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Historisch
BGV taucht in die 700 Jahre alte Ortsgeschichte ein

Hückeswagen. HÜCKESWAGEN (BM) Nur wenige Hückeswagener haben jemals zu Gesicht bekommen, was sich durch Franz Mostert vom Bergischen Geschichtsverein (BGV) vor ihnen ausbreitete. Mit Michael Kronner, Geschäftsstellen-Leiter der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen, holte er die beiden ältesten im Original vorhandenen 717 und 716 Jahre alten Ablassurkunden aus den Tiefen der Safes ans Tageslicht. 18 Mitglieder der Ortsabteilung des Geschichtsvereins warteten in geräumigen Büroräumen ungeduldig auf einen besonders geschichtsträchtigen Moment.

Bei den Urkunden handelt es sich um außerordentliche Vorzüge zugunsten der frühesten Hückeswagener Pfarrkirchen St. Nikolaus und St. Katharina aus den Jahren 1299 und 1300. Beide galten gemeinsam als Schutzpatrone der alten Kirche am Ende der Marktstraße im früheren Hückeswagen. Die im Besitz der katholischen Pfarrgemeinde befindlichen Dokumentationen, lateinisch verfasst, von Papst Bonifaz VIII. erlassen und von hoher internationaler Geistlichkeit besiegelt, werteten durch Einflussnahme der bergischen Grafen, das alte Hückeswagen als Wallfahrtsort im Mittelalter ungemein auf. Auf Pergament und Kalbsleder beschriftet und mit verstärkter Siegelleiste im Format 45 mal 38 Zentimeter sind die Original-Dokumente bestens erhalten. Zu den Inhalten, die nichts anderes besagen, als Hinführung der Gläubigen zum christlichen Lebenswandel durch Gebet und gute Werke unter Aufhebung der Bedrängnis der persönlichen Schuld, nahm Mostert Stellung: "Beide Briefe sind ganz abseits vom Ablasshandel zur Luther-Zeit 215 Jahre später als tief religiöse Hilfestellung in besonderen Lebenslagen einzuordnen."

Nachbildungen beider Briefe befinden sich auf Kalbspergament in der Kapelle des Heimatmuseums im Schloss. Es handelt sich dabei um eine kalligraphische Meisterleistung der Kölner Restauratorin Eva Gleinig von 1964. Die deutsche Übersetzung ist dort beigefügt.

Die Originale verschwanden nach der BGV-Sichtung erneut im sicheren Verwahr. Die zweite Station der Exkursion in Hückeswagens Frühgeschichte war die katholische Pfarrkirche. Gedeutet wurde das Stifter-Buntfenster mit Legendensymbolen der Seligen Katharina von Hückeswagen aus dem frühen örtlichen Grafengeschlecht. Ausgestellt waren Paramente, wie Chormäntel in schwerem Brokat, dazu Stolen und Manippel, allesamt noch aus Zeiten der ehemaligen Schlosskirche aus den Jahren 1683 bis 1882. Auch die vom ehemaligen Pfarrer Werner Muthig gestiftete Gewänder-Kapelle mit den Hückeswagener Schöffensiegeln und den Rosen- und Sparrenwappen als Erinnerung an frühes christliches Bekenntnis im alten Hückeswagen waren ausgestellt. Im Mittelpunkt standen das uralte Missionskreuz, hinter Panzerglas stehende Monstranzen und Kelche aus alter Zeit, die zum Teil noch im rituellen Gebrauch sind. Zeitnahe Kreuzweg-Gestaltung mit Anklängen an unbewältigte deutsche Vergangenheit anhand der jüngst abgehängten Stationen des Leidensweges Christi brachte die BGV-Mitglieder wieder zurück in die Gegenwart.

Quelle: RP
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