingt", sagt sie - und gibt gleich noch die eine oder andere Anekdote zum Besten.

Quelle: RP
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