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Hückeswagen
Unaufgeregter Wahlkampf auf Podium

Hückeswagen: Unaufgeregter Wahlkampf auf Podium
Die Kandidaten zur Bundestagswahl 2017 in Hückeswagen stellten sich den Fragen der Zuhörer im Saal des Kolpinghauses. FOTO: J. Moll
Hückeswagen. Sechs oberbergische Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September präsentierten sich und ihre Positionen vor rund 150 Zuschauern im Saal des Kolpinghauses. Moderator war der Journalist Ingo Lamberti. Von Wolfgang Weitzdörfer

In knapp drei Wochen wird der 19. Deutsche Bundestag gewählt, die Kandidaten und Parteien befinden sich in der heißen Phase des Wahlkampfs. Am Mittwochabend saßen auf Einladung der Kolpingsfamilie Dr. Carsten Brodesser (CDU), Michaela Engelmeier (SPD), Michael Braun (Bündnis 90/Die Grünen), Diyar Agu (Die Linke), Jörg Kloppenburg (FDP) und Stefan Zuehlke (AfD) auf der Bühne im Saal und stellten sich den Fragen von Moderator Ingo Lamberti und des Publikums.

Dabei gab es allerdings kaum Situationen, die an einen besonders emotional geführten Wahlkampf erinnerten. So herrschte auf der Bühne bei den Themen "Rente" oder "Innere Sicherheit" zwar nicht immer Einigkeit, extrem weit auseinander lagen aber nicht einmal die Kandidaten von FDP und Linke. Das verleitete Lamberti zur Aussage: "Herr Kloppenburg, wollen Sie Herrn Agu nicht ein FDP-Eintrittsformular geben?" Der Hückeswagener antwortete schmunzelnd: "Den Gedanken hatte ich bei ihm schon öfter. Aber was die Grundsätzlichkeit des Systems angeht, sind wir doch zu weit auseinander. . ."

Nur einmal kochten so etwas wie intensivere Emotionen hoch, als ein Zuhörer zum Thema "Inneren Sicherheit" anmerkte: "Mir fehlt in der Diskussion die Grundlage, ich vermisse die kleinste Zelle, die Familie." Daraufhin antwortete Brodesser, dass er sich Sorgen darüber mache, dass heute eine moralische Werteorientierung fehle. In diesem Zusammenhang bemängelte der CDU-Politiker, dass immer mehr Menschen keinen Glauben mehr hätten. "Das C im Parteinamen muss wieder mehr Gewicht bekommen", forderte der CDU-Kandidat. Darauf machte sich Unmut im Saal breit. Es war die Rede von einer "skandalösen Aussage", die Atheisten moralische Werte abspreche, und auch Kloppenburg betonte: "Wir sind eine säkulare Gesellschaft. Es gibt nicht umsonst die Trennung von Kirche und Staat." Aber auch hier hatten sich die Gemüter schnell wieder abgekühlt, so dass sich alle Seiten weitgehend sachlich austauschten.

Überhaupt wurde viel geredet in den zwei Stunden. Lamberti moderierte klug, ließ ausreden und hatte den Abend in zwei größere Blöcke aufgeteilt. Zuerst hatte jeder Kandidat vier Minuten Zeit, um sich sowie das wichtigste Thema in Berlin, sein Herzensthema und seinen Auftrag für den Oberbergischen Kreis im Bundestag vorzustellen. Interessant waren natürlich besonders die Herzensthemen. Das war, wenig überraschend, beim angehenden Wirtschaftsstudenten Agu die Wirtschaftspolitik: "Merkel setzt auf Stagnation statt Innovation", sagte der Linke. Der Landwirt Braun hingegen will sich für die Landwirtschaft einsetzen, "damit Landwirte künftig Einkünfte erzielen, von denen sie perspektivisch leben können".

Engelmeier, die auf vier Jahre Bundestag zurückblicken kann, redete sich bei ihrem Herzensthema, der Entwicklungspolitik, so in Form, dass ihr zunächst für ihre Aufträge für Oberberg keine Zeit mehr blieb. Auch für Brodesser war die Entwicklungspolitik das Herzensthema: "Die Flüchtlingskrise darf sich so nicht wiederholen", betonte der Lindlarer. Für Kloppenburg hatte die Digitalisierung höchste Priorität, genau wie für AfD-Kandidat Zuehlke, dem das Thema schon rein beruflich als Elektrotechniker am Herzen liege.

Auch die Themen "Innere Sicherheit", "Rente" und "Arbeit" wurden angesprochen. Dabei drifteten die Standpunkte zwar teilweise weit auseinander - Agu: "Die Agenda 2010 hat keine Fehler, sie ist der Fehler"; Braun: "Die Agenda 2010 hat Deutschland nach vorne gebracht" -, aber die Diskussion blieb stets sachlich und unterm Strich unaufgeregt. Ob das nun daran lag, dass der Bergische generell nicht allzu sehr zum Emotionalen neigt, oder ob die Kandidaten in ihren Ansichten tatsächlich nah beieinander waren - angenehm war es jedenfalls, gerade im Vergleich zu den oft zu Krawall neigenden Politiker-Auftritten im Fernsehen.

Quelle: RP
 
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