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Hückeswagen
Seit fünf Jahren die etwas andere WG

Hückeswagen: Seit fünf Jahren die etwas andere WG
Ulrike Waltenberg (hinten, M.) und ihr Team betreuen in der Wohngemeinschaft derzeit 14 Senioren, zwei Plätze sind noch frei. FOTO: Nico Hertgen
Hückeswagen. Seit fünf Jahren gibt es im ehemaligen Marienhospital neben dem Berufskolleg zwei Pflegewohngemeinschaften. Dort leben acht Männer und Frauen in zwei Wohngruppen. Nach anfänglicher Skepsis hat sich das Angebot gut etabliert. Von Joachim Rüttgen

Teamleiterin Ulrike Waltenberg blickt in den großen Gemeinschaftsraum. "Hier wird gekocht, hier helfen sich alle gegenseitig, hier wird gelebt", sagt sie und bringt damit das Lebensgefühl in der Senioren-Wohngemeinschaft im ehemaligen Marienhospital an der Goethestraße auf den Punkt. "Nicht allein und nicht im Heim" - das Motto der Einrichtung prangt gleich über der Eingangstür. Familiär geht's hier zu. So leben je acht Bewohner in zwei Wohngruppen - verteilt auf zwei Ebenen inklusive zwei großer Gemeinschaftsräume. Zurzeit hat die Einrichtung zwei freie Plätze. "Ungewöhnlich, aber das kommt halt immer mal vor", sagt Ulrike Waltenberg.

Zu Beginn gab's häufiger Leerstände, gerade 2011 lebten oft nur drei bis vier Bewohner in der Einrichtung. "Die Hückeswagener mussten warm mit uns werden, einige haben gefremdelt, viele kamen nur zum Gucken. Die wollten sehen, was hier los ist, aber nicht hier wohnen", erinnert sich die Teamleiterin an die Skepsis gegenüber der etwas anderen WG. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda besserte sich der Ruf. "Aber auch heute gibt es noch viel Unwissenheit gerade im unmittelbaren Umfeld."

Ulrike Waltenberg betont, dass die Wohngemeinschaft kein Hochsicherheitstrakt ist und kein Gefängnis. "Die Menschen dürfen sich hier frei bewegen, Türen werden nicht abgeschlossen", versichert sie. "Wir schauen, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten kontrollieren, stellen aber niemanden mit Medikamenten ruhig." Das biete den Bewohnern ein ganz anderes Lebensgefühl. Die Klientel habe sich in den vergangenen fünf Jahren verändert: Heute leben überwiegend demente Menschen in der WG.

Dort erleben die Bewohner Gemeinschaft: oben der große Raum mit Küche, unter ein großes Wohnzimmer mit Riesen-Fernseher, der als Kinoraum genutzt wird und in dem altersentsprechende Filmabende angeboten werden, zum Beispiel mit Heinz Rühmann. Der Speiseplan ist international: "Hier wird auch italienisch oder spanisch gekocht", sagt Ulrike Waltenberg. Die Bewohner entstammten aus einer anderen Generation als die eigenen Großeltern. "Die fuhren ins Sauerland, unsere Bewohner flogen auch mal nach Südafrika", sagt die Teamleiterin.

Da die Einrichtung keinen Stellenschlüssel erfüllen muss, sieht es personell sehr gut aus: Zurzeit kümmern sich 17 fest angestellte Pflegekräfte - inklusive einer Betreuungskraft für Arztbesuche und Einzelbetreuung - um die maximal 16 Bewohner. "Wir haben fast nur Fachpersonal, also examinierte Altenpfleger oder Krankenschwestern sowie einige Arzthelferinnen", sagt Ulrike Waltenberg.

Sie hat aber festgestellt, dass die meisten Bewohner zu spät in die Einrichtung einziehen. Ihr schwebt vor, einen Ortswechsel dann vorzunehmen, wenn man sich noch orientieren kann, damit nicht andere für einen entscheiden müssen. "Das passiert aber leider sehr selten, dass das jemand bewusst entscheidet", sagt die Teamleiterin. Dabei könnten die Bewohner viel besser vom Konzept der Einrichtung profitieren, wenn sie beim Einzug noch geistig fit seien. Dafür gebe es auch die Möglichkeit, einen Probetag in der WG zu verbringen. Ulrike Waltenberg: "Wir passen unser Konzept jeden Tag neu an die Bedürfnisse unserer Bewohner an, nur der Grundgedanke bleibt gleich." www.pflegeversorgungszentrum.de

Quelle: RP
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