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Hückeswagen
Registrierung in Bonn "eine Katastrophe"

Hückeswagen: Registrierung in Bonn "eine Katastrophe"
Etwa 180 Hückeswagener Flüchtlinge konnten jetzt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihre Asylanträge stellen. Allerdings ging es in Bonn drunter und drüber - berichteten jedenfalls Stadt und Flüchtlingsnetzwerk. FOTO: endermann (Archiv)
Hückeswagen. Rund 180 Flüchtlinge, die in Hückeswagen leben, sollten in der vorigen Woche beim Bundesamt in Bonn ihre Asylanträge einreichen. Doch nach Aussage von Stadt und Flüchtlingsnetzwerk sei die Organisation "katastrophal" gewesen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Eigentlich war es eine gute Nachricht: Die rund 180 Flüchtlinge, die noch ohne Asylantrag in Hückeswagen lebten, sollten endlich durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Bonn registriert werden. Für Donnerstag, 28. Juli, hatten 123 von ihnen einen Termin in Bonn bekommen, von Flüchtlingsnetzwerk und Stadtverwaltung organisierte Busse brachten sie am Vorabend dorthin. Weitere 36 Flüchtlinge hatten ihren Termin tags drauf, auch sie sollten am Vortag anreisen. Was dann aber passierte, dafür haben Michael Kirch, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt, seine Vertreterin Sabine Erxleben und Deike Schütte vom Flüchtlingsnetzwerk kaum Worte: "Chaos, indiskutabel, katastrophale Organisation durch das Bamf", sagten sie jetzt in einem Pressegespräch.

So seien von den ersten 123 Flüchtlingen lediglich 31 mit ihrem Asylantrag zurückgekommen, die restlichen sollten eine weitere Nacht im Bonner DRK-Camp bleiben. "So sind am Freitag weitere 36 Menschen nach Bonn gefahren. Von den insgesamt 128, die den Tag über dort waren, sind immerhin 76 mit Antrag zurückgekommen", berichtete Erxleben. In zwei E-Mails habe das Bamf die Stadtverwaltung dann darüber informiert, dass am Montag die restlichen 42 Flüchtlinge noch einmal nach Bonn müssten. "Die zweite Mail ist am Freitag erst um 16.30 Uhr gekommen", betont Erxleben. "In einer Hauruck-Aktion, an der auch Monika Winter von der Verwaltung beteiligt war, haben wir dann bei der OVAG kurzfristig für den Montag erneut Busse organisieren können", berichtete Erxleben.

Die Registrierung selbst hätten die Menschen als "beklemmend und unangenehm" empfunden, sagte Schütte. "Als ich die Schilderungen gehört habe, habe ich mich geschämt." So sei die Rede von einem etwa sechs mal zwölf Meter großen Raum mit nur zwei Fenstern gewesen, die wegen des Regens nicht geöffnet werden konnten. Darin hätten sich rund 200 Menschen befunden, die nur alle zwei Stunden für einige Minuten an die frische Luft durften. Auch die Security sei als "nicht besonders freundlich" beschrieben worden. "Und was es heißt, teilweise bis zu zwölf Stunden ohne Information rumsitzen zu müssen, nur um ohne Ergebnis wieder nach Hause geschickt zu werden, kann man sich vorstellen", sagte Schütte.

Genau wie die Tatsache, dass etwa kein Antrag der albanischen Flüchtlinge bearbeitet wurde oder ein Somali ergebnislos nach Hückeswagen zurück musste, weil kein Dolmetscher vor Ort gewesen sei. "Oder der Fall eines Familienvaters, der mit seinen drei Kindern nach Bonn gefahren war", erzählte Erxleben. "Seine Frau hatte gerade das vierte Kind bekommen. Es war abgesprochen, dass sie und das Baby nicht mitfahren müssten", erzählte Erxleben. Trotzdem sei der Fall des Vaters und der drei Kinder nicht bearbeitet worden.

"Der Gipfel war aber, als am Donnerstagabend in einem der Busse statt der 30 Hückeswagener Flüchtlinge, plötzlich 50 Menschen saßen. 20 kamen aus Eitorf, die hätten sie in Bonn gar nicht in unseren Bus einsteigen lassen dürfen", kritisierte Kirch die Organisationsmängel. Dabei sei man im Grunde sehr froh, dass das Verfahren endlich stattgefunden habe. "Wir haben das Bamf erstmals deswegen im Frühjahr 2015 angeschrieben, Ende 2015 noch einmal. Vor vier Wochen hieß es dann endlich, dass es losgeht."

Abgesehen von den Kosten, die durch unregistrierte Flüchtlinge auf die Kommune zukommen, sei es vor allem für die Menschen ein unhaltbarer Zustand: "Ohne Registrierung können arbeitswillige Menschen nicht arbeiten, hängen ganze Familien in der Schwebe. Das kann man sich kaum vorstellen", sagte Schütte. Stadtverwaltung und Flüchtlingsnetzwerk werten die Aktion dennoch als Erfolg. "Auch wenn das von Bamf-Seite her viel besser hätte organisiert werden müssen", betonte Kirch.

Quelle: RP
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