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Hückeswagen
Schule im Umbruch der Geschichte

Hückeswagen. Entlass-Schüler der alten Städtischen Realschule trafen sich am Freitag im "Hotel Kniep". Wenn man die gemeinsame Schulzeit 63 Jahre hinter sich gelassen hat, dann kann es sein, dass durch die "rosarote Brille" der frühen Erinnerungen sich der Rückblick etwas eintrübt. Die Stimmung bei fünf "Mädchen" und sechs "Jungen" des Abgangsjahrgangs 1953 war so angenehm wie bei vorherigen Treffen. Dennoch schlug bereits in der kurzen Begrüßung des Mitorganisators Günter Hartmann der Ton ins leichte Moll um. "Allein 2015 haben uns wieder Vier unserer verschworenen Gemeinschaft verlassen." Auch sollten Krankheiten und Beschwerden heute einmal ausgeklammert werden.

Waltraud Dumanski, geborene Mallwitz, hatte 23 Einladungen abgeschickt. Urlaub und andere "Wichtigkeiten" hatten einige abgehalten. Nette Grüße aus nah und fern waren eingegangen. Einer kam aus dem "Hohen Norden", wo Dr. Dieter Bergfeld "unabkömmlich" praktiziert. Sein Vetter Hans-Horst, der vor fünf Jahren auf der Fährte seiner Kinder in Richtung Krefeld "ausgewandert" ist, rekapitulierte knapp: "Zuerst gewöhnungsbedürftig, jetzt angekommen." In Oldenburg wohnt seit Jahren Rosel Köhler, geborene Hesse. "Das Wiedersehen mit meinen Ehemaligen lass ich mir nicht nehmen."

Bei früheren Treffen war viel die Rede von "einer der sportlichsten Klassen" mit Leichtathletik, Fußball und Turnen. Die Töne werden besinnlicher. "Wir waren durchgeschüttelte Kriegskinder, niemand von uns ist jemals therapiert worden." Dennoch kamen sie, die Reminiszenzen an den "Lehrkörper", die Streiche, die "ungerechten Zensuren". Gabriele Hein, geborene Diekamp, erinnerte an den unvergessenen Mathe-Lehrer Hans Tenten. "Der war oft heiser. Dann rief er wegen unserer Apotheke: ,Gabriele lauf mal schnell nach Hause und hol mir Rheila-Perlen, ich hab sonn Kratzen im Hals!'"

Auch gab es Erinnerungen an die Segnung der Schulspeisung. Nicht nur Günter Hartmann kannte die Abwechslung im Speisen-Zettel, der so manchen der Kinder besonders in den Hungerjahren "über die Runden geholfen" hatte: "Biskuit-Brei, Erbsmehlsuppe, Kakaoähnliches in großen Kesseln aufgekocht, später sogar ein Brötchen dazu."

Lange liegt für die Absolventen der ehemaligen "Klasse 6" von 1953 die Berufslaufbahn zurück. Wenn es vor Jahren hieß "Was ist aus Dir geworden?", so fragten die "Elf" jetzt bescheiden: "Wie geht es Dir?" Und zum Abschied hieß es: "Bleibt gesund bis zum nächsten Treffen!"

(rt)
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