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Rückblende Hückeswagen Vor 165 Jahren
Stadtsparkasse Hückeswagen wird gegründet

Hückeswagen. Es ist ein Blick in eine längst untergegangene Finanzwelt: Wie muss man sich eine Stadtsparkasse in Hückeswagen des Jahres 1852 vorstellen? Sie nahm, so steht's in Chroniken, am 31. Oktober 1852 in der Stadtgemeinde seine Geschäftstätigkeit auf (die Landgemeinde Neuhückeswagen folgte erst 1889). Es war eine Zeit, in der das erste Luftschiff von Henri Giffard mit Dampfkraft von Paris aus zur ersten Fahrt startete. Und die Gründung des Allgemeinen Turnvereins (ATV) war gerade einmal zwei Jahre her.

Schon der Blick auf die Öffnungszeiten ist verblüffend: Die Stadtsparkasse war nur sonntags zugänglich und zudem nur morgens eine Stunde lang. Die Kunden konnten während der Sommerzeit zwischen 8 und 9 Uhr und während der Winterzeit von 9 bis 10 Uhr ihr Geld hinbringen oder abholen. Allerdings drängte eine übergeordnete Behörde auf eine Änderung dieser Regelung, so dass ab 1855 der Samstag zum Kassentag wurde.

Zwei Personen mussten anwesend sein: Zum einen ein so genannter Rendant (Kassenwart) und ein Mitglied des am 2. Juli 1852 gewählten Verwaltungsrats. Die Liste der Nachnamen liest sich wie das "Who's Who" der Hückeswagener Wirtschaft: Schnabel, Johanny, Troost oder Bockhacker hießen die Vertreter. Im Jahr 1863 waren bereits 45.031 Taler und 13 Silbergroschen angelegt.

Das Geld und die Papiere der Kasse wurden in einer mit zwei Schlüsseln verschließbaren "sicheren Kasse" verwahrt. Einen Schlüssel hatte der Vorsteher, der zweite der Rendant. Offenbar musste der Schlüssel zu den jeweiligen Öffnungsstunden vom Vorsteher an das entsprechende Mitglied des Verwaltungsrats weitergereicht werden, da man ansonsten die Geldgeschäfte nicht hätte tätigen können.

Zum Team der ersten Tage neben dem Vorsteher gehörten noch zwei Administratoren, drei Verwaltungsratsmitglieder und eben besagter Rendant. Letzterer war im Übrigen noch bis 1874 im Ehrenamt tätig, so dass er dafür nur eine Aufwandsbeschädigung bekam.

Wo befand sich die "erste" Sparkasse? In der Eröffnungsbekanntmachung von Bürgermeister Julius Wirth ist davon die Rede, dass die Entgegennahme des Gelds "einstweilen in dem hiesigen Bürgermeister-Amte-Lokal" erfolgen würde. Der ehemalige BGV-Vorsitzende Karl Reiner Illgen ( 2009) vermutete den Standort in der längst abgerissenen katholischen Volksschule am Kamp, auch "Russische Botschaft" genannt. Dieser Standort ist jedoch erst Anfang der 1870er-Jahre zweifelsfrei nachweisbar.

Die Geschichte der Stadtsparkasse endete am 30. Juni 1991. Denn seit dem 1. Juli 1991 sind die Stadtsparkassen von Radevormwald und der Schloss-Stadt gemeinsam als eine Sparkasse am Markt. Damals lag die Bilanzsumme bei 623 Millionen Mark, 2016 bei 570 Millionen Euro. NORBERT BANGERT

Quelle: RP
 
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