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Persönlich
Abschied nach 48 Jahren im Dienst für die Bürger

Hückeswagen. HÜCKESWAGEN Es ist fast 50 Jahre her, aber Johannes Meier-Frankenfeld erinnert sich noch gut: Als er 1968 im Schloss in die Lehre ging, um technischer Verwaltungsangestellter zu werden, gab's im gesamten Rathaus an neueren technischen Errungenschaften gerade mal einen Kopierer. Der stand in einem Kämmerchen neben dem Einwohnermeldeamt. Jeder in der Verwaltung, der etwas zu kopieren hatte, musste dorthin. "Da war man dann mal eben eine halbe Stunde unterwegs. Denn auf dem Weg traf man ja immer irgendwelche Kollegen, mit denen es irgendetwas zu besprechen gab", erzählt Meier-Frankenfeld schmunzelnd.

Damals war der gebürtige Hückeswagener 15. Jetzt ist er 63 - und geht heute, Dienstag, in den Ruhestand. 48 Jahre im öffentlichen Dienst liegen dann hinter dem stellvertretenden Leiter des Bauamts. Und eine in Teilen rasante Entwicklung innerhalb der Stadtverwaltung. Der einsame Kopierer ist Geschichte: "Heute sitzen wir im papierlosen Büro, alle Akten sind digitalisiert. Das war schon ein Quantensprung von damals bis in die Gegenwart, alles dreht sich inzwischen im Arbeitsalltag einfach viel schneller", sagt Meier-Frankenfeld.

Dass er sich mit 15 Jahren für die Ausbildung im öffentlichen Dienst entschied, hat der Hückeswagener nie bereut: "Ich bin wirklich jeden Tag gerne ins Rathaus gegangen und hatte immer Spaß an der Arbeit, weil ich dabei viel mit Menschen zu tun hatte." Das war zu Beginn während der Ausbildung im Schloss so, dann nach einer schulischen Weiterbildung auch im Rathaus von Wipperfürth, wo er sieben Jahre lang im Planungsamt arbeitete, bevor er 1979 in die Hückeswagener Verwaltung zurückkehrte. Der berufliche "Ausflug" in die Nachbarstadt hatte weitreichende Folgen, lernte er dort doch seine spätere Frau Petra kennen, mit der er seit Jahrzehnten in Kammerforsterhöhe neben dem Elternhaus, in dem er geboren wurde, lebt.

Meier-Frankenfeld ist der dienstälteste Mitarbeiter im Schloss. Er hat Stadtdirektoren und Bürgermeister kommen und gehen sehen. Als er die Ausbildung antrat, war noch Günther Kröning Verwaltungschef und Josef Hackenbruch (CDU) Bürgermeister. Auf Kröning folgte Hans-Jürgen Pauck, Hackenbruch wurde abgelöst von Dr. Friedrich Weyer (CDU), dann Agnes Biciste (CDU), Helmut Ptock (SPD) und Manfred Vesper (CDU). Nach Vesper war die Ära der "Doppelspitze" vorbei, Norbert Jörgens wurde erster hauptamtlicher Bürgermeister, gefolgt von Uwe Ufer und Dietmar Persian.

Die Chefs wechselten, Johannes Meier-Frankenfeld blieb. Und lernte dabei seine Heimatstadt kennen wie kaum ein anderer. Rund 1600 Akten zu Neubauvorhaben hat er betreut, außerdem um die 400 Akten von Baudenkmälern. Er hat es gerne getan: "Ich habe oft Menschen mit ihren Bauprojekten helfen können, das hat am meisten Freude gemacht", erzählt er. Spannend sei es daneben gewesen, die Entwicklung der Stadt aus dem Bauamt heraus zu begleiten. Zahlreiche neue Wohn- und Gewerbegebiete sind in Hückeswagen seit den 1960er Jahren entstanden, große Straßenbauprojekte wie die Stadtstraße kamen hinzu. "In fast 50 Jahren hat sich unheimlich viel getan", zieht der 63-Jährige Bilanz.

Sorge, dass es nun im Ruhestand langweilig werden könnte, hat er nicht. Seit Jahrzehnten engagiert sich der passionierte Jäger im örtlichen Hegering, seit 2002 ist er sein Vorsitzender. Auch im SPD-Ortsverein will er aktiv werden, Mitglied im Bergischen Geschichtsverein ist er außerdem. Als leidenschaftlicher Koch schreckt er auch vor Arbeiten im Haushalt nicht zurück, und das Reisen gehört ebenfalls zu seinen Hobbys.

Seine Nachfolge im Schloss ist gesichert: Anja Kölsch wird im Bauamt an dem Schreibtisch Platz nehmen, an dem Johannes Meier-Frankenfeld so lange gesessen hat - wenn er nicht gerade wieder auf Baustellen irgendwo in Hückeswagen unterwegs war. BRIGITTE NEUSCHÄFER

Quelle: RP
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