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Hückeswagen
Orts-DRK ist runter von Intensivstation

Hückeswagen. Einen richtigen Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gibt es in Hückeswagen nicht mehr. Hans-Peter Propach, offiziell der Leiter des Arbeitskreises Blutspende Hückeswagen, ist aber auf einem guten Weg, ihn wieder aufzubauen. Von Stephan Büllesbach

Es hat schon einfachere Einstiege in ein Vorstandsamt gegeben. Als Hans-Peter Propach im Sommer 2013 den Ortsverein als Vorsitzender übernahm, hatte das DRK Hückeswagen eine Leidenszeit hinter sich. Über viele Jahre steuerte der Ortsverein in ruhigem Fahrwasser. Die Vorsitzenden wie Kurt Walder, Uwe Ufer oder Daniel Steinhaus hatten kaum Probleme. Letzterer stellte sich im Juni 2012 jedoch nicht mehr zur Wiederwahl, ihm folgte Michael Dahmen. Doch der schied nach nur wenigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen wieder aus.

Das DRK in Hückeswagen stand urplötzlich nicht nur ohne Vorsitzenden da. "Es war auch kein Geld mehr da", berichtet Hans-Peter Propach über eine Entwicklung, die ihm später zugetragen worden war. So seien etwa Quads angeschafft worden. Das DRK-Haus Bachstraße 6 wurde verkauft, dafür fand das DRK eine Unterkunft in Hartkopsbever. Monatelang hatte der Kreisverband die Geschäfte geführt, ehe Propach das Steuer übernahm. Der Vorruheständler, der bei der Feuerwehrwehr der Bayer AG beschäftigt und zudem im Rettungsdienst tätig war, war erst 2012 zum Ortsverein gestoßen.

Mit einem jungen Vorstandsteam machte er sich vor zwei Jahren auf, das Hückeswagener DRK aus der Krise zu führen. Doch auch das funktionierte nur bedingt. Einige Mitglieder, auch des Vorstands, kehrten Hückeswagen den Rücken. Die Folge: Es gibt keinen Ortsverein mehr. "Der Kreisverband ist momentan rechtlich für Hückeswagen zuständig", bestätigt dessen Geschäftsführer Rolf Braun. In der Schloss-Stadt gibt es derzeit nur noch einen Arbeitskreis Blutspende Hückeswagen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Das DRK ist zwar mittlerweile ohne Domizil - die angemieteten Räume in Hartkopsbever wurden gekündigt und die wenigen Utensilien wie das Spülmobil, das Geschirr oder die Kühl- und Gefrierschränke für die Blutspenden sind in einer Scheune in Sohl eingelagert -, aber für Hans-Peter Propach geht der Blick nur nach oben. Sein Ziel ist klar umrissen: "Wir streben wieder die Gründung eines Ortsvereins an." Das bestätigt auch Braun, der dafür das kommende Jahr anpeilt.

23 Mitglieder hat das Rote Kreuz noch in Hückeswagen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um die Frauen, die sich um die Blutspende-Aktionen kümmern - allen voran Berta Scheider und Karin Feil, die federführend für die Organisation und den Einkauf sind.

Laut Propach sind schon die ersten Mitglieder, darunter auch frühere Vorstandsmitglieder, wieder zurückgekehrt. So etwa Nikolas Kuhlmann und Michele Russo. Letztere will in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum versuchen, ein Jugend-Rotkreuz aufzubauen.

Propach, der auf die Unterstützung durch den DRK-Ortsverein Dahlhausen und dessen Vorsitzenden Ralf Feldhoff bauen kann, will sich nun zum Erste-Hilfe-Ausbilder schulen lassen. So möchte er in Hückeswagen wieder Erste-Hilfe-Kurse anbieten, denn: "Das bringt Geld für den Ortsverein." Auch könnten, wenn wieder mehr Mitglieder in Hückeswagen registriert sind, die Sanitätsdienste bei Veranstaltungen wie dem Schützen- oder dem Altstadtfest mit einheimischen Kräften bestückt werden. All das ist notwendig für die Finanzierung des Ortsvereins. Zurzeit übernehmen solche Dienste die Rotkreuzler aus den Nachbarstädten.

Außerdem plant Propach, den Schulsanitätsdienst wieder einzuführen. Auch davon erhofft er sich, die eine oder andere Nachwuchskraft fürs DRK gewinnen zu können. "Wir machen jetzt Stück für Stück Mitgliederwerbung", sagt er. Der 62-Jährige weiß aber auch, dass es gerade bei Jugendlichen nicht so einfach wird, seien sie doch mit Nachmittagsunterricht und anderen Aktivitäten wie Musik oder Sport schon gut ausgelastet.

Der Kreis-Geschäftsführer zeigt sich zufrieden mit der Aufbauarbeit des Hückeswageners. "Er hatte einen sehr schwierigen Start", blickt Braun zurück auf eine Zeit, in der das Rote Kreuz in der Schloss-Stadt "finanziell und personell am Ende" war. Propach scheint sich inzwischen wohlzufühlen, vor allem mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Dahlhausen: "Das Schöne ist, dass wir Hand in Hand arbeiten. Dann macht das, was andere an die Wand gefahren haben, auch wieder Spaß."

Quelle: RP
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