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Norbert Fink
Pfarrer müssen Sprache der Jugend sprechen

Norbert Fink: Pfarrer müssen Sprache der Jugend sprechen
Weltjugendtag in Madrid 2011 - mittendrin ganz viele junge Pilger aus Radevormwald und Hückeswagen. Die Stimmung war großartig. Die Bergischen trafen viele Menschen aus Ländern, die sie teilweise nur aus dem Atlas kannten. Im Mittelpunkt standen aber auch Stille und Andacht und der Besuch einiger Konzerte. FOTO: Loh (archiv)
Hückeswagen. Norbert Fink aus Gummersbach ist Pfarrer und Jugendseelsorger für den Oberbergischen Kreis. Im BM-Interview spricht er darüber, warum die Kirche für viele Jugendliche einen wichtigen Halt bietet und was Pfarrer machen müssen, um die Jugend auf der Straße zu erreichen.

Herr Fink, was ist an der Kirche so toll?

Fink Dass die Kirche eine weltumspannende und alle Menschen integrierende Familie ist, die einem Heimat gibt.

Kommt die Osterbotschaft bei den Jugendlichen heute noch an?

Fink Ich glaube, dass der Osterhase eher bei Jugendlichen ankommt, als der auferstandene Jesus. Denn die meisten Jugendlichen beschäftigen sich wenig mit den Themen "Tod und Auferstehung", da beides für sie in ihrer Lebensphase und ihrem Erfahrungshorizont meistens noch viel zu weit weg ist.

Und woran merken Sie, dass sie doch ankommt?

Fink Die Osterbotschaft kommt bei denjenigen an, die wissen, wohin sie gehen, wenn sie diese Welt einmal verlassen werden. Man merkt, dass solche junge Menschen, die an die Osterbotschaft glauben, aus einer großen Zuversicht und Hoffnung heraus leben und ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen meistern.

Womit kann man Jugendliche in die Kirche locken?

Fink Ich würde sagen mit authentischen Glaubenszeugen, die das tun, wovon sie reden. Und mit guten Jugendangeboten, die den Jugendlichen etwas für ihr Leben und ihren Glauben mitgeben. Außerdem müssen Jugendliche spüren, dass man sie gerne hat und für sie da ist in Freud und Leid.

Schreckt die Strenge der katholischen Kirche nicht eher ab?

Fink Einige sicherlich, einige auch nicht. Einige wünschen sich sicherlich mehr Offenheit in der Kirche was Gottesdienstfeiern oder Moral anbetrifft, und andere sind wiederum froh, dass es noch jemanden in ihrem Leben gibt, der ihnen einen Weg weisen kann, der feste Regeln kennt, durch die man gehalten wird. Gerade im Leben von jungen Menschen ist so vieles im Umbruch, dass solche Konstanten auch einmal hilfreich sein können.

Was würde Jesus heute machen, um Jugendliche zu begeistern?

Fink Er würde das tun, was er schon immer getan hat und tut: Er würde sie lieben, gerade die Außenseiter und die Opfer von Mobbing. Er würde sich für sie einsetzen, sie beschützen und ihnen viel mehr zutrauen, als sie sich selbst zutrauen.

Warum sind die Kirchen auch in Radevormwald und Hückeswagen an hohen Feiertagen immer so gut besucht, während der normale Sonntagsgottesdienst scheinbar eher unattraktiv erscheint?

Fink Weil viele Menschen immer noch lediglich aus Tradition und Gewohnheit an den hohen Feiertagen in die Kirche gehen, aber nicht aus Überzeugung. Und weil die hohen Feiertage besondere Momente im Leben sind, wo man auch als Familie zusammenkommt und dann eben auch Gottesdienste besucht. Vielleicht aber auch, weil sich die Gottesdienste an den hohen Feiertagen von anderen Gottesdiensten abheben, weil sie besonders feierlich gestaltet sind und mehr für die Sinne bieten, als der scheinbar graue Alltag eines normalen Sonntagsgottesdienstes.

Was müssen Pfarrer machen, um die Jugend auf der Straße zu erreichen?

Fink Sie müssen dorthin gehen, wo die Jugendlichen sind, und für ihre Botschaft werben. Man kann also nicht erwarten, dass die Jugendlichen wie selbstverständlich zu uns kommen, sondern man muss um sie werben. Und sie müssen die Sprache der Jugend sprechen, ihre Lebenswelten kennen sowie ihre Sorgen und Probleme nachvollziehen können - sprich Interesse an ihnen zeigen.

Was macht den Reiz der Messdienerschaft aus?

Fink Der Reiz, ein Messdiener zu sein, liegt wohl daran, im Gottesdienst ganz nah am Geschehen dabei zu sein. Ebenfalls attraktiv ist es, eine Aufgabe im Gottesdienst zu haben, also nicht nur dazusitzen, sondern aktiv eine Messe mitzutragen und mitzugestalten. Außerdem macht es Spaß, Teil einer großen Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu sein.

Wie wichtig ist Ökumene in der Jugendarbeit?

Fink Ökumene ist sehr wichtig, da die heutigen Jugendlichen so gut wie gar nicht mehr die Unterschiede bei den Konfessionen sehen, sondern eher das Gemeinsame. Außerdem man kann als Christen sehr viel gemeinsam tun. Deshalb biete ich auch ökumenische Filmgottesdienste, Taizégebete, Jugendkreuzwege und Taizéfahrten an. Wir glauben als Christen alle an den gleichen Gott und haben dieselbe Grundlage, aus der wir leben: die Bibel und das Gebet. Das gilt es zu fördern.

Muss die Zusammenarbeit da nicht noch intensiviert werden?

Fink Ich glaube beim Thema "Zusammenarbeit" kommt man nie an ein Ende. Man könnte und müsste noch mehr aufeinander zugehen und zusammenarbeiten, denn wir arbeiten ja alle für, beziehungsweise dienen demselben Gott.

Was kann man denjenigen erwidern, die von Skandalen in der Kirche immer wieder enttäuscht sind und sich abwenden?

Fink Nicht aufzugeben, an das Gute im Menschen und auch in der Kirche zu glauben. Denn es gibt unglaublich viel Gutes, was jeden Tag durch Menschen in der Kirche getan wird. Das darf man bei allem Negativen auch nie aus dem Blick verlieren. Und aus negativen Beispielen und Fehlern gilt es zu lernen.

Woran sehen Sie persönlich Gott in der Welt?

Fink Ich sehe Gott in unserer Welt in seinem Wirken. Ich sehe ihn in Menschen, die ihn erfahren und mit ihrem Leben bezeugen. Ich sehe ihn in den Sakramenten der Kirche. Ich sehe ihn überall dort, wo Vergebung und Liebe über den Hass siegen und Menschen umkehren. Ich sehe ihn in der Schönheit der Schöpfung und oftmals auch in der Kreativität der Kunst. Vor allem aber erkenne ich ihn oftmals im Nachhinein, wenn ich mein Leben betrachte und die Fügungen meines Lebens sehe.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

Quelle: RP
 
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