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Hückeswagen
Saftige Strafe für Lkw-Fahrer nach Tour "ins Grüne"

Hückeswagen: Laster aus Böschung geborgen
Hückeswagen: Laster aus Böschung geborgen FOTO: Horn
Hückeswagen. Die Fahrt in eine Tannenschonung zwischen Wickesberg und Purd am 20. Juli 2015 war die bislang letzte mit einem Lkw für einen 33-Jährigen aus Sachsen-Anhalt: Er verlor daraufhin Job und Führerschein. Jetzt stand er vor dem Amtsgericht. Von Stephan Büllesbach

Was, um alles in der Welt, macht ein fast 17 Meter langer Sattelzug bloß in einer Tannenschonung? Diese Frage stellten sich im Juli wohl viele, als sie hörten, dass nahe der Kreisstraße 14 ein solcher Lkw mit Auflieger in einem Waldgebiet festgefahren worden war. Der damals 32 Jahre alte Lkw-Fahrer einer Siegener Spedition hatte Stahl für eine Hückeswagener Firma im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg geladen und war offenbar auf der L 101 in Scheideweg fälschlicherweise nach rechts Richtung Straßweg und dort dann auf die K 14 Richtung Purd/Wipperfürth-Lamsfuß abgebogen. Nur ist die Kreisstraße ab Wickesberg für Lkw über zwölf Metern Länge gesperrt.

Als der Mann aus Sachsen-Anhalt seinen Fehler bemerkte, war er bereits an dem Waldstück oberhalb von Purd angelangt. Dort wollte er angeblich wenden, steuerte seinen Sattelzug samt tonnenschwerer Ladung aber mehrere hundert Meter in ein Waldgebiet, wo das Gespann - in gefährlicher Schräglage - in einer Tannenschonung steckenblieb. Den Grund für diese ungewöhnliche Tour hatten die Polizisten schnell ausgemacht: Der Mann stand unter Drogen. Das bestätigte später die Analyse seiner Blutprobe. Deshalb musste sich der heute 33-Jährige nun vor dem Amtsgericht Wipperfürth verantworten.

Er gab zu, am Wochenende vor der Irrfahrt in die Tannenschonung daheim Cannabis, Amphetaminen und die hochgradig gefährliche Designerdroge Crystal Meth zu sich genommen zu haben. Am Montagmorgen, 20. Juli, war er zunächst von Sachsen-Anhalt nach Hessen gefahren, um dort die Stahllieferung für das Hückeswagener Unternehmen zu laden. Die Wirkung des Drogencocktails reichte aber offenbar bis gegen 19 Uhr, als er seinen Laster in dem Waldstück festfuhr.

Die Folgen für den Mann sind drastisch: Der Ostdeutsche verlor seinen Job, nachdem ihm sein Arbeitgeber fristlos gekündigt hatte. Zudem musste er 500 Euro an die Haftpflichtversicherung seines ehemaligen Arbeitgebers zahlen.

In seinem Plädoyer betonte der Staatsanwalt: "Sein Drogenkonsum hat bei dem Angeklagten offenkundig dazu geführt, dass der Angeklagte an diesem Abend unfähig war, ein Fahrzeug zu führen." Der Richter verurteilte den 33-Jährigen schließlich zu einer Geldstrafe von 1000 Euro; zudem muss der Arbeitslose weitere acht Monate auf seinen Führerschein verzichten.

In seiner Begründung stellte der Richter fest: Auch wenn das Urteil den Angeklagten hart treffen möge, "so hat er doch auch seine große Verantwortung ignoriert, als er unter Drogeneinfluss mit schwerem Gerät losfuhr". Dabei hat (nicht nur) der Lkw-Fahrer noch jede Menge Glück gehabt: Wäre er ein paar Meter weitergefahren, wäre der Sattelzug wohl endgültig umgekippt und womöglich eine Böschung in ein Naturschutzgebiet hinabgestürzt. Die Folgen für die Umwelt wären in diesem Fall wohl verheerend gewesen.

Quelle: RP
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