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Serie: Heimat genießen
Strauße fühlen sich wohl im Bergischen

Serie: Heimat genießen: Strauße fühlen sich wohl im Bergischen
FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. 28 Legehennen sorgen für reichlich Nachwuchs im weitläufigen Gehegeder Straußenfarm in Emminghausen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Der Vogel Strauß ist für hiesige Augen einfach ulkig anzusehen, keine Frage. Hat man sich aber einmal an seinen Anblick gewöhnt, hat man akzeptiert, dass die langbeinigen Vögel tatsächlich auch Nutztiere sind, dann kann man sich auch guten Gewissens darauf einlassen, dass man den gut zwei Meter hohen, ursprünglich in Afrika heimischen, größten Vogel unserer Zeit durchaus auch als leckeren Braten oder in Wurstform genießen kann.

In Emminghausen gibt es seit 2008 die großzügig angelegte Straußenfarm von Klaus Stöcker. Dort kann der Gourmet sich je nach Gusto mit Filet, Steak, Braten, Gulasch oder Wurst aus Straußenfleisch eindecken. Aus artgerechter Haltung versteht sich - und ohne, dass die Tiere zur Schlachtung ihr Zuhause verlassen müssten.

Darauf legt Stöcker großen Wert: "Wir haben immer schon mit einem Metzger zusammengearbeitet, der vor Ort zur Schlachtung kam. Aber jetzt bauen wir gerade, auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen, ein eigenes Schlachthaus. Eine meiner Mitarbeiterinnen hat zusammen mit mir ein Schlachtseminar nach EU-Verordnung absolviert - nun sind wir bald auf der Farm völlig autark und können schlachten, ohne einen externen Metzger hinzuziehen zu müssen. Unsere Tiere werden hier geboren und geschlachtet." Das hat der Straußenfarmer auch nie anders gehandhabt: "Ich habe meine Tiere immer schon selbst getötet. Ich will so wenig Stress wie nur möglich für sie haben."

Die Entscheidung für eine eigene Schlachthalle sei demzufolge in erster Linie eine betriebswirtschaftliche gewesen: "Wenn wir das alles selbst vor Ort machen können, dann sparen wir 60 Prozent Kosten. Das Ziel ist, damit wir nachhaltig schwarze Zahlen schreiben können, 200 bis 250 Strauße pro Jahr zu schlachten. Im Moment liegen wir noch bei knapp unter 100 Tieren."

Das Fleisch des Strauß ist vielfältig verwertbar: "Weltweit ist jeder Muskel des Strauß' gleich klassifiziert. Egal, ob ich mein Filet also in Südafrika oder in Emminghausen kaufe - Filet ist gleich Filet. Aus den Resten machen wir Gulasch, Hackfleisch oder Wurst, ansonsten gibt es eben Braten, Filet und Steak", sagt Stöcker, dessen eigenes Lieblingsgericht ein ganz einfaches Straußensteak ist: "Kurz scharf angebraten, dann im Ofen fertig gegart, nur ein wenig mit Salz und Pfeffer gewürzt - denn dann kommt der Geschmack vom Fleisch einfach am Allerbesten rüber. Wenn man ein Steak medium richtig gut hinbekommt, dann kann man sich die Zähne aus dem Mund nehmen, so weich ist das. Das Fleisch kann man quasi auf den Felgen kauen", sagt Stöcker schmunzelnd.

In diesem Jahr tummeln sich mehrere Jungvögel mit ihren Eltern auf einer Wiese in der sogenannten Naturzucht, wie Stöcker erklärt: "Das ist uns vor vier Jahren schon einmal gelungen. In diesem Jahr hatten wir so viele Eier wie noch nie. Im Vorjahr waren es bei 22 Legehennen 345 Eier, in diesem Jahr haben 28 Legehennen 830 Eier gelegt. Das bedeutet, dass wir so viele Eier haben, um den Bedarf decken zu können. Daher konnten wir zwei Zuchtgruppen aus dem konzentrierten Eierlegen herausnehmen. Die legen dann nur so viele Eier, wie sie instinktiv wollen und fangen dann an zu brüten. Die Küken wachsen im Freien bei ihren Eltern auf."

Und es ist auch bei den Führungen über die Farm ein ganz besonders schöner Anblick, da die kleinen Vögel mit einer Kopfhöhe von etwa 70 Zentimetern und den noch etwas ungelenken Bewegungen unglaublich niedlich anzusehen sind. Neben Braten, Filet, Hackfleisch und Gulasch gibt es übrigens auch noch verschiedene Wurstsorten aus dem Fleisch der Strauße: "Die Wurst stellen wir nicht selbst her, das macht die Metzgerei Molitor in Dürscheid für uns. Dort ist ein junges Team, das da ganz hervorragend arbeitet." Die Wurstsorten sind saisonal abhängig. So gibt es im Herbst eher Schinken und Dauerwurst wie Salami oder Pfefferbeißer. "Im Sommer laufen die Grillwürstchen natürlich sehr gut", sagt Stöcker. Im Hofladen gibt es nicht nur die Fleisch- und Wurstwaren zu kaufen, sondern auch eine CD mit rund 40 verschiedenen Rezepten. Das Straußenfleisch ist sehr gesund, weit weniger cholesterinhaltig als etwa Putenfleisch und mit weniger als zwei Prozent Fettanteil sehr mager.

Quelle: RP
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