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Hückeswagen
Neue "Blitze" ist ein lohnendes Geschäft

Hückeswagen: Neue "Blitze" ist ein lohnendes Geschäft
Das neue System, das auf Lasertechnik basiert und 84.000 Euro gekostet hat, war im April an der viel befahrenen B 237 installiert worden. FOTO: jürgen moll
Hückeswagen. Zwischen April und Juli sind in Kammerforsterhöhe bereits 4564 Tempoverstöße festgestellt worden. Das neue System der Firma Jenoptik war im April an der B 237 installiert worden, nachdem ein Feuer den alten Starenkasten zerstört hatte. Von Stephan Büllesbach

So mancher mag sich die Augen verwundert reiben, wenn er in Kammerforsterhöhe den Radarwagen der Bußgeldstelle des Oberbergischen Kreises auf dem Randstreifen, der der hochmodernen Blitzanlage gegenüberliegt, stehen sieht. So fragte jetzt Heinz Flosbach am "Heißen Draht" unserer Redaktion, warum der Wagen dort stand. Mitglieder der Hückeswagener Facebook-Gruppe mutmaßten gar, dass der Kreis dort gleich zweifach blitzen würde.

Das tut er nach Aussage von Jessica Schöler, Mitarbeiterin der Kreis-Pressestelle, nicht. Der Grund, warum der Wagen der Bußgeldstelle schonmal dort, aber auch in unmittelbarer Nähe der Säule steht, hat einen profanen Grund: "Die Mitarbeiter parken den Wagen dort, weil sie hin und wieder die Kamera auf die andere Richtung einstellen oder die Daten der Speicherkarten auslesen", erklärt sie.

Das neue System der Firma Jenoptik, das auf Lasertechnik basiert und 84.000 Euro gekostet hat, war im April an der viel befahrenen B 237 installiert worden, nachdem der alte "Starenkasten" im Oktober einem Brandanschlag zum Opfer gefallen war. Neben dem Brandschaden sind die geringeren Unterhaltungskosten ein Grund zum Austausch der defekten Anlage - arbeitet sie doch ohne störanfällige und wartungsintensive Kontaktschleifen in der Fahrbahn. Zudem ist sie ein lohnendes Geschäft für den Kreis: Zwischen dem 11. April und dem 31. Juli hat sie 4564 Geschwindigkeitsverstöße in der Tempo-50-Zone registriert. Das sind einige mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als die alte "Blitze" 4508 Mal ausgelöst hatte.

Einer, der von der neuen Blitzsäule als Verkehrssünder ausgemacht wurde, ist Gerhard Wöhlert. Der Inhaber einer Metallbaufirma und Schlosserei aus Ulemannssiepen war am 11. Mai in seinem Lkw mit 104 km/h geblitzt worden. "Das ist aber gar nicht möglich", versicherte er am "Heißen Draht". Denn sein Mercedes 606 fahre überhaupt nicht so schnell. Die Höchstgeschwindigkeit sei mit 110 km/h in den Papieren eingegeben. "Wenn ich auf der Autobahn einen Berg hinunterfahre, dann komme ich nach drei Kilometern vielleicht auf 90 km/h", sagte er. Daher könne er in Kammerforsterhöhe nicht mit 104 km/h geblitzt worden sein.

Sein Rechtsanwalt hat mittlerweile Akteneinsicht genommen, da Wöhlert ein Monat Fahrverbot, zwei Punkte und ein Bußgeld über 240 Euro drohen. Der Hückeswagener glaubt, dass die Anlage an diesem Tag defekt gewesen war. Davon sei dem Kreis nichts bekannt, sagte Jessica Schöler. Zu dem Bußgeld-verfahren gegen Wöhlert gab der Kreis dagegen keine Stellung ab.

Wohl aber zu der Frage von Heinz Flosbach, ob die neue Geschwindigkeitsmessanlage auch Motorradfahrer blitze. "Das tut sie", versicherte Jessica Schöler. Allerdings führten die Fotos nicht zu den Haltern. "Denn die Anlage blitzt die Fahrzeuge nur von vorne, und da haben Motorräder keine Kennzeichen."

So mancher Autofahrer, der von der neuen Säule beim zu schnellen Fahren erwischt worden war, hat vielleicht Hoffnung, dass sein Bußgeld ungültig sein könnte. Ein Gericht im saarländischen Neunkirchen hatte zugunsten der Autofahrer entschieden, weil die Messdaten einer ähnlichen Anlage in Köllerbach von der Firma Jenoptik als Eigentümerin des Gerätes ausgewertet und der dortigen Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt worden war. Das Gericht bemängelte jedoch, dass das nicht mit dem staatlich hoheitlichen Auftrag vereinbar sei, weswegen die Daten auch nicht bei Gericht zur Identifizierung der erwischten Autofahrer herangezogen werden dürften.

Die Anlage in Kammerforsterhöhe ist ebenfalls von Jenoptik hergestellt, teilte Jessica Schöler auf Anfrage mit. Im Gegensatz zu Köllerbach werden die gesammelten Messdaten jedoch von der Bußgeldstelle des Kreises ausgewertet.

Damit kommen geblitzte Autofahrer nicht umhin, ihr Knöllchen zu bezahlen.

Quelle: RP
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