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Städtepartnerschaft Der Monat Juli In Etaples
"Rose de Cascia" - die Hoffnung der Fischer

Städtepartnerschaft Der Monat Juli In Etaples: "Rose de Cascia" - die Hoffnung der Fischer
Die Sonne strahlte vom weiß-blauen Himmel, als jetzt im Rahmen der jährlichen "Fête de la Mer" ein neuer Fischkutter in Betrieb genommen wurde. Die Jungfernfahrt ging in den östlichen Teil des Ärmelkanals. FOTO: axel bornkessel
Hückeswagen. Einmal im Monat beleuchtet unsere Redaktion das Geschehen in Hückeswagens Partnerstadt Etaples und der Region. In diesem Monat stand die Taufe eines neuen Fischkutters im Mittelpunkt, der der Fischerei wieder Auftrieb geben soll. Von Axel Bornkessel

Etaples Ein wichtiges Ereignis für Etaples fand diesen Monat nicht an der Canche, sondern im Fischereihafen "Loubet" von Boulogne-sur-Mer statt: Bei herrlichem Sonnenschein wurde dort im Rahmen der jährlichen "Fête de la Mer" ein neuer Fischkutter in Betrieb genommen: Das schmucke, etwa 20 Meter lange Schiff heißt "Rose de Cascia" und unternahm kurz darauf unter dem Kommando von Eigner José Leprêtre seine Jungfernfahrt in den östlichen Teil des Ärmelkanals bis weit hinaus in den Nordatlantik.

Dieser Neubau, dem noch zwei Schwesterschiffe folgen werden, könnte die langjährige Krise im Fischereigewerbe der Stadt beenden. Von einem Aderlass sprach noch im Mai der Geschäftsführer der Kooperative CME (Coopérative Maritime Etaplois), Eric Gosselin. Allein im vorigen Jahr seien fünf Boote verkauft worden. Innerhalb von 15 Jahren hätte sich die Etapler Flotte mit ihren 80 Schiffen, die seit langem im Hafen von Boulogne festmacht, somit auf die Hälfte reduziert. Damit seien auch viele Fanglizenzen verlorengegangen, bedauerte Gosselin. Folge dieses allmählichen Ausblutens war, dass man der Hälfte der Belegschaft der CME, die sowohl in Boulogne als auch am Hafen von Etaples arbeitete, kündigen musste.

Nun scheint sich mit einem neuen Geschäftsmodell eine Wende im traditionellen Gewerbe der Partnerstadt anzukündigen: 2015 wurde in Frankreichs größtem Fischereihafen die Gruppe Scopale gegründet - 40 Prozent der Anteile gehören der Reederei Scapêche aus der Gruppe Mousquetaires, die in Frankreich die Lebensmittelmärkte Intermarché und Netto betreibt. Ebenfalls 40 Prozent hält der Fischereiverband an der Küste von Boulogne, den Rest der Anteile besitzt eine weitere Reederei.

Die Boulognaiser Gruppe beschloss sofort die Anschaffung von drei Mehrzweckkuttern, die zum Preis von jeweils 2,5 Millionen Euro in Werften in Dieppe und in den Niederlanden auf Kiel gelegt wurden. Ein Drittel der Kosten übernahm der Fischer als künftiger Eigner des Schiffes, zwei Drittel bezahlte die Gruppe Scopale.

Voraussichtlich im kommenden Spätherbst werden Olivier Leprêtre und Stéphane Fournier aus Etaples die beiden anderen Kutter unter ihr Kommando nehmen. Diese Neubauten sind für unterschiedliche Fangarten konzipiert - sowohl für den Betrieb mit Schleppnetz als auch für das Sammeln der berühmten Saint-Jacques-Muscheln, eine Meeresspezialität von Etaples.

Die Gründer der Scopale betrachten ihr Geschäftsmodell als Win-win-Situation für alle: Die Supermarktkette profitiert von den Erträgen der Schiffe - und natürlich auch die Geschäfte und Restaurants im Hafen an der Canche. Alle Beteiligten können sich nun nach den Kundenwünschen richten und den Fang kostengünstig vermarkten. Die Fischer ihrerseits dürfen mit festen Abnahmemengen und -preisen rechnen, so dass die Investitionskosten für ihr Boot überschaubar bleiben. Die Form der Gesellschaft schützt davor, dass die Schiffe von den Fischern verkauft werden können und damit der Kooperative Fanglizenzen verloren gehen, wie das in der Vergangenheit regelmäßig der Fall war.

Alle Beteiligten an diesem Unternehmen können sich der Unterstützung der neuen Regierung in Paris sicher sein: Anlässlich der Schiffstaufe Mitte Juli hörte sich Landwirtschaftsminister Stéphane Travert in Boulogne die Sorgen und Forderungen der Fischer an und sparte nicht mit kräftigen Worten in Richtung England: Man werde, versicherte der Minister, im Verlauf des Brexit nur im Interesse der Fischer diesseits des Kanals verhandeln. "Geschenke an die Briten kommen überhaupt nicht infrage."

Quelle: RP
 
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