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Die A 1-Analyse
Schwere Unfälle: Helfer an Belastungsgrenze

Die A 1-Analyse: Schwere Unfälle: Helfer an Belastungsgrenze
Bei diesem Unfall im Mai kam ein Wohnmobilfahrer auf der A1 ums Leben. Ein Sattelzugfahrer war am Ende eines Staus auf das Wohnmobil geprallt. FOTO: Miserius (Archiv)
Bergisches Land. Vor der A1-Brücke passieren immer wieder schlimme Unfälle. Behörden suchen bislang vergeblich nach einer Lösung. Autofahrer sind auf sich gestellt. Von Ralf Seck

Mal ehrlich. Die meisten von uns sind doch ziemlich gut darin, unangenehme Dinge unter den Teppich zu kehren. Zum Beispiel die möglichen Folgen des Rauchens: In Deutschland erkranken jährlich etwa 70.000 Menschen an Krebs. Aber aufhören? Nö, mir passiert schon nichts. Verdrängung ist eine wirksame Strategie und kommt häufig zum Einsatz, wenn Gefahr für Leib und Leben droht.

Wer auf Autobahnen in NRW unterwegs ist, dem muss der Verdacht kommen, dass wir es im Verkehr halten wie mit den Zigaretten. Anders sind die wilden Fahrten vieler Verkehrsteilnehmer nicht zu erklären. Oder jene Autofahrer, die sich und andere gefährden, indem sie während der Fahrt ihre Handys checken. Dass vor kurzem schon wieder ein Mensch auf der A 1 ums Leben gekommen ist? "Mir passiert schon nichts." Verdrängung eben.

Angesichts der Situation vor der Leverkusener Brücke können wir Autofahrer uns das nicht mehr leisten. Wirksame Lösungen für den Unfallschwerpunkt sind nicht in Sicht, Verkehrsteilnehmer sind auf sich gestellt. Vielleicht brauchen wir mehr Bewusstsein für die grausame Realität auf den Autobahnen, damit die Zahl der Unfälle zurückgeht. Wer Angst vor schlimmen Folgen hat, ändert zumindest in der Theorie sein Fahrverhalten.

Der Blick in die Statistik ist unangenehm. Demnach ist es gar nicht unwahrscheinlich, einmal in einen Unfall auf der Autobahn verwickelt zu werden: Im vergangenen Jahr kamen nach einer Erhebung des Statistischen Landesamts 61 Menschen auf Autobahnen in NRW ums Leben. 1312 wurden schwer verletzt, 5016 leicht. Heruntergerechnet sind das 18 bei Unfällen verletzte Menschen am Tag. Unachtsamkeit und überhöhte Geschwindigkeit sind bei den meisten Unglücken im Spiel, so auch an der Leverkusener Brücke.

Die Bilder von den Unfallstellen sind erschreckend. Behörden haben in der Vergangenheit einiges unternommen, um Autofahrer auf die prekäre Situation hinzuweisen. Zuletzt wurde eine Warntafel mit grellem Blitzlicht installiert. Nach dem jüngsten tödlichen Unfall liegt der Schluss nahe, dass auch diese Maßnahme ins Leere läuft. Und nun wird vor der Brücke auch noch eine Sperranlage für Lkw installiert, die Experten "Stauverursachungsmaschine" nennen. Der Unfallschwerpunkt wird in naher Zukunft nicht verschwinden.

Quelle: RP