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Hückeswagen
Tennishalle wird Flüchtlingsunterkunft

Tennishalle wird Flüchtlingsunterkunf
Die Tennishalle an der Kölner Straße. FOTO: D�rner, Hans
Hückeswagen. Seit Montag gehört die Tennishalle an der Kölner Straße der Stadt. Sie hat sie von einem Kölner gekauft, um dort bei Bedarf Flüchtlinge unterbringen zu können. Langfristig gesehen will die Stadt das Gelände aber anderweitig nutzen. Von Stephan Büllesbach

Winfrid Vaulont dürfte ein Felsbrocken vom Herzen gefallen sein, als er sich – wenn auch erst nach mehrwöchigen Verhandlungen – mit der Stadt auf den Verkauf seiner Tennishalle hatte einigen können. Denn das Gebäude war doch seit fast vier Jahren ein schwerer Klotz an seinem Bein, nachdem die Halle nach der Insolvenz des TC 03 Hückeswagen nicht mehr genutzt worden war. Entsprechend hatte Vaulont keine Miete einnehmen können, die beträchtlichen Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes mussten seither dennoch bezahlt werden.

Über die Kaufsumme bewahrte Bürgermeister Dietmar Persian im Pressegespräch Stillschweigen. Nur so viel ließ er sich entlocken: "Am Ende hat es gepasst." Zu Beginn der Verhandlungen waren beide Parteien noch weit auseinander gewesen. Am Montag wurde der Notarvertrag unterschrieben, seitdem ist die Stadtentwicklungsgesellschaft HEG, eine 100-prozentige Tochter der Stadt, Eigentümerin der 37 Jahre alten Halle.

Warum die Stadt das Gebäude von der HEG kaufen ließ, liegt auf der Hand: Dort sollen Flüchtlinge untergebracht werden – allerdings nur bei Bedarf. Leben derzeit rund 300 Asylbewerber in Hückeswagen, wird es bis Ende nächsten Jahres nach derzeitigen Prognosen die doppelte Anzahl sein. Bis etwa Mitte 2016 reichen die momentanen Wohnraum-Kapazitäten aus. Zwar sucht die Stadt weiterhin nach bezahlbaren Mietwohnungen – wer eine anzubieten hat, kann sich bei der Verwaltung per E-Mail an manuela.stehr-richelshagen@hueckeswagen.de oder unter Tel. 88-615 melden –, doch irgendwann sind wohl auch diese Möglichkeiten ausgeschöpft. Eine mögliche Alternative wäre dann, Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle unterzubringen. "Wir waren in diesem Jahr schon einmal kurz davor", berichtete Persian. Er habe sogar mit den Vorsitzenden der Sportvereine darüber gesprochen. "Wir haben aber alles daran gesetzt, das zu vermeiden."

Dieses Szenario tritt mit dem Kauf der Tennishalle nun bis auf Weiteres nicht ein. Persian: "Auch in nächster Zeit wird es in Hückeswagen keine Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen geben." Die "lebendige Vereinskultur in Hückeswagen" wolle er nicht durch die Inanspruchnahme von Turnhallen schädigen, versicherte er. "Dennoch müssen wir auf den weiteren Zuzug von Flüchtlingen vorbereitet sein."

Die Halle an der Kölner Straße eignet sich laut Bürgermeister sehr gut für die kurzzeitige Unterbringung von Asylsuchenden, verfüge sie doch über gute sanitäre Einrichtungen. Persian stellte aber klar, dass ihre Unterbringung in der Tennishalle keine Dauerlösung sein wird: "Die Halle dient ausschließlich als Puffer, sollten die Zuweisungen zu groß für die uns zur Verfügung stehenden Wohnungen werden." Eine dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen in dem Gebäude sei keinesfalls vorgesehen. Zumal Hückeswagen nach Lage der Dinge auch kein Erstaufnahmelager bereitstellen muss, wie das etwa in Wermelskirchen der Fall ist.

Die Tennishalle wurde aber auch aus anderen Motiven erworben: "Das Grundstück direkt gegenüber des ,Weierbachblicks' gibt uns gute Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft", betonte HEG-Geschäftsführer Dieter Klewinghaus. Für eine Übergangszeit würde die Halle an die Stadt vermietet, "danach muss über eine weitere Nutzung des Grundstücks nachgedacht werden".

Inzwischen hat die Stadt eine weitere Liegenschaft angemietet: Im Gewerbegebiet An der Schlossfabrik sollen gewerbliche Räume in Wohnungen umgewandelt werden. Zudem stimmte der Rat am Freitag in nicht-öffentlicher Sitzung zu, dass die Stadt ein weiteres, leer stehendes Wohnhaus ankauft. Wo das ist, wollte Persian nicht verraten.

Auch den Neubau von Wohngebäuden schließt er nicht aus. Er betonte: "Ich gehe davon aus, dass wir über kurz oder lang in Hückeswagen wieder über den sozialen Wohnungsbau sprechen werden."

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