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Hückeswagen
Schlechte Stimmung bei OGS-Betreuern

Hückeswagen: Schlechte Stimmung bei OGS-Betreuern
Gemeinsames Mittagessen bei der OGS-Betreuung in der Grundschule Wiehagen gestern Mittag: Leiterin Ute Herrmann (l.) und Martina Becker mit Leon (8) und Laura (7). FOTO: jürgen moll
Hückeswagen. Nach der Entscheidung im Schulausschuss, als Träger nicht mehr die Caritas, sondern den Internationalen Bund zu nehmen, überwiegen bei Mitarbeitern und Eltern Enttäuschung, Frust und Resignation. Die Arbeit geht normal weiter. Von Joachim Rüttgen

In der Stimme von Ute Herrmann ist die Enttäuschung deutlich zu hören. Gestik und Mimik sind wenig optimistisch. "Die Stimmung ist sehr niedergeschlagen", sagt die Leiterin der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Wiehagen. Nachdem der Schulausschuss dem Stadtrat empfohlen hat, dass der künftige Träger der OGS-Betreuung ab dem Schuljahr 2016/2017 nicht mehr die Caritas, sondern der Internationale Bund werden soll, rechnet kaum jemand mehr damit, dass sich diese Entscheidung abwenden lässt.

Bei der Dienstbesprechung gestern war der Trägerwechsel auch Thema. Dabei wurde Ute Herrmann vor Augen geführt, wie viele Einzelschicksale betroffen sind: Sechs Gruppenleiter, 13 Zweitkräfte, 15 bis 20 Drittkräfte, drei Küchenkräfte, zwei Küchenhilfen - alle werden sich einen neuen Job suchen müssen. Die meisten haben unbefristete Verträge. "Die Caritas wird nach Alternativen suchen", sagt Herrmann. Für eine Kollegin sei die Situation besonders prekär, ihre Eltern sind pflegebedürftig.

Im Schnitt sind alle Mitarbeiter der OGS acht bis zehn Jahre dabei. "Wir haben sie hier aufgebaut, die Grundprinzipien und das pädagogische Konzept erarbeitet", sagt Bettina Tech. Ob es andere Stellen für die Mitarbeiter gibt, ist unklar. "Bis auf eine Kollegin aus Marienheide kommen wir alle aus Hückeswagen", sagt sie. Die nächsten OGS-Betreuungen gebe es in Lindlar, Gummersbach und Marienheide, dann erst wieder in Dieringhausen, Engelskirchen oder Loope. Für Zweitkräfte mit zehn Wochenstunden lohne sich das nicht. Auch für 20 Stunden fahre niemand durchs Oberbergische, sagt Ute Herrmann.

"Wir leben hier, wir arbeiten hier, wir identifizieren uns mit Hückeswagen", sagt Bettina Tech. Ute Herrmann wird nachdenklich. "Ja, wir verlieren viel", sagt sie mit gesenkter Stimme. Alleine der Gedanke, dass sie ab sofort fast alles das letzte Mal mache, sei bitter. Angst um ihren Arbeitsplatz hatte Ute Herrmann schon früh. "Als die Proteste gegen die Erhöhung der Grundsteuer B anfingen, wusste ich, dass das so kommt", sagt sie. Auch bei den verunsicherten Eltern sei die Hoffnung nicht mehr groß. "Einige wollen noch kämpfen, aber ich glaube nicht, dass es was bringt", sagt die Leiterin. Bürgermeister Dietmar Persian habe sich sehr fair verhalten und das Gespräch mit den Eltern gesucht. "Er war sehr wertschätzend und anständig", sagt sie und verspricht den Eltern und Kindern, in den kommenden zehn Monaten mit viel Herzblut die Zeit so schön wie möglich zu gestalten. "Bitter ist nur, dass wir unseren Arbeitsplatz verlieren", sagt sie. Und viele Vorteile der Caritas: 100-prozentige Betriebsrente, tarifgebundene Bezahlung, außerdem stellt der Träger Drittanbieter für Sport, Kunst und Musik, die mit den Schülern nachmittags arbeiten. Auch die Fachdienste der Caritas hätten der OGS unkompliziert und kurzfristig geholfen: Ob bei Schwierigkeiten im Bereich Migration, bei Spielsucht, Erziehungsberatung oder Kindeswohlgefährdung - "auch wir Mitarbeiter haben wertvolle Unterstützung erfahren", sagt Ute Herrmann. Wichtig sei ihr, dass die Kinder in der OGS nicht verwahrt, sondern pädagogisch betreut und begleitet werden - Motto: Fordern und fördern. Sie befürchtet, dass der Lohn unter dem neuen Träger wesentlich geringer sein wird. "Und der neue Träger bräuchte jemanden, der die Strukturen kennt, denn mit dem Weggang der Caritas verschwinden die auch", meint Bettina Tech. Da stecke eine Riesensumme dahinter, die die Stadt sparen kann, vermutet Herrmann. Die Unsicherheit bei den Eltern ist groß. Sie zu beruhigen, das ist die Hauptaufgabe der OGS-Betreuer. Sollte sich der Rat für den IB entscheiden, wird die Caritas nach der dreiwöchigen Ferienbetreuung in den Sommerferien 2016 verschwinden.

Quelle: RP
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