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Hückeswagen
Seit 65 Jahren auf einem gemeinsamen Weg

Hückeswagen: Seit 65 Jahren auf einem gemeinsamen Weg
Ida-Henny und Günter Böhm feiern morgen das Fest der "Eisernen Hochzeit". Beide blieben 1957 bei einem Besuch in Westdeutschland und fanden in Hückeswagen eine neue Heimat. FOTO: Nico Hertgen
Hückeswagen. Ida-Henny und Günter Böhm können in ihrer zweiten Heimat das seltene Fest der "Eisernen Hochzeit" feiern. Von Franz Mostert

Der Blick vom loggia-ähnlichen Wintergarten des Hochhauses Tulpenweg 1 auf der halben Höhe in Richtung Wiehagen geht bei gutem Wetter bis ins westliche Sauerland. Wenn die Eheleute Ida-Henny und Günter Böhm nach 65 Jahren ehelicher Gemeinsamkeit zurückblicken, dann ist Nord-Nord-Ost gefragt. Da nämlich, im Schweriner und im Cottbuser Umland, standen die Wiegen von zwei inzwischen in Hückeswagen längst Eingemeindeten, die morgen, am 29. September, das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feiern dürfen.

Ida-Henny Böhm, geborene Helms (88) und ihr Ehemann Günter Böhm, neun Monate jünger, sitzen auf dem Sofa und lassen in aller Gemütsruhe noch einmal Revue passieren, was ihnen vor dem netten Kennenlernen 1948 in einem Café nahe Parchim und "danach" so "über den Weg gelaufen" ist. Was "Sie" nicht mehr so genau weiß, das ergänzt "Er". Und dann geht es zurück bis in die Kindheit.

"Zusammen mit zwei Brüdern bin ich im wohlbehüteten Elternhaus in Wittenförden bei Schwerin zusammen mit zwei Brüdern herangewachsen", beginnt für "Sie" der Lebenslauf. Nach der Volksschulzeit hatte es für Ida-Henny keine andere Möglichkeit gegeben als der Mutter im kleinen landwirtschaftlichen Betrieb zur Hand zu gehen. Der Krieg forderte seinen Tribut. Beide Brüder kamen nicht zurück. Noch heute nach den vielen Jahren sind die frühen beklemmenden Erlebnisse für die Ehejubilarin nicht verwunden.

"Genau gesagt", meint Günter Böhm, "komme ich aus Dessenchen, ein paar Kilometer von Cottbus entfernt." Nach dem Besuch der Bismarck-Schule hatte es für den damals Vierzehnjährigen nur einen Weg ins Berufsleben gegeben: "Und der hieß Tuchindustrie" meint der "Noch-87-Jährige", denn "mein Vater war Kettenscherer in der Weberei und ich musste mit!" Nach der Lehre kam für Günter Böhm der Reicharbeitsdienst, ein halbes Jahr später kam der Gestellungsbefehl der Wehrmacht. Nach schrecklichen Kriegserlebnissen geriet er in Belgien in Kriegsgefangenschaft. Der Weg zurückging nach Schwerin. Und dort begann das "Junge Glück". Nach der damals im Allgemeinen unverzichtbaren Verlobung wurde am 29. September 1950 zuerst vor dem Standesbeamten in Wittenförden und dann am gleichen Ort kirchlich der Ehebund geschlossen. Man wohnte im Elternhaus der Braut. Günter Böhm kam nach kurzer Gartenbau-Zeit zur Reichsbahn-Direktion Schwerin und wurde nach dem Besuch von Lehrgängen als Meister im Hauptlager angestellt.

"1957 konnten wir einen Besuch in Westdeutschland machen", sagen beide, "kurz entschlossen blieben wir hier". Das neue Domizil hieß Hückeswagen. Günter Böhm fand sofort Arbeit bei Busatis in Winterhagen. "Daraus wurden dann 32 lange Jahre bis zur Rente", sagt er. Ida-Henny Böhm war zeitweilig auch bei Busatis und später dann bei Radium in Wipperfürth beschäftigt.

Sie hat sich immer auf die gemeinsamen Urlaube gefreut. "Meistens ging es nach Spanien", erinnert sich die Jubilarin. Die Erinnerungen gehen auch zurück nach Dreibäumen, wo beide ihre ersten Hückeswagen-Erlebnisse hatten. Tierliebe wird bei den Böhms großgeschrieben. "Unsere beiden Papageien haben uns lange viel Freude gemacht, auch wenn sie nicht viel gesagt haben", meinen die Böhms.

Quelle: RP
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