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Hückeswagen
Streit unter Flüchtlingen endet vor dem Strafrichter

Hückeswagen. Zwei Flüchtlinge, die in Hückeswagen auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten, waren im April aneinandergeraten. Diese Auseinandersetzung musste nun am Amtsgericht in Wipperfürth geklärt werden. Angeklagt war ein 30-jähriger Syrer, der im Juli 2015 nach Deutschland gekommen war. Er hatte seinem Zimmermitbewohner 700 Euro Bargeld gestohlen. Später kam es zudem zu Handgreiflichkeiten, bei denen die Polizei einschreiten musste.

Den Diebstahl gab der Syrer mit Hilfe eines Übersetzers sofort zu: "Ja, ich habe die 700 Euro genommen. Das habe ich auch schon bei der Polizei zugegeben. Geschlagen habe ich ihn aber nicht", sagte der Angeklagte. Mit dem Geld wollte er es seiner Frau und seinen drei Kindern ermöglichen, von Syrien in die Türkei zu kommen. "Ich habe das Geld aber von alleine zurückgegeben", fügte der 30-Jährige schuldbewusst hinzu.

Die Auseinandersetzung hätte erst einige Monate später stattgefunden. Der Zimmernachbar hätte einem anderen, jungen Flüchtling Marihuana auf Kommission geben wollen. "Ich wollte nicht, dass er ihm das gibt. Das hat ihn aufgeregt. Auf der Straße haben wir uns angeschrieen. Andere Leute haben uns dann auseinandergebracht", sagte der Syrer. Ein 20-jähriger Zeuge, ebenfalls Bewohner der Flüchtlingsunterkunft, bestätigte das: "Die haben nur geschrien, aber keiner hat den anderen angegriffen."

Der Bestohlene wurde ebenfalls als Zeuge geladen, war aber nicht zur Verhandlung erschienen. Das Gericht stellte den Tatbestand der Körperverletzung daraufhin ein. Staatsanwaltschaft und Richter sahen den Vorwurf des Diebstahls jedoch bestätigt und verurteilten den Syrer zu 30 Tagessätzen à zehn Euro, somit also zu 300 Euro Geldstrafe.

Das Gericht hielt eine Strafe im untersten Bereich für ausreichend, da der Angeklagte den Diebstahl zugegeben und das Geld zurückgegeben hatte. "Wir haben ebenso berücksichtigt, dass Sie sich kein Luxus von dem Geld leisten wollten", fügte der Richter hinzu.

Die größte Sorge war für den Syrer jedoch die Auswirkungen der Verurteilung auf sein Asylverfahren: "Ich möchte nicht, dass das eingetragen wird", äußerte er sich besorgt. Der Richter konnte ihn zum Teil beruhigen: "Das Urteil wird eingetragen. Für die Aufenthaltsgenehmigung ist aber erst eine Strafe ab 90 Tagessätzen relevant", sagte der Richter.

(heka)
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