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Interview mit Ernährungsberaterin
So werden Sie den Weihnachtsspeck wieder los

Interview mit Ernährungsberaterin: So werden Sie den Weihnachtsspeck wieder los
Lecker Rohkost: es ist hilfreich, wenn man ein Essen mit Rohkost oder frischem Salat beginnt und immer wieder längere Pausen zwischen den einzelnen Menügängen einbaut. Denn so wird das Sättigungsgefühl gereizt. Außerdem sollte man viel trinken, vor allem vor den Mahlzeiten. FOTO: busch
Radevormwald. Natalia Klotz gibt Tipps, wie man die überflüssigen Pfunde nach den Festtagen rund um Weihnachten und Silvester wieder los wird. Von Wolfgang Weitzdörfer

Natalia Klotz aus Radevormwald ist als Diplom-Oecotrophologin Expertin für die Themen Ernährungsberatung, Ernährungstherapie und Ernährungsinformation. Im BM-Interview spricht die Ernährungsberaterin darüber, wie man den Festtagsschmaus ohne nächtliche Alpträume übersteht, und wie man überflüssige Pfunde nach den Feiertagen am besten wieder loswird.

Frau Klotz, haben Sie sich an den Feiertagen schon mal übergessen?

Klotz Überessen ist schon etwas übertrieben. Ich habe aber durchaus auch schon hin und wieder einmal mehr als notwendig gegessen.

Wie lässt sich das grundsätzlich vermeiden?

Klotz Hier können mehrere Strategien hilfreich sein. Zum einen sollte man niemals völlig "ausgehungert" zu Tisch gehen. Da ist es durchaus besser, wenn man zwei oder drei Stunden vor dem Mahl eine Kleinigkeit isst. Auch ein Glas Wasser unmittelbar vor dem Essen zu trinken hilft. Ganz einfach ist es, auch wenn es dazu vielleicht ein wenig Disziplin braucht, den Teller am Tisch nicht zu voll zu beladen sowie die jeweilige Portion langsam zu essen. Hilfreich ist zudem, wenn man das Mahl mit Rohkost oder frischem Salat beginnt und immer wieder längere Pausen zwischen den einzelnen Menügängen einbaut. Denn so wird das Sättigungsgefühl gereizt.

Welche Organe werden beim Verdauen des Festtagsbratens besonders beansprucht?

Klotz Für die Verdauung ist in erster Linie unser Magen-Darm-Trakt mit seiner Magensalzsäure und den Enzymen aus dem Magensaft zuständig. Zur Seite stehen ihm dabei etwa die Gallenblase mit ihrer Gallensäure und den Gallensalzen aus Gallensaft sowie die Bauchspeicheldrüse mit den Enzymen aus dem Bauchspeichelsaft.

Was ist am Mythos dran, dass man nach einem abendlichen 4-Gänge-Menü tendenziell schlechter schläft?

Klotz Wenn der vierte Menügang sich zum Ende des Mahls als "Heilig-Abend-Spaziergang" oder als schwungvolles "Silvester-Tänzchen" entpuppt, dann kann das tatsächlich ein Mythos bleiben. Generell sollte man aber darauf achten, mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen. Und außerdem sollte man grundsätzlich die Abendmahlzeiten an sich vom Umfang eher klein halten.

Wie bekommt man die überschüssigen Pfunde nach den Feiertagen wieder runter?

Klotz Da können einige Regeln helfen: Man sollte viel trinken, auch vor den Mahlzeiten. Diese sollten wiederum regelmäßig eingehalten werden. Zu jeder Hauptmahlzeit sollte viel Gemüse eingeplant werden. Ganz klar: statt Kekse & Co. lieber Obst konsumieren. Und ganz wichtig: regelmäßig in Bewegung bleiben.

Welche Diät ist Ihrer Meinung nach effektiv?

Klotz Grundsätzlich empfehle ich keine speziellen Abnehm-Diäten. Deren Erfolg ist nämlich meist nur von sehr kurzer Dauer. Viel besser ist es, sich seine allgemeine Ernährungssituation einmal genauer anzusehen. Denn eine individuelle Ernährungsumstellung zeigt bei einer Gewichtsreduktion sowie dem anschließenden Halten des Gewichts insgesamt eine viel höhere Wirkung.

Was hat es mit dem sogenannten Jo-Jo-Effekt auf sich?

Klotz Der Jo-Jo-Effekt ist eine Art Nebenwirkung von eben jenen radikalen Abnehm-Diäten. Diese sind in gewisser Form so etwas wie eine Milchmädchenrechnung. Schneller Gewichtsverlust innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums hat meist leider ebenfalls nur sehr kurzen Erfolg: Nach dem Ende der Diät purzeln die Kilos genauso schnell wieder hoch, wie sie zuvor gefallen sind. Und das gilt auch nur für den besten Fall...

Gibt es Unterschiede bei der Ernährung zwischen Männern und Frauen?

Klotz Ganz allgemein leiten sich die ernährungsphysiologischen Unterschiede vom Energiehaushalt eine jeden einzelnen Menschen ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DEG) hat zusammen mit den Gesellschaften aus den Nachbarländern Österreich (ÖEG) und Schweiz (SEG) sogenannte Richtwerte für die Nährstoffzufuhr zusammengefasst. Bei einigen dieser Richtwerte, etwa der Proteinzufuhr, werden allerdings durchaus Unterschiede zwischen Mann und Frau deutlich.

Ist Ausgewogenheit bei der Ernährung tatsächlich das Mittel der Wahl?

Klotz Klares Ja. Denn wer sich langfristig ausgewogen ernährt und sich dazu ausreichend bewegt, erlebt sich in der Regel als gesünder und zufriedener: Ausgewogenheit ist Trumpf!

Wieviel Fleisch sollte man pro Woche konsumieren?

Klotz Nach der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG) liegt ein Orientierungswert für Erwachsene bei etwa 300 bis 600 Gramm fettarmem, zubereitetem Fleisch und Wurst pro Woche.

Ist Geflügel tatsächlich gesünder als rotes Fleisch?

Klotz Die meisten Geflügelfleischsorten enthalten tatsächlich weniger Fett und gelten deshalb als leichter verdaulich. Mageres rotes Fleisch bringt aber auch wichtige Vitamine, etwa das Vitamin B12, und Mineralstoffe wie Eisen auf den Teller.

Wieviel Rohkost sollte in der Woche auf dem Speiseplan stehen?

Klotz Auch hier gibt es Richtwerte, an die man sich gut halten kann. So sollte man pro Woche etwa 300 Gramm gegartes Gemüse und zusätzlich 100 Gramm Rohkost und Salate verzehren.

Was ist dran an dem Trend, auf Gluten zu verzichten?

Klotz Für diejenigen, die es tatsächlich betrifft, ist es wichtig. Denn auf Gluten verzichten müssen nur diejenigen Personen, die eine ärztlich bestätigte Glutenunverträglichkeit haben, die sogenannte Zöliakie. Der Stoff Gluten ist ein natürlich vorkommender Bestandteil unserer landestypischen Getreidesorten, etwa Dinkel, Hafer, Roggen und Weizen. Man bezeichnet das Gluten auch als "Klebe-Eiweiß".

Was ist Ihre persönliche Lieblings-Ernährungssünde?

Klotz Eindeutige Antwort: Stracciatella-Eis.

Quelle: RP
 
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