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Hückeswagen
Rentner fährt in Lkw und muss vor Gericht

Hückeswagen. Er hatte an einem Tag Ende April mittags zum Friedhof nach Hückeswagen fahren wollen, doch unterwegs wurde ihm hinter dem Steuer schlecht: Der 79-jährige Remscheider verlor auf der Bundesstraße 237 unterhalb von Kammerforsterhöhe die Kontrolle über sein Auto und fuhr frontal in einen entgegenkommenden Lastwagen. Von Brigitte Neuschäfer

Bei dem Unfall entstand hoher Sachschaden: Der Wagen des Rentners musste danach verschrottet werden, auch der Sattelzug war beträchtlich beschädigt. Beide Fahrer blieben wie durch ein Wunder weitgehend unverletzt. Jetzt hatte der Unfall ein Nachspiel vor dem Amtsgericht in Wipperfürth. Juristisch ging es im Strafverfahren um fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs.

"Wenn Ihnen damals nicht ein schwerer Lkw, sondern ein Kleinwagen entgegengekommen wäre, hätte der Fahrer tot sein können. Und auch Sie selbst haben Ihr Leben wahrscheinlich der Tatsache zu verdanken, dass Sie so ein solides Auto gefahren sind", hielt der Richter dem Rentner vor. Wie genau es zu dem Unfall auf der B 237 nahe der "Blitze" hatte kommen können, war letztlich in der Hauptverhandlung nicht aufzuklären: "Ich weiß gar nicht, was eigentlich genau passiert ist. Mir wurde plötzlich übel, und dann bin ich erst wieder zu mir gekommen, als der Airbag aufging", sagte der Rentner aus.

Theoretisch kann es jedem Autofahrer passieren, dass es ihm während der Fahrt plötzlich schwarz vor Augen wird. In den meisten Fällen gelinge es dann aber, den Wagen entweder anzuhalten oder irgendwie noch in den Straßengraben zu lenken, so dass kein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet werde, sagte der Richter über seine Erfahrungen in vergleichbaren Prozessen. Nicht auszuschließen sei, dass der herzkranke 79-Jährige, der dauerhaft Medikamente einnehmen muss, auch deshalb und wegen seines Alters in seiner Fahrtauglichkeit eingeschränkt sei. Dem widersprach der durchaus rüstig wirkende Remscheider: Seit 60 Jahren habe er den Führerschein, nie zuvor habe er seitdem einen Unfall verschuldet. Wegen seiner Herzerkrankung sei er laufend in ärztlicher Behandlung und gut auf seine Medikamente eingestellt. Ansonsten fühle er sich aber fit.

Dennoch griff die Staatsanwältin die Meinung des Richters auf. Sie regte an, das Strafverfahren einzustellen, wenn der Rentner bereit sei, sich beim TÜV einer speziell für ältere Menschen konzipierten Fahrtauglichkeitsprüfung zu unterziehen. "Ich habe nicht das Gefühl, im Straßenverkehr eine Gefahr für andere Menschen zu sein", entgegnete der 79-Jährige. Dennoch werde er sich der Prüfung stellen, denn er wolle seinen Führerschein behalten.

Entsprechend dem Vorschlag der Staatsanwältin stellte der Richter daraufhin das Strafverfahren vorläufig ohne weitere Auflagen ein. Endgültig eingestellt wird es, sobald der Rentner nachweist, dass er an der Prüfung teilgenommen hat. Davon, ob er sie besteht, wird es nun abhängen, ob er auch in Zukunft noch ein Kraftfahrzeug steuern darf. Dem Mann, der in einem abgelegenen Außenbezirk von Remscheid lebt, liegt sehr viel daran, mit dem eigenen Auto mobil zu bleiben.

Quelle: RP
 
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