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Hückeswagen
Trauer um ein Original

Hückeswagen: Trauer um ein Original
Franz Mostert, schrieb am Klavier eigene Kompositionen. FOTO: Hertgen
Hückeswagen. Franz Mostert: Musiker, Maler, Heimathistoriker, Geschichten-Erzähler, Autor und Mitarbeiter der BM starb im Alter von 80 Jahren. Von Brigitte Neuschäfer

Unser letztes Gespräch fand Ende September im schönen alten Haus der Familie Mostert an der Marktstraße statt. Es war wenige Tage vor dem 80. Geburtstag von Franz Mostert. Dieser Ehrentag, der 4. Oktober, war der Anlass des Gesprächs, das lief, wie es immer lief mit dem begnadeten Erzähler, der "mal eben" fast 80 Lebenjahre im Schnelldurchgang Revue passieren ließ: unterhaltsam, klug, witzig, nachdenklich, mit viel Humor. Da war viel Leben drin, auch noch viel Zukunft, verbunden mit dem Plan, seine Familienchronik zu schreiben. Kein Thema war der Tod. Franz Mostert erwähnte ihn nur am Rande, als "Alterserscheinung". Eher beiläufig stellte er fest: "Alt ist man, wenn der Kreis der verstorbenen Bekannten größer wird als der der lebenden."

Franz Mostert wird die Familienchronik nicht mehr schreiben. Er starb, ohne vorher erkennbar krank zu sein, in der Nacht zum Donnerstag in seinem geliebten, rund 400 Jahre alten Haus im Herzen der Altstadt. Er und seine Frau Hildegard hatten es über Jahrzehnte zu einem Zuhause gestaltet, das viel über ihr Leben erzählt und dokumentiert: An den Wänden Gemälde und Zeichnungen von Franz Mostert, mittendrin das Klavier, an dem er eigene Kompositionen schrieb. "Ich erlaube mir, so oft es eben geht, den Luxus der Stille und der Ruhe", sagte er. Das Haus gebe ihm Raum und Rahmen für diesen ihm so wichtig gewordenen Luxus.

Wenn ihn jemand frage, sage er, er sei "Musiker, manchmal auch Maler": Auch das erzählte Franz Mostert, der 1936 in Radevormwald geboren wurde und dort aufwuchs, bevor er als junger Mann mit der Familie nach Hückeswagen umzog. Die Eltern hatten ihn früh an die Musik herangeführt. Ab dem neunten Lebensjahr bekam er Klavierunterricht, mit 13 kam die Trompete hinzu, ab 14 musizierte er in einem Laien-Orchester. Zudem entdeckte der Jugendliche seine Leidenschaft für die Malerei, wollte Kirchenmaler werden, hatte eine Lehrstelle in Aussicht - und ging dann doch als Schriftsetzer-Lehrling ins grafische Gewerbe. Mehr als 20 Jahre später wechselte der Familienvater in die Hückeswagener Stadtverwaltung, wo er 25 Jahre lang hauptsächlich im Kulturamt tätig war.

Hückeswagen war Mostert schon früh zur eigentlichen Heimat geworden. Die Kultur der Kleinstadt lag ihm am Herzen - nicht nur beruflich. 18 Jahre lang war er Geschäftsführer der Kulturgemeinde, mehr als 60 Jahre gehörte er dem Pfarrcäcilienchor an, 57 Jahre der Kolpingsfamilie, aus deren Geschichte in der Nachkriegszeit er nicht wegzudenken ist. 60 Mal stand er als "Stadtbüttel" bei der Kolping-Galasitzung in der Bütt. Diese Rolle war ihm auf den Leib geschrieben. Kritisch, mit scharfem Verstand und Witz, kommentierte er, was in Hückeswagen wichtig war oder es doch zumindest für ein paar Tage zu sein schien.

Chronist mit Biss und Humor: Das war Mostert auch als Mundart-Autor für die Bergische Morgenpost, für die er 52 Jahre frei arbeitete. Mehr als 1000 plattdeutsche Geschichten schrieb er für die Wochenend-Ausgaben. Es waren oft hinreißend komische Anekdoten, mit denen "rt", so sein Autoren-Kürzel, schreibend ein plastisches Bild von Hückeswagen und seinen Menschen zeichnete.

Franz Mostert hinterlässt seine Frau Hildegard, die er 1959 geheiratet hatte, vier Kinder, sieben Enkel und fünf Urenkel. Mit seiner Familie trauern viele Menschen in Hückeswagen um einen Mann, der in seinen Geschichten die von ihm beschrieben Originale gerne als "Flienije Fazzüner" bezeichnete. Franz Mostert war selbst ein Original, ein Mann mit Ecken, Kanten und Charakter. Wir werden ihn vermissen.

Quelle: RP
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