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Verein alpha
Vier Ziegen als tierische Therapeuten

Verein alpha: Vier Ziegen als tierische Therapeuten
Helena Weber (r.) und Brigitte Kruft sind die Betreuerinnen der vier Ziegen, die der Verein alpha für sein Wohnheim in Purd angeschafft hat. Die Versorgung der Tiere soll den Bewohnern helfen, eine Alltagsstruktur zu schaffen. FOTO: Peter Meuter
Hückeswagen. Die Wohngemeinschaft des Vereins alpha in Purd hat neue "Mitarbeiter": vier Ziegen, darunter zwei Muttertiere. Sie sollen den Bewohnern, allesamt psychisch behinderte Menschen, in deren Alltag helfen. Ab 2020 kommen Veränderung auf alpha zu. Von Stephan Büllesbach

Locke und Lara haben den Umzug von einem Biohof in der Nähe von Bonn ins tiefste Bergische gut verkraftet. Neugierig erkunden die Muttertiere, eine Kreuzung aus Buren- und Deutscher Milchziege, zusammen mit ihren beiden Lämmern die neue Umgebung in Purd. Zwei Bewohnerinnen haben ihnen ein paar Äste auf die Weide geworfen, an den die Ziegen nun genüsslich knabbern.

Was sich unspektakulär anhört, ist für die Bewohner von alpha von großer Bedeutung. Denn die Tiere sollen von ihnen sowie einigen externen Klienten, die nur hin und wieder in die Außenortschaft kommen, versorgt werden. Ihre Aufgaben sind dann die Kontrolle des Trinkwassers, das Ausmisten und Striegeln der Ziegen. "Das ist ein niederschwelliges Angebot", erläutert Einrichtungsleiter Jörg Brauch. "Dahinter steht kein Erfolgsdruck." So müssten die Bewohner die Tiere nicht melken. Das alles dient dazu, den psychisch behinderten Menschen so etwas wie eine Tagesstruktur anzubieten. Denn daran fehlt es ihnen häufig, weil sie kaum in der Lage sind, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren. "Wir haben einen Bewohner, der kann zwei, drei Stunden die Wegränder mit dem Rasenkantenschneider säubern", berichtet Klaus Jansen, Sozialarbeiter und Arbeitsanleiter. Ein anderer könne nur maximal zehn Minuten arbeiten, dann bräuchte er eine Pause.

Die Lage des Wohnheims in der ländlichen und reizarmen Umgebung ist ideal für die Arbeit mit diesen Menschen. "Die Klienten schätzen die Ruhe und die Natur in der Umgebung", sagt Brauch. Der Bauernhof habe Möglichkeiten, sehr individuell angepasste Arbeiten anzubieten, "die spezifisch gemäß den Fähigkeiten und Einschränkungen der Klienten gemeinsam entwickelt werden". So werde viel miteinander gesprochen, und die Bewohner würden in viele Entscheidungen mit einbezogen. Etwa in die, die vier Ziegen anzuschaffen, wovon die Jungtiere noch keine Namen haben.

Versorgt werden von den Bewohnern auch Hühner, Kaninchen und Glan-Rinder. Doch Letztere eignen sich für die therapeutische Arbeit nicht so gut, haben die Verantwortlichen bei alpha festgestellt. Brauch: "Es ist doch was anderes, wenn einem eine Kuh gegenübersteht oder eine Ziege." Die großen Tiere hätten manchen Bewohnern Angst gemacht. Auch sei es einfacher, zu einer Ziege ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. "Wenn die sich an einem reibt, ist das für die Bewohner was ganz Besonderes", sagt Jansen. Die Zahl der Rinder soll in absehbarer Zukunft deutlich reduziert werden.

Ab 2020 wird sich auch bei alpha Wesentliches ändern. Denn ein neues Gesetz besagt dann, dass es bundesweit keine Heime mehr geben wird. "Die Menschen werden dann in einer anderen Organisationsstruktur leben", erläutert Brauch und fügt kritisch an: "Letztlich soll wieder Geld gespart werden." So geht der Einrichtungsleiter davon aus, dass alpha für die Betreuung von psychisch behinderten Menschen weniger Finanzmittel zur Verfügung stehen werden. "Da kommt noch Einiges auf uns zu", befürchtet er.

Quelle: RP
 
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