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Hückeswagen
Spiel- und Lernzeit für Flüchtlingskinder

Hückeswagen: Spiel- und Lernzeit für Flüchtlingskinder
Die Mutter-Kind-Gruppe im Café Liebenswert bietet mehrere Vorteile: Die Frauen können sich untereinander austauschen, Kontakte knüpfen und Deutsch lernen, ihre Kinder lernen derweil spielerisch die deutsche Sprache. FOTO: Hertgen
Hückeswagen. Der beste Weg zur Integration ist die Gemeinschaft. Im Café Liebenswert bieten Flüchtlingspaten eine offene Mutter-Kind-Gruppe an, die sehr gut angenommen wird. Donnerstags wird dann spielerisch gemeinsam Deutsch gelernt. Von Heike Karsten

Es ist eine gemütliche und herzliche Atmosphäre beim Mutter-Kind-Treffen im Café Liebenswert am Donnerstagmorgen. Die Kinder spielen und basteln zusammen, während ihre Mütter die deutsche Sprache lernen. Im September entstand die Idee zu einem solchen Treffen, das ein besonderes Angebot für Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder ist. "Wir wollen den Müttern die Gelegenheit geben, sich auszutauschen", sagt Brigitte de Buhr, eine der rund zehn ehrenamtlichen Helferinnen in der Mutter-Kind-Gruppe.

Bis zu zwölf Frauen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und der Mongolei nehmen wöchentlich an diesen Treffen teil. Zu Beginn wird gemeinsam ein Kinderlied gesungen. Schnell kam die Idee auf, anhand von Memory-Karten und Kinderduden die Verständigung durch Vermittlung der deutschen Sprache zu erleichtern. Heute ist die Deutschstunde schon ein fester Bestandteil der Treffen.

Theresa Klaus übernimmt an diesem Morgen den Unterricht. Anhand anschaulicher Beispiele erläutert sie die Präpositionen wie "zwischen" oder "neben" und lässt die Mütter auch einige kurze Sätze schreiben. Mit dabei ist ihr elf Monate alter Sohn Frederik. "Die Sprache ist der Schlüssel zu allem", ist sie sich sicher. Die 35-Jährige hat Germanistik und Anglistik studiert und auch schon Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Die Elternzeit möchte die Hückeswagenerin dazu nutzen, sich in der Flüchtlingshilfe einzubringen.

Rund zehn Ehrenamtlerinnen haben sich über die "Weitblick"-Initiative zusammengefunden, um Mütter und ihre Kinder, die neu im Land sind, bei der Integration zu unterstützen. "Wir haben bei den ,Offenen Treffen' in der Kreuzkirche und in Scheideweg Werbung gemacht und Flyer verteilt", sagt Brigitte de Buhr. Die Räumlichkeiten an der Islandstraße stellt das Jugend- und Sozialwerk Gotteshütte zur Verfügung, die optimal mit Sitzgelegenheiten und viel Spielzeug eingerichtet sind.

Die Motivation der Flüchtlingspatinnen hat unterschiedliche Gründe: Dagmar Faust hatte während eines Besuchs bei ihrer Schwester auf der griechischen Insel Kos das Flüchtlingsdrama selbst erlebt und dort hautnah mitbekommen, wie Menschen ums Überleben kämpfen. "Nach der Rückkehr stand für mich fest, dass ich vor der eigenen Tür helfen will", sagt sie. Lisa Beckert (20) spielt beim Treff mit den Kindern Iva (1) und Hoga (3). Die Abiturientin befindet sich in der beruflichen Orientierungsphase und nutzt die Zeit für ein soziales Engagement. "Das hilft mir bei der Entscheidung und macht mir viel Spaß", nennt sie ihre Gründe.

Anja Kurtz füttert ein Kleinkind mit der Milchflasche, während dessen Mutter sich auf den Sprachunterricht konzentriert. Die 47-Jährige und ihre Familie sind Paten einer achtköpfigen Familie aus Afghanistan. "Es hat sich schon eine Freundschaft entwickelt. Die Arbeit ist sehr bereichernd", versichert die Hückeswagenerin. Beim Mutter-Kind-Treffen versucht sie, aufkommende Fragen, wie beispielsweise nach einem Kinderarzt, zu beantworten oder Ansprechpartner zu vermitteln.

Der Erfolg dieser Treffen ist am herzlichen Umgang miteinander und am Fortschritt in der Verständigung deutlich spürbar. Soziale Kontakte und das Erlernen der Sprache helfen den Frauen, sich im fremden Deutschland besser einzuleben. "Besonders die Kinder saugen alles auf wie ein Schwamm und fangen teilweise schon an zu übersetzen", berichtet Anja Kurtz vom sichtbaren Fortschritt in der Kommunikation.

Quelle: RP
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