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Hückeswagen
Praxisbörsentag weckt Mediziner-Interesse

Hückeswagen. Hückeswagen und andere Kommunen in Oberberg bekommen langsam ein Problem, weil die Hausarztpraxen nicht übernommen werden. Jetzt scheint es einen Silberstreif am Horizont zu geben. Von Stephan Büllesbach

Der 17. Praxisbörsentag der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein in Köln hatte sich zum Ziel gesetzt, Nachwuchs und Nachfolger für niedergelassene Arztpraxen vor allem für ländliche Gebiete zu gewinnen - wie etwa Oberberg. Im Fokus dieses Aktionstags standen konkrete Hürden, die für potenzielle Bewerber häufig als ein unüberwindbares Hemmnis oder als wenig lukrativ wahrgenommen werden. So war es dem Veranstalter ein Anliegen, nicht nur eine Vermittlung zwischen "Abgebern und Nachfolgern" zu ermöglichen, sondern auch den Ablauf einer möglichen Praxisab- und -übergabe sowie mögliche Fördermöglichkeiten im Rahmen einer Existenzgründung zu erläutern.

Wie viele andere Kommunen des ländlichen Raums hat auch Hückeswagen damit zu kämpfen, dass niedergelassene Ärzte keine Nachfolger mehr finden. Junge Mediziner ziehen in der Regel eine Anstellung in der Großstadt vor, und so müssen die verbleibenden Ärzte etwa in der Schloss-Stadt immer mehr Patienten betreuen. Die Sogwirkung der Stadt Köln etwa ist wie ein Magnet und Dogma in den Köpfen der jungen Mediziner. Die Arbeits- und Lebensbedingungen sind inzwischen sehr viel schlechter als auf dem Land, werden aber in Kauf genommen, um am scheinbar besseren urbanen Lebensgefühl teilzuhaben.

Ein Argument für das Land ist jedoch das "antizyklische Fahren" ohne Stau, für das man, je nach Wohnort in Köln, kürzer braucht als innerhalb der Domstadt von einem Stadtteil in den anderen. Außerdem locken hier günstigere Immobilienpreise und die (Freizeit)-Möglichkeiten für Familien mit Kindern - denn auf dem Land "ist die Welt noch weitgehend in Ordnung". Kinder können in einer relativ geborgenen Umgebung groß werden.

So waren die ernsthaften Interessenten an Hausarztpraxen auch zu zwei Drittel Frauen. Sie sehen Vorteile für ihre Kinder und Familien, aber auch den wirtschaftlichen Vorteil durch günstigere Praxisabgaben und insgesamt günstigere Lebensbedingungen auf dem Land. Angebote zur Suche geeigneter Schulen und Kitas sowie gegebenenfalls auch von Immobilien wurden dankend angenommen. "Die Psychotherapeuten denken bereits im großen Stil um", berichtet Kreis-Sprecher Philipp Ising. Hätten sie doch erkannt haben, dass es in der Stadt irgendwann zu wenig Patienten für alle Psychotherapeuten gibt und selbst große Praxen in absehbarer Zeit wirtschaftlich unrentabel werden - oder es bereits sind.

Der Kreis zieht ein positives Fazit des Praxisbörsentags. So waren rund 150 Besucher am Stand des Kreisgesundheitsamts, um sich über die Möglichkeiten in Oberberg zu informieren. Aber auch Anfragen und Gespräche mit suchenden Medizinern würden Hoffnung machen, die freien und frei werdenden Arztpraxen in Oberberg zu besetzen. "Das kann und muss aber erst der Anfang sein", sagt Sozial- und Gesundheitsdezernent Ralf Schmallenbach. "Wir müssen die positiven Kriterien, die für eine Existenzgründung in Oberberg sprechen, herausarbeiten. Diese Vorteile müssen wir Interessenten im 1:1-Kontakt verkaufen."

Quelle: RP
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