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Erinnerungen
Hella Krumm 1952 und heute im Olympia-Fieber

Hückeswagen. HÜCKESWAGEN Ihr ganzes Leben lang ist Hella Krumm eine "Sportskanone" gewesen, und die heute 85-Jährige kann es auch im gesetzten Alter nicht lassen. Sie geht noch immer jeden Morgen um 7 Uhr ins Bürgerbad zum Schwimmen und fährt nachmittags mit dem Fahrrad in die Nachbarstadt Wipperfürth bis zum Neye-Flugplatz. "Nur donnerstags nicht, da ist das Hallenbad ja morgens zu", sagt die Hückeswagenerin lachend. Auch passiv ist sie nach wie vor leidenschaftliche Sportlerin, vor allem dann, wenn, wie gerade in Rio, die Olympischen Spiele stattfinden: "Dann klebe ich vor der Kiste und fiebere mit unseren Sportlern mit", erzählt sie. Vor allem bei den Geräteturnern und den Leichtathleten.

Aus gutem Grund, schließlich hatte die pensionierte Diplom-Sportlehrerin einst mit Barren und Schwebebalken angefangen - und es beinahe sogar zu olympischen Ehren geschafft: "Ich war 1952 in Berlin bei den Ausscheidungen für die Sommerspiele in Helsinki dabei, habe es aber leider nicht in die Endauswahl geschafft", erzählt Hella Krumm, die damals an der Kölner Sporthochschule studiert hatte. "Ohne Abitur", wie sie ein wenig stolz sagt. Denn das habe sie in den Wirren des Zweiten Weltkriegs nicht machen können. "Ich wurde aber dennoch angenommen, zusammen mit meinem Kommilitonen Helmut Bantz, der in Helsinki im Turner-Team war und Siebter im Mehrkampf wurde", erinnert sich die 85-Jährige. 1956 in Melbourne holte Bantz die Goldmedaille im Pfersprung.

Auch wenn sie es vor 64 Jahren nicht ins Olympia-Team geschafft hatte, durfte sie doch mit anderen Jugendlichen der deutschen Sportjugend in die finnische Hauptstadt reisen, um die Olympischen Spiele vor Ort mitzuerleben. Für Hella Krumm ein unvergessliches Erlebnis: "Ich wohnte damals im Zimmer der Tochter des finnischen Handelsvertreters der Tuch-Firma meiner Eltern - direkt neben dem Geschäft der finnischen Leichtathletik-Legende Paavo Nurmi", erzählt sie. Jeden Morgen sei sie - "ganz ehrfürchtig" - an dem Läufer, der in seiner aktiven Zeit 24 Weltrekorde und neun Goldmedaillen erlaufen hatte und bei den Sommerspielen 1952 das olympische Feuer im Stadion entzünden durfte, vorbei zum Stadion gegangen. Die Atmosphäre im Stadion war gigantisch, erinnert sich die 85-Jährige und gerät ins Schwärmen: "Vor allem bei den großen Entscheidungen, etwa beim Finale der Herren im 1500-Meter-Lauf. Oder als der große tschechische Läufer Emil Zátopek ins Stadion kam. Was haben wir da gebrüllt. Wir hatten gar keine Stimme mehr."

Auch Helsinki hat Hella Krumm in guter Erinnerung: "Die Stadt kam mir damals wie ein Dorf vor, man konnte überallhin zu Fuß gehen", sagt die Hückeswagenerin, die von den damaligen olympischen Wettkämpfen hauptsächlich die in der Leichtathletik und im Turnen gesehen hatte. Und wenn sie sich heute die Bilder ihrer kleinen Schwarzweiß-Kamera ansieht, dann ist in ihren Augen ein Glänzen zu sehen, das zeigt, dass man für echten olympischen Sportsgeist nicht zu alt sein kann. "Ich bin immer wieder total erstaunt, was die Sportler da alles an den Geräten hinbekommen - erst am Dienstagabend habe ich den Fabian Hambüchen turnen gesehen und war hin und weg", schwärmt sie mit Begeisterung in der Stimme. Und sie fügt an: "Es hat sich im Turnen aber auch eine Menge getan im Vergleich zu meiner Zeit." WOLFGANG WEITZDÖRFER

Quelle: RP
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