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Hückeswagen
Puppenspieler-Welt ohne eine Stop-Taste

Hückeswagen. An sechs Spielorten in der Lenneper Altstadt zeigen die Puppenspieler am Sonntag 13 verschiedene Stücke.

Bei einer Puppentheater-Aufführung im Webersaal der Lenneper Klosterkirche während des Puppenspielfestivals vor zwei Jahren sprang ein Mädchen plötzlich auf und rief: "Kannst du mal eben auf die Stop-Taste drücken, ich muss auf die Toilette." Das Puppenspiel fasziniert halt auch im Zeitalter der Digitalisierung, wo fast jedes Kind schon ein Handy besitzt und auf youtube zu Hause ist.

Beim Puppenspielfestival 2015 in der Lenneper Altstadt herrschte großer Besucherandrang. Den erhofft sich Andreas Meike vom Stadtmarketing Remscheid wieder für kommenden Sonntag, 10. September. An sechs Spielorten im Altstadtkern zeigen die Puppenspieler 13 verschiedene Stücke in 14 Vorstellungen. Es gibt für die Aufführungen im Freien bei Regen Ausweichorte wie die Moll'sche Fabrik, das Rotationstheater und die Räume der Welle.

Die Titel der Stücke beziehen sich meist auf die deutsche Märchentradition: "Der Kaisers neue Kleider", "Schneeweißchen und Rosenrot", "Der Häwelmann", "Prinzessin auf der Erbse" oder "Der Froschkönig". Puppenspieler greifen gerne auf Märchenstoffe zurück, weil sich mit ihnen die kindliche Seele zielsicher erreichen lässt. Und nicht nur sie - die Erzählweise der alten Stoffe wird von markanten Figuren geprägt.

Und es gibt immer wieder Variationen der Geschichten, wie es die Puppenspielerin Petra Albersmann vor zwei Jahren zeigte: "Schneewittchen steigt aus" lautet der Titel ihres Stücks. Schneewittchen langweilt sich in der Rolle als wachgeküsste Prinzessin - und wünscht sich ein anderes Ende. Albersmanns Puppenspiel bildete den Auftakt zu einem Puppenspiel-Seminar.

Das Kartoffelfest auf dem Alter Markt und der verkaufsoffene Sonntag in der Altstadt finden gleichzeitig zum Puppenspielfestival statt. Das ist ganz nach dem Geschmack der Puppenspieler: Ein voller Bongartshof vor der Klosterkirche zum Beispiel, in dem Familien, vom Enkel bis zur Oma, gemeinsam Theater schauen, steht für ideale Puppenspielfestival-Atmosphäre. Die 14 Vorstellungen finden am Sonntag von 11 Uhr bis 16 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Das ist möglich, weil die Firma Vaillant das Festival sponsert.

Warum hat das Puppenspiel trotz großer medialer Konkurrenz offensichtlich nichts an Anziehungskraft verloren? "Die Kinder kennen sich aus, weil sie selber mit Puppen spielen", sagt Gerd Knecht, Dozent für Spielpädagogik an der Akademie Remscheid. Die Geschichten, die sie mit ihren Puppen spielen, sind Geschichten aus ihrem Leben.

(cip)
 
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