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Ahornkeimling in Hückeswagen
Tierarzt warnt nach Tot zweier Pferde

Hückeswagen . Zwei Pferde sind in den vergangenen Tagen in Hückeswagen an der Atypischen Weidemyopathie verendet. Tierarzt Dr. Stephan Paufler hatte sie nicht mehr retten können. Er warnt nun vor Ahornkeimlingen auf den Weiden. Von Stephan Büllesbach

Nach dem Winter stehen jetzt auf vielen Weiden wieder die Pferde und grasen dort. Doch ihre Besitzer sollten unbedingt erst einmal ein Auge darauf haben, was dort wächst. Stehen Ahornbäume auf der Weide oder in der Nähe, ist die Gefahr groß, dass dort ihre Keimlinge wachsen. Und diese können unter Umständen innerhalb von nur zwölf Stunden zu solch schweren Vergiftungserscheinungen und heftigen Fieberschüben bei den Tieren führen, dass sie daran eingehen.

Stephan Paufler hat in der vorigen und dieser Woche bereits mehrere Pferde in Hückeswagen behandelt, die an der Atypischen Weidemyopathie litten, zwei waren nicht mehr zu retten. "Ich musste sie einschläfern", sagt der Tierarzt im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei lassen Pferde die Ahornkeimlinge normalerweise links liegen. "Vielleicht mögen sie sie nicht, oder der Instinkt sagt ihnen, dass sie die nicht fressen sollten", berichtet Paufler. Doch jetzt zu Beginn des Frühlings ist das Gras noch nicht gewachsen. Also fressen die Pferde alles, was die Weide zu bieten hat - und damit auch die giftigen Keimlinge. "Sie haben halt Hunger, und dann erwischt es sie kalt", macht Paufler deutlich.

Die Krankheit zeigt sich etwa dadurch, dass die Tiere einen steifen Gang aufweisen. Muskelzittern, übermäßiges Schwitzen, Untertemperatur - ein von Paufler behandeltes Pferd hatte nur noch 34 Grad Körpertemperatur statt 37 bis 38 Grad - und eine schnelle, flache Atmung sind weitere Indizien. Manche Pferde liegen auch fest. Das heißt, sie liegen auf dem Boden und können sich kaum noch bewegen. "Häufig denkt man zunächst an eine Kolik", sagt der Veterinär. Bei der Untersuchung stellt er dann fest, dass die Harnblase stark gefüllt ist und der Urin eine Farbe wie Cola angenommen hat.

Diese Krankheit trat in Deutschland erstmals im Oktober 1995 auf; in England hingegen sind erste Fälle von 1939 und aus den 1980er Jahren bekannt. Zunächst war laut Paufler angenommen worden, die Pferde seien an von Pilzen befallenem Laub verendet. Später wurden dann jedoch die Samen (im Herbst) und Keimlinge der Ahornbäume (im Frühjahr) als Ursache ausgemacht.

Haben sich die Pferde mit der Atypischen Weidemyopathie infiziert, ist die Sterblichkeitsrate hoch: "75 Prozent sterben daran", sagt Paufler. Die Sächsische Tierseuchenkasse geht sogar von 90 Prozent aus. Dieses Schicksal traf auch das Tier, dass er am vorigen Sonntag zunächst noch behandelt und mit Infusionen und Medikamenten einigermaßen aufgepäppelt hatte. Doch wenige Stunden später war es zusammengebrochen; Paufler musste es ebenso einschläfern, wie das Pferd, das er in der vorigen Woche mit den selben Symptomen vorgefunden hatte.

Was können die Pferdebesitzer tun? Stephan Paufler hat für sie zwei Ratschläge parat: "Entweder lässt man sie noch nicht auf die Weide. Oder aber man mäht diese ab." Allerdings hat das nur dann Sinn, wenn mit einem Fangkorb gearbeitet wird. Denn auch abgeschnittene Ahornkeimlinge sind noch giftig und können von den Pferden gefressen werden. Ist ein Tier erst einmal daran erkrankt, sei das eine Qual für alle Beteiligten: für das Pferd sowieso, aber auch für den Besitzer, der sein Tier einschläfern lassen muss, und den Tierarzt. So ist Pauflers Arbeitstag derzeit auch damit gefüllt, erkrankte Pferde zu untersuchen, ihnen eine Infusion zu geben und das Blut zu untersuchen. Und sie im schlimmsten Fall einzuschläfern.

Quelle: RP
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