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Kommentar Zur Woche
Umdenken in der Politik ist möglich und nicht unbedingt falsch

Kommentar Zur Woche: Umdenken in der Politik ist möglich und nicht unbedingt falsch
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Auch ohne die Sitzung eines politischen Gremiums ging die Diskussion um die Zukunft der Hückeswagener Schullandschaft weiter. Wobei die SPD und die UWG für Überraschungen sorgten. Deutlich wird: In der Politik herrscht weiterhin große Unsicherheit. Von Stephan Büllesbach

Das hat die FaB richtig erkannt: Die SPD möchte die Sekundarschule in Hückeswagen durch die Hintertür einführen. Das hat deren Fraktionschef Hans-Jürgen Grasemann auch offen zugegeben, als er sagte: "Das ist gewissermaßen eine Sekundarschule." Die SPD sieht für die Hückeswagener Hauptschule keine Zukunft mehr. Statt des jährlichen Zitterns, ob die Mindestanzahl von 18 Fünftklässlern für das neue Schuljahr angemeldet werden, wäre diese Schulform aufgelöst und die Hauptschüler in die Realschule integriert. Im fünften und sechsten Schuljahr würden alle Schüler gemeinsam unterrichtet, ab Klasse 7 dann soll differenziert werden - so funktioniert's an den Sekundarschulen im Land. Respekt gebührt der SPD-Fraktion auf jeden Fall. Ist sie doch die bislang einzige Fraktion, die etwas offen ausgesprochen hat, was in Verwaltung und Politik ansonsten anscheinend ein Tabuthema ist. Nämlich die Konsequenz aus dem drohenden Aus der Montanusschule zu fordern. Auch wenn die Lehrer dort eine erwiesenermaßen ausgezeichnete Arbeit leisten und die Montanusschüler nach ihrem Abschluss begehrte Auszubildende sind, so ist das Dilemma nun einfach nicht von der Hand zu weisen. Die Anmeldezahlen sind seit Jahren der Beweis dafür. Immer im Februar beginnt das große Zittern, ob es fürs neue Schuljahr reicht. Bislang hat die Hauptschule diese gefährliche Gratwanderung immer so eben überstanden, kamen doch die geforderten mindestens 18 Fünftklässler zusammen. Aber wie lange noch geht das gut?

Eine sicherere Variante bleibt eine Fusion der Hauptschulen von Hückeswagen und Wipperfürth, die die politische Mehrheit jedoch abgelehnt hat. Selbst wenn ein Gutachter im Fall einer Analyse zu dem Entschluss käme, der geeignetere Standort wäre Wipperfürth. Dann müssten die Hückeswagener Hauptschüler halt mit dem Bus in die Nachbarstadt fahren. Ja und? Das tun die Gymnasiasten doch auch und kann nicht das Argument gegen eine Prüfung sein. Vielleicht käme der Gutachter jedoch zu dem Entschluss, dass Hückeswagen der bessere Standort ist. Dafür spricht eine Menge.

Eine Fusion hätte zwei Vorteile: Die Hauptschule und somit das dreigliedrige Schulsystem (in beiden Städten) wäre auf längere Sicht gesichert, weil für die Mindestzahl an Fünftklässlern das Potenzial aus zwei Städten zugrunde läge. Zum anderen hätte die Stadtverwaltung immer noch einen Zugriff auf die Hauptschule. Kann aber eine fünfte Klasse nicht mehr gebildet werden und die Schulform läuft aus, hat sie den Einfluss nicht mehr - und auch nicht mehr diese Schulform.

Die Sekundarschule "light", wie von der SPD ins Spiel gebracht, wäre eine gute Lösung für Hückeswagen. Wie es schon die Sekundarschule im Jahr 2014 eine war. Nur hatten die Eltern vor drei Jahren ganz deutlich gemacht, dass sie diese Schulform nicht wollen. Somit wäre eine Realschule mit integrierter Hauptschule erneut ein Vabanquespiel.

Dass sich die Parteien noch bewegen können, zeigte in dieser Woche die UWG. Hatte sie noch im Schulausschuss zuvor für den vor zwei Jahren von der Ratsmehrheit beschlossenen Umzug der Löwen-Grundschule in das Realschulgebäude gestimmt, vollzog sie nach Prüfung der Fakten und Argumentation eine Kehrtwende und plädiert nun für den Neubau der Löwen-Grundschule im Brunsbachtal. Das ist politischer Pragmatismus - festzustellen, dass es doch bessere Argumente für den anderen Vorschlag gibt und dann umzuschwenken. Das ist besser als das Festhalten am falschen Beschluss.

Bis zur endgültigen Entscheidung zur Schulzukunft sind's noch fünfeinhalb Wochen. Zeit genug für Überlegungen.

Quelle: RP
 
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