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Hückeswagen
Visionärin verlässt die Grundschule Wiehagen

Hückeswagen: Visionärin verlässt die Grundschule Wiehagen
Ingelore Jacobs auf einem Schaukelpferd auf dem Spielplatz "ihrer" Schule. Seit dem Beginn der Grundschule Wiehagen vor 17 Jahren ist sie deren Leiterin. Am 6. Juli wird die 65-Jährige feierlich verabschiedet, zwei Tage später hat sie dann ihren endgültig letzten Schultag. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Seit der Gründung der Wiehagener Grundschule 1999 wird sie von Ingelore Jacobs geleitet. Der letzte Schultag dieses Schuljahres am 8. Juli ist auch ihr letzter: Die 65-Jährige geht dann in den Ruhestand. Von Stephan Büllesbach

Schon Jahre, bevor Uwe Ufer Bürgermeister der Schloss-Stadt war, hatte das von ihm immer wieder propagierte Wir-Gefühl in Hückeswagen Einzug gehalten. Genauer gesagt, in Wiehagen. Denn seit Ingelore Jacobs die dortige Grundschule leitet - seit deren Eröffnung vor 17 Jahren -, legt sie Wert auf das Wir-Gefühl an der Grundschule. "Nur dort, wo gut gelaunt gelernt und gelehrt wird, kann man sich auch wohlfühlen", betont sie. Noch heute gehe sie morgens mit Freude arbeiten, "und das gilt auch für meine Kolleginnen".

Die 65-Jährige ist Pädagogin mit Leib und Seele; das Wohl der Jungen und Mädchen liegt der Wahl-Marienheiderin am Herzen. Denn Ingelore Jacobs will Basisarbeit leisten. Als Hauptschullehrerin habe sie festgestellt, dass es an der Basis fehle. Deshalb hatte sie sich auf die Leiterinnenstelle der neu eingerichteten Grundschule Wiehagen beworben. Sie ist sich sicher: "Wenn die Basis vernünftig aufgebaut wird, geht es auch weiter gut." Den Schritt von der Haupt- zur Grundschule habe sie gemacht, "um mehr Menschen bewegen zu können - sowohl die kleinen als auch die großen". Das hat sie in Hückeswagen geschafft.

Die 17 Jahre in Wiehagen seien eine gewinnbringende Zeit gewesen, sagt sie. "Ich habe viele Ideen mit tollen Kindern und Eltern verwirklichen können." Mit das Wichtigste in all den Jahren ist für Ingelore Jacobs die Gewaltprävention an der Grundschule gewesen: "Das ist ein entscheidend wichtiger Bereich, der zukünftig eine noch größere Bedeutung haben muss", sagt sie. Denn gerade auf die wegen der vielen Flüchtlingskinder interkulturelle Erziehung müsse schon an der Grundschule eine Basis für ein friedliches und optimistisches Zusammenleben geschaffen werden. So müssten es die Kinder lernen, dass Konflikte auch ohne Fausteinsatz geregelt werden könnten.

Auch müssten ihnen Grenzen gesetzt werden. "Das müssen Erwachsene ihnen aber erläutern", unterstreicht sie. Eltern müssten zudem Verständnis dafür haben, dass Kinder nicht "mal eben" aus dem Computerspiel aussteigen können, weil es nur noch wenige Minuten bis zum Ende sind. "Da müssen beide Seiten aufeinanderzugehen und an Lösungen arbeiten."

Das bedarf aber auch, dass im Elternhaus miteinander geredet wird. In dieser Hinsicht sieht sie eine negative gesellschaftliche Entwicklung. Die Lehrerinnen an der Grundschule merken das an der sprachlichen Entwicklung, die bei manchen Kindern deutliche Defizite offenbaren. "Mit den Kindern muss geredet werden - zum Beispiel auch beim Spaziergang, Einkauf oder bei der Autofahrt", appelliert die Visionärin. Seien doch die Kinder das Wichtigste in der Gesellschaft. "Daher müssen wir uns immer wieder um sie bemühen."

Ihre Arbeit fortführen wird womöglich ihre Konrektorin Claudia Paradies, die sich auf die Leiterinnenstelle beworben hat. Der Bezirksregierung Köln liegt nur eine Bewerbung vor. Ingelore Jacobs wird aber auch nach ihrem Abschied zum Schuljahresende nicht "arbeitslos" sein. Sie will Flüchtlingen Deutsch beibringen - vielleicht sogar in Hückeswagen.

Quelle: RP
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