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Hückeswagen
Odessa-Projekt serviert Balkan-Beats

Hückeswagen. Wieder einmal hieß es "Teacher's Best" im Kultur-Haus Zach. In dieser Konzertreihe bringen Ensembles mit Dozenten der Hückeswagener Musikschule ihre Musik auf die Bühne im Haus Zach. Und das war am Freitag beim Konzert des beliebten "Odessa-Projekts" rund um Steffi Hölzle und Daniel Marsch mit 30 Musikfreunden gut besucht. Die Stimmung unter den Besuchern war mindestens genauso gut wie die auf der Bühne. Und so stand einem leidenschaftlichen musikalischen Ritt durch die wilde Landschaft des Balkans und ganz Ost-Europas nichts im Weg.

Die furiosen Balkan-Beats sorgten quasi automatisch für Bewegung im Publikum. Es wurde ge-swingt, geklatscht und mitgesungen. Dabei spielte es keine Rolle, ob man es verstand, was man mitzusingen versuchte. Schließlich war es die Musik, die das verbindende Element des Auftritts bildete.

Vermutlich verstanden tatsächlich nur die Musiker auf der Bühne die Texte. Denn die waren auf Bulgarisch, Russisch und Rumänisch abgefasst und zudem auf Serbisch oder Jiddisch. Als Unterstützung gab es immer die eine oder andere Übersetzung und Zusammenfassung vor den jeweiligen Songs.

"In der zweiten Strophe geht es darum, wie viel man in der serbischen Stadt Ni trinken kann", sagte etwa ein gut gelaunter Daniel Marsch, der ein ums andere Mal an Geige und Akkordeon zu begeistern wusste. Aber auch seine Mitmusiker spielten entfesselt auf - Hölzle an Geige, Bratsche und Klarinette, Sabine Schmelzer-Beversdorff am rauchig klingenden Saxofon, Joachim Heinemann am Kontrabass und Perkussionistin Susanne Heinemann, die ausgiebig Instrumente wie Rahmentrommel, Congas, Riqq und Cajon bearbeitete.

Manchmal war es ein Ausflug in die Puszta, wenn es etwa im Lied "So spricht der kleine Junge" mit melancholisch-fetzigen Czardasz-Rhythmen zur Sache ging. Oder es ging um die musikalische Völkerverständigung, etwa in der äußerst gelungenen Kombination von amerikanischem Swing und jiddischer Folklore in "Bay mir bistu scheyn". Dort brillierte das Odessa-Projekt zunächst mit mehrstimmigem Gesang. Dann aber stieg Schmelzer-Beversdorff in ein großartiges Saxofon-Solo ein, das den Abend endgültig weg von der Folklore, rein in den riesigen Jazz-Schmelztiegel beförderte. Und als das Publikum dann noch die eingängige "badabada"-Melodie gekonnt aufnahm und minutenlang mitsang, ergab sich daraus eine ganz große Szene mit Erinnerungswert.

Auch der Abschluss hatte Format: Das Lied war allgemein bekannt, vermutlich durch den Hit von Mary Hopkin aus dem Jahr 1968. Der beruhte indes auf einem alten russischen Volkslied mit dem Titel "Dorogoi dlinnoju" aus dem Jahr 1917 - und passte somit hervorragend ins Konzept von "Odessa-Projekt". Die Musiker brachten das Lied in einer multilingualen Version mit russischen, englischen und jiddischen Textteilen auf die Bühne.

(wow)
 
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