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Hückeswagen
Netzwerk kümmert sich um Senioren

Hückeswagen: Netzwerk kümmert sich um Senioren
Bilden einen Teil des Seniorennetzwerks; hintere Reihe, v. l.: Matthias Rath, Karen Herzog, Dietmar Persian; mittlere Reihe, v. l.: Burkhard Wittwer, Fachbereichsleiter Michael Kirch, Susanne Röntgen; vorne, v. l.: Iris Prangenberg-Röntgen ("Wohnwerk"-Leiterin) und Gabriele Riedesel (Evangelische Gemeinschaft). FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Da auch die Menschen in Hückeswagen immer älter werden, steigt die Zahl der vereinsamten Senioren. In der Stadt hat sich nun das Seniorennetzwerk gegründet. Das will mit dazu beitragen, dass sich Freiwillige um sie kümmern. Von Stephan Büllesbach

Der Notruf erreichte Susanne Röntgen am Freitagnachmittag: Eine ältere Hückeswagenerin hatte die Senioren- und Pflegeberaterin der Stadt privat angerufen, weil sie gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und der Kühlschrank leer war. Selbst konnte sie sich offenbar nicht helfen, und der Sohn wohnt weit weg. "Das war eine akute Notsituation", erzählte Susanne Röntgen gestern in einem Pressegespräch. Die Folge: Sie fuhr von Remscheid nach Hückeswagen und versorgte die Frau.

Ein solches Szenario ist jederzeit möglich. Das Seniorennetzwerk sucht daher nun Menschen, die sich als Ansprechpartner für ihre Nachbarn oder ihre Siedlung zur Verfügung stellen. Im Mai hatten sich Mitarbeiter und Ehrenamtler von örtlichen Institutionen getroffen, von Altenheimen, Pflegediensten, den Gemeinden und der Stadt. Im Juni traf sich eine Arbeitsgruppe (s. Kasten), die jetzt mit ihren Wünschen an die Öffentlichkeit geht.

"Wir haben überlegt, wie wir Menschen erreichen können, die einsam zu Hause sitzen", sagte Susanne Röntgen. Denn das Problem ist häufig, dass viele Senioren nicht über die Angebote in der Stadt informiert sind oder dass sie Hilfen nicht annehmen wollen. Daher setzt das Seniorennetzwerk auf sogenannte niederschwellige Angebote: Statt offizieller Vertreter etwa der Stadt oder der Kirchen sollen Nachbarn sie besuchen, informieren und - wenn nötig - an die Hand nehmen. Die Mitglieder des Seniorennetzwerks hoffen darauf, dass sich die Betroffenen dann eher dazu bereiterklären, Hilfen anzunehmen. Diakon Burkhard Wittwer von der katholischen Gemeinde sagte: "Ich erlebe immer wieder Menschen, die nicht über diese Schwelle gehen." Daher müsse sie jemand unterstützen - aber nicht der Profi, sondern der Nachbar.

Im September hatte die Stadt 2500 Briefe an alle Hückeswagener über 70 Jahre verschickt, in denen sie auf die Senioren- und Pflegeberatung aufmerksam machte. "Diese "bietet älteren Menschen und deren Angehörigen eine umfassende, kompetente und vor allem kostenfreie Beratung Unterstützung, wenn sie Hilfe benötigen".

Nun will das Netzwerk eine Nachbarschaftshilfe mit ehrenamtlichen Kümmerern installieren. Dass solche Helfer heutzutage wichtig sind, machte Bürgermeister Dietmar Persian deutlich: "Die Familie ist eine andere als noch vor 20 oder 40 Jahren", sagte er. Der Unterstützung aus der Nachbarschaft komme eine immer größere Bedeutung zu. Zudem gebe es immer mehr Senioren, die Hilfe bräuchten. "Deshalb ist es gut, wenn sie auf ein Netzwerk zurückgreifen können."

Matthias Rath, Heimleiter des Johannesstifts, sprach von einer hohen Zahl an Menschen, die einen Hilfebedarf haben. "Sie haben Scheu davor, zu sagen, ich kann nicht mehr, und versuchen die Fassade aufrechtzuerhalten." Ihnen könnten Menschen helfen, die sich um sie kümmerten. "Das kann einfach auch mal sein, sich auf einen Kaffee zu treffen." Persian: "Ist die erste Schwelle einmal überschritten, kann sich schon Vieles zum Positiven wenden." Die freiwilligen Kümmerer müssten nur etwas Zeit mitbringen. Und Wittwer betonte: "Die Kultur des Kümmerns ist für unser Gemeinwohl sehr wichtig."

Das Seniorennetzwerk hat noch weitere Ideen. So soll es etwa quartalsweise Infoveranstaltungen zu Themen geben, die für Ältere von Bedeutung sind. Oder einfach nur einen Tanz- oder einen Malkursus.

Quelle: RP
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