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Hückeswagen
Platz für 100 Flüchtlinge in Hämmern

Hückeswagen: Platz für 100 Flüchtlinge in Hämmern
Das Haus Alte Papiermühle 10a hat die Stadt von den Johannitern angemietet, dort sollen bis zu 20 Männer untergebracht werden. Mit dem Eigentümer der Alten Papiermühle verhandelt die Stadt noch über eine Anmietung. Dort sollen bis zu 75 Männer wohnen können. FOTO: büba
Hückeswagen. Die Stadt Wipperfürth will in Hämmern - nahe der Grenze zu Hückeswagen - drei Unterkünfte für Flüchtlinge schaffen. Allein in der Alten Papiermühle könnten bis zu 75 alleinstehende Männer untergebracht werden, so die Planungen. Von Stefan Corssen

Das Bürgerhaus Hämmern platzte aus allen Nähten. Die Nachbarstadt will in dem Dorf nahe Hückeswagen drei Flüchtlingsunterkünfte einrichten und hatte deshalb zu einem Infoabend eingeladen. Bürgermeister Michael von Rekowski sprach von einer "großen Herausforderung". Bislang habe man diese gut meistern können, auch dank der Ehrenamtler. "Ereignisse wie in der Kölner Silvesternacht haben wir hier nicht, es gibt allenfalls Reibereien." Flüchtlingszahlen Aktuell leben in Wipperfürth 480 Flüchtlinge, allein 2015 kamen 288 hinzu. Für 2016 müsse man mit ähnlichen Zahlen rechnen, berichtete Ordnungsamtsleiter Ulrich Bürger. Bislang hat Wipperfürth vor allem Familien zugewiesen bekommen, künftig werden mehr alleinstehende Männer kommen. 90 Wohnungen hat die Stadt bereits für Flüchtlinge angemietet, auch auf den Dörfern. Die Immobilien Die Stadt hat das Haus Hämmern 4a gekauft und wird dort zwei Familien unterbringen. Das Haus Alte Papiermühle 10a hat die Stadt von den Johannitern angemietet, dort sollen bis zu 20 Männer untergebracht werden. Mit dem Eigentümer der Alten Papiermühle verhandelt die Stadt noch über eine Anmietung. Dort sollen bis zu 75 Männer wohnen können. Solche Gebäude stehen laut Stadtverwaltung nur in Hämmern zur Verfügung. Eine Verteilung der Flüchtlinge nach dem Gießkannen-Prinzip gehe nicht. Wenn die Stadt nicht auf die Alte Papiermühle zugreife, dann werde dies möglicherweise der Kreis tun.

Dieter Klewinghaus, Leiter des auch für Hückeswagen zuständigen Regionalen Gebäudemanagements, erläuterte Einzelheiten. Auf einer Etage der Alten Papiermühle sollen auf 860 Quadratmetern 18 Vier-Bett-Zimmer, alle 28 bis 30 Quadratmeter groß, entstehen, außerdem Küchen, Sanitär- und Gemeinschaftsräume. Der Umbau dauert schätzungsweise bis zum Sommer, frühestens im Juli können dort die ersten Flüchtlinge einziehen. Ob es dazu kommt, hängt von der Entwicklung der Flüchtlingszahlen ab. Alle zugewiesenen Flüchtlinge muss die Stadt unterbringen. Die Sicherheit Wie Kriminalhauptkommissar Ansgar Lehmen erklärte, gebe es durch die Flüchtlinge keinen wesentlichen Anstieg der Kriminalität. "Es kommt zu Streit untereinander. Wenn es Auffälligkeiten gibt, dann im Bereich Ladendiebstähle." Lehmen appellierte an die Bürger, bei Verdacht sofort die Polizei zu rufen oder sich an die Bezirksbeamten zu wenden. Die Polizei tue ihr Bestes, aber eine Sicherheitsgarantie - wie sie mehrere Bürger forderten - könne es nicht geben. Security Die Stadt Wipperfürth hat zugesichert, dass an der Alten Papiermühle rund um die Uhr zwei Security-Mitarbeiter vor Ort sein werden. Sie sollen sowohl die Unterkunft gegen mögliche Angriffe sichern als auch die Bewohner im Blick behalten. Die Finanzierung Die Miete für die Gebäude in Hämmern und die Kosten für den Umbau trägt die Nachbarstadt aus ihrem Haushalt. Sie erhält im Gegenzug Mittel vom Land und vom Bund. Laut Stadtverwaltung decken diese Gelder die Ausgaben nicht vollständig ab. Sorgen der Anwohner In Hämmern leben 800 Menschen, nun sollen zusätzlich bis zu 100 Flüchtlinge dort unterkommen. Dieses Verhältnis, vor allem aber die Tatsache, dass in Hämmern auf engem Raum fast ausschließlich alleinstehende Männer wohnen sollen, sorgen für Ängste. Viele Flüchtlinge sind bislang nicht wirklich erfasst worden. Vor allem Frauen und Kinder könnten belästigt werden, ist eine häufig geäußerte Sorge. Zudem seien zwei Security-Leute zu wenig. Einige Anwohner bemängelten, die Polizei habe zu wenig Personal, um im Ernstfall schnell helfen zu können. Integration Peter Hennecke für die Ökumenische Initiative, Regina Billstein und Ute Berg für WippAsyl warben dafür, den Flüchtlingen offen zu begegnen und die Menschen erst einmal kennenzulernen. Mittlerweile gibt es in Wipperfürth mehr als 100 Paten, die engen Kontakt zu Flüchtlingen halten.

Der Bürgerverein Hämmern will Ideen sammeln, wie man die Neuankömmlinge im Dorf mit einbeziehen kann. "Wir sollten positiv herangehen", sagte der Vorsitzende Norbert Grüterich.

Quelle: RP