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Szene
"Lyrik aus erster Hand" mit vielen Anekdoten weckt Neugierde

Hückeswagen. HÜCKESWAGEN Lyrik kann vor allem für Schüler eine Qual sein, wenn sie auf dem Lehrplan steht. Die Schützlinge von Michael Wittschier allerdings dürften sich weniger schwer mit der eher unbeliebten Thematik getan haben, denn der Pädagoge aus Wipperfürth wählt einen außergewöhnlichen Zugang. Eine Kostprobe gab es am Sonntag im Kultur-Haus Zach.

"Lyrik aus erster Hand" nennt sich sein Programm, in dem der frühere Deutschlehrer des EvB-Gymnasiums gemeinsam mit Freund Arno Brabender an der Gitarre anhand von Musik und Bildern von handgeschriebenen Gedichten 30 deutscher Dichter in die Kunst der Dichtung hineinführte.

Besonders ist dieser Zugang, weil er sich nicht ausschließlich mit Form und Inhalt beschäftigt, sondern in erster Linie mit dem Autor. Und Wittschier bietet etwas, was in keinem Lehrbuch nachzulesen ist und kein anderer Lehrer vermitteln kann: den persönlichen Zugang. Denn der Pädagoge und Künstler hat mit den Dichtern persönlich Kontakt aufgenommen und sich handsignierte, handschriftlich verfasste Gedichte zuschicken lassen - sogenannte Autografen.

Insgesamt 30 zeitgenössische deutsche Dichter sind seinem Wunsch bislang nachgekommen. 30 Werke, die Wittschier am Sonntag im Kultur-Haus vortrug und die unterschiedlicher nicht sein könnten: Tiefgründig, humorvoll, manche auch völlig unsinnig und dafür sehr amüsant, vor allem für den, der seine Geschichte dahinter kennt. Interessant: Zu allen 30 Autografen konnte Wittschier eine Anekdote erzählen. Anhand von ihm selbst gezeichneten Skizzen der Autoren stellte Wittschier sie einzeln vor, ordnete sie in der Zeitgeschichte ein, erzählte, wie er auf die Dichter aufmerksam wurde, wo er sie traf, wie er sie anschrieb und zeigte dann, was ein heute 63-Jähriger in mehreren Jahrzehnten als Antwort in seinem Wipperfürther Briefkasten wiederfand.

Rückschreiben erhielt er etwa von bekanntern Preisträgern wie Sarah Kirsch, Karl Krolow, Wolf Biermann, Oskar Pastior, Ernst Jandl und Jan Wagner oder des als Dichter weniger bekannten, dafür als Frontmann der deutschen Rockband "Rammstein" berühmten Till Lindemann. Die Autografe, gepaart mit Wittschiers Anekdoten, weckten Neugierde. Die Besucher im Kultur-Haus lernten die Autoren teilweise neu kennen und lieben. Ein kurzweiliges und schönes 90-minütiges Programm, nach dem die eine oder andere Lyrik sicherlich mit anderen Augen betrachten dürfte.

CRISTINA SEGOVIA-BUENDIA

Quelle: RP
 
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