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Hückeswagen
Radeln, wo noch „Urwald“ ist

Hückeswagen. Wo bis 1983 noch Personenzüge fuhren, sollen sich nach dem Willen sämtlicher Ratsparteien bald Radfahrer, Jogger und Wanderer tummeln. Die Politiker wollen, dass aus der still gelegten Bahntrasse ein Rad-/Gehweg wird. Von Stephan Büllesbach

Ein Durchkommen ist schier unmöglich. Die Natur hat sich die Trasse, auf der einst täglich Personen- und Güterzüge fuhren, längst zurückerobert. Gras, Büsche und sogar Bäume sind dort in den über 20 Jahren gewachsen, in denen kein Zug mehr daher rollt. Wenn es nach dem Willen der Politiker und der Verwaltung geht, könnte sich jedoch bald etwas ändern. Denn der Antrag der „Listenverbindung“ aus SPD, FDP, UWG und Grünen, auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen den Stadtgrenzen zu Wipperfürth und Remscheid (Bergisch Born) nach Wipperfürther Vorbild einen Rad/Gehweg anzulegen, stieß am Montagabend in der Ratssitzung auf einhelliges Interesse.

Schwierige Topografie

„Rad fahren macht Spaß, hält fit und gesund“, warb Horst Fink (SPD), als er den Antrag der vier Fraktionen erläuterte. Das Radeln im Bergischen sei aufgrund seiner Topografie schwierig. „Aber dieses Problem ließe sich leicht lösen“, meinte Fink und verwies auf die Nachbarstadt: In Wipperfürth wurde 2001 die damals bereits entwidmeten Bahnstrecke so hergerichtet, dass sie seither vom Sportplatz Ohler Wiesen bis Marienheide als Rad- und Wanderweg fungiert.

Die Verwaltung solle nun, nach einem positiven Ratsbeschluss, die Möglichkeiten für die Errichtung eines Rad-Gehwegs erkunden. Und das umgehend. „Wir sollten nicht auf Fördermittel etwa der ,Regionale 2010’ warten. Denn sonst werden wir die Fertigstellung nicht mehr erleben“, befürchtet Fink.

Auch Jörg von Polheim forderte ein schnelles Handeln. „Viele Kinder fahren mit dem Rad nach Wipperfürth zur Schule und müssen dann an der gefährlichen Bundesstraße entlang.“ Der Radweg über die Bahntrasse wäre sicherer, glaubt der FDP-Fraktionschef. Unterstützung erhielt er von Ralf Thiel (FaB), der sagte: „So kann man ungestört vom Verkehr radeln.“

Horst Schreiber, Fraktionschef der CDU, erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits vor Jahren einen ähnlichen Antrag formuliert hatte. „Damals waren aber noch einige bei den Grünen aus dem Anzug gesprungen“, blickte er zurück und betonte das Wort „Anzug“, was bei den übrigen Ratsmitglieder für Gelächter sorgte. Das Umschwenken der Umweltpartei erklärte Egbert Sabelek dann mit Worten: „Wir sollten jetzt etwas Sinnvolles mit der Trasse anstellen, um später eventuell andere Verkehrsmittel darüber fahren zu lassen.“

Verwaltung vorgeprescht

Bürgermeister Uwe Ufer hörte sich die Diskussion an und meinte dann zur Überraschung aller: „Der Förderantrag ist bereits gestellt. Und wir haben Kontakt aufgenommen, ob wir die Bahnflächen erwerben können.“ Mit einem Lächeln in die Runde meinte er noch: „Wir haben nämlich mit einer positiven Reaktion Ihrerseits gerechnet.“

Quelle: RP
 
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