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Gut Gemacht
Von Polheim backt ab morgen "geschobenes Brot"

Hückeswagen. HÜCKESWAGEN Bäckermeister Jörg von Polheim erweitert ab morgen, Donnerstag, sein Sortiment und bietet "geschobenes Brot" in seiner Bäckerei am Etapler Platz an. "Ich kenne diese Idee noch aus meiner Berliner Zeit, da als geschobenen Kaffee, was aber wohl hier auf dem Lande nicht so gefragt sein dürfte. Ich möchte die Idee aufs Brot übertragen", sagt der Bäckermeister. Eine Kundin habe ihm das vorgeschlagen - und nun wolle er das Projekt starten.

Die Idee: "Ein Kunde kommt in unser Geschäft und bezahlt zu seinem Einkauf ein zusätzliches Brot, ein geschobenes Brot. Wir hängen dann ein Bild für ein geschobenes Brot gut sichtbar auf. Dann kann jeder sofort erkennen, ob ein geschobenes Brot gerade da ist, und eventuell eins an der Theke mitnehmen. Das Bild von dem geschobenen Brot wird dann wieder entfernt, und sobald jemand wieder ein geschobenes Brot kauft, aufgehängt. So kann jeder, der ein geschobenes Brot haben möchte, schnell erkennen, ob ein geschobenes Brot da ist", erklärt von Polheim die Vorgehensweise. Da das Bild des geschobenen Brotes gut sichtbar an einem Rädchen aufgehangen wird, können Kunden schon von außen erkennen, ob ein geschobenes Brot vorhanden ist. Jörg von Polheim denkt bei seiner Aktion weniger an Flüchtlinge in der Stadt, die ja doch meist nicht der deutschen Sprache mächtig seien, sondern vielmehr an Menschen, die nicht so viel Geld haben. "Wir wollen aber natürlich niemanden ausschließen oder ausgrenzen", versichert er. Zu kontrollieren, ob jemand tatsächlich sozial schwächer gestellt ist, sei schwierig, "aber hier in unserer Kleinstadt kennt fast jeder jeden, das ist Kontrolle genug", sagt von Polheim. Und wenn jemand mit dem Porsche vorfahre, verlange der sicher kein geschobenes Brot. Natürlich gibt es innerhalb der Bäckerei eine Art Schweigepflicht, so dass niemand erfährt, wer ein geschobenes Brot mitgenommen hat. "Das ist ein niederschwelliges Angebot, allerdings müssen Interessierte für ein geschobenes Brot in den Laden kommen und gezielt danach fragen", sagt von Polheim. Er sei gespannt, wie das Projekt in den ersten Wochen laufe. Am Donnerstag zum Wochenmarkt soll es als Versuch starten.

Als "geschobener Kaffee" feierte die Idee in Neapel bereits ihren 100. Geburtstag. Dort ist die Tradition des aufgeschobenen Kaffees als "caffe sospeso" oder "caffè pagato" geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich viele Italiener einen Kaffee nicht mehr leisten. Die, die es noch konnten, gewöhnten sich deshalb an, für zwei zu bezahlen. Einen tranken sie selbst, der andere wurde "aufgehoben". Wenn nun ein Armer den Raum betrat, wurde ihm eine Tasse angeboten. Seither geht diese Idee um die Welt und ist in den USA als "Suspendet Coffees" etabliert, erläutert von Polheim. "Wir hoffen, dass mit diesem System die Hemmschwelle, ein geschobenes Brot mitzunehmen, niedrig genug ist."

JOACHIM RÜTTGEN

Quelle: RP
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