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Serie 40. Altstadtfest
Trödler-Unikat in Frack und Zylinder

Serie 40. Altstadtfest: Trödler-Unikat in Frack und Zylinder
Eine "Rundreise" auf dem Kinderkarussell ließ sich Günter Hartmann nicht nehmen. Mit Zylinder, Fliege und im Frack ging's auf Tour mit dem Feuerwehrauto.
Hückeswagen. Noch acht Tage, dann fängt offiziell das 40. Altstadtfest an. In einer Serie blickt die BM auf die bisherigen 39 "Treffpunkte" zurück. Im Mittelpunkt steht heute Günter Hartmann - stellvertretend für so viele originale und originelle Standbetreiber. Von Heike Karsten

Hückeswagen Die vielen Vereine und Privattrödler, die sich beim Altstadtfest mit einem Stand beteiligen, wie auch die Kinder mit ihren Decken, haben das Altstadtfest seit seiner Premiere 1976 geprägt und ihm den charmanten Kleinstadt-Flair verliehen. Von Beginn an mit dabei ist der Hückeswagener Günter Hartmann. Gemeinsam mit seinen Kindern und den Nachbarn wurde seit jeher auf dem Stadtfest versucht, an den Mann zu bringen, was der Keller hergab.

Bekannt ist der heute 79-Jährige für seine offene und nicht immer leise Art, die Menschen anzusprechen. Das Verkäufer-Gen liegt ihm einfach im Blut, auch wenn nicht alles von Erfolg gekrönt war: So wollte Hartmann dem Hückeswagener Arzt Dr. Peter Bode ein Buch über Naturheilkunde andrehen. "Der meinte aber, dass er das als praktischer Arzt nicht gebrauchen kann", erzählt der Hobbytrödler lachend. Ebenso wenig konnte er eine Auswahl an christlichen Büchern den "Nönnchen vom Marienhospital" verkaufen.

Der junge Trödler trug noch Halstuch anstatt Fliege. FOTO: privat

Und er schaffte es nicht, Zahnarzt Patzack Omas alte Gebisse anzudrehen. Selbst Service wurde großgeschrieben: Der Käufer einer alten Nähmaschine wollte das Gerät nach Lennep geliefert bekommen, was Hartmann auch zusagte. "Zum Glück gab es einen Aufzug in dem Haus", erinnert er sich lachend. "Es war eine sehr schöne Zeit", zieht Hartmann rückblickend ein Resümee. Die Einnahmen vom Trödelstand auf dem Altstadtfest wurden zum Teil an die Jugendhilfeeinrichtung "Halfershof Solingen" und den "Kindergarten für Behinderte" in Dabringhausen verschenkt.

Bis Anfang der 1990er Jahre stand Hartmann im Frack und mit Zylinder am Zugang zum Schlossplatz, direkt an der Mauer des Rosengartens. "An unserem Stand mussten ja praktisch alle vorbei", freut er sich noch heute über den strategisch gut positionierten Standplatz. So fiel es dem Hobby-Trödler auch nicht schwer, mit überzeugend witzigen Sprüchen vielen männlichen Altstadtfest-Besuchern eine Krawatte für 50 Pfennig zu verpassen oder selbst wertlose Aktienpapiere zu verkaufen.

Besonders beliebt waren die Weberschiffchen aus Holz der Firma Schnabel. Am frühen Morgen schon wurden an seinem Stand die dekorativen Arbeitsgeräte für fünf Mark das Stück aufgekauft. "Später habe ich sie dann am Stand eines Profis wiedergefunden, der dafür 15 Mark nahm", berichtet Hartmann. Vor dem Verkauf musste jedoch erst einmal gezimmert werden: In den Anfangsjahren bestanden die Stände lediglich aus einer Lattenkonstruktion, und eine Plane diente als Dach.

So half Hartmann beim Bau der Vereinsstände für den Evangelischen Kirchenchor und den Turnerbund (TBH). Die Bauweise hatte trotz ihrer Einfachheit Charme: "Die Stände waren richtig bergisch gebaut, mit Giebel", erinnert sich der 79-Jährige. Geklaut worden sei damals nichts, auch wenn die Stände über Nacht nur provisorisch abgedeckt wurden. Das Rowdytum sei erst in späteren Jahren erwacht, was besonders durch den Glasbruch sichtbare Spuren hinterlassen hatte.

"Der Rosengarten war morgens voll von Scherben. Das war schon bitter", betont der Hückeswagener. Sein Einsatz als Unikat unter den Trödlern in feinster Marktschreier-Manier endete Anfang der 1990er Jahre. "Irgendwann war Schluss, da haben wir die Hütte verkauft", sagt Hartmann. Heute hilft der 79-Jährige noch dem TBH beim Aufbau des Verkaufsstands. Darüber hinaus freut er sich, die "ältere Generation" am Festwochenende wiederzutreffen.

Damit macht der "Treffpunkt Hückeswagen" auch nach 39 Jahren seinem Namen noch alle Ehre.

Quelle: RP
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