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Hückeswagen
Vom Gartenbeet frisch auf den Tisch

Hückeswagen: Vom Gartenbeet frisch auf den Tisch
Claudia Pille, Rawan Ismaili, Elke Hesterberg und Nevila Hajdari (v. l.) haben Blattsalat und Mangold geerntet und später zu Gerichten verarbeitet. FOTO: J. Moll
Hückeswagen. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern haben die Flüchtlinge, die an der Gerhart-Hauptmann-Straße wohnen, Gemüse angepflanzt. Jetzt wurde geerntet - und gemeinsam bei bestem Sommerwetter ein leckeres Mittagessen gekocht. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es wirkt wie eine ganz normale Gartenparty: Claudia Pille und Horst Fink haben ein Pavillonzelt in einem Vorgarten an der Gerhart-Hauptmann-Straße am Fürstenberg aufgestellt, Isolde Vollbrecht und Elke Schnitzler-Hesterberg stellen einen Tisch auf. Dann kommen drei kleine Kinder aus dem Haus gelaufen, hinterher kommt ihre Mutter, Nevila Hajdari, und auch Vater Ardan Ismaili ist dabei. Gemeinsam ernten sie Mangold, der in den Hochbeeten schon hochgewachsen ist. Und auch Salate werden gepflückt. Es ist die erste Ernte in diesem Jahr. Sie ist das Ergebnis einer ehrenamtlichen Aktion, die von Pille im Vorjahr initiiert und zusammen mit dem Ehrenamtsinitiative Weitblick koordiniert wurde.

Pille ist vom Engagement der Flüchtlinge mittlerweile sehr angetan: "Im ersten Jahr war es ja so, dass wir Ehrenamtlichen praktisch die Arbeit gemacht haben. Das wollten wir dieses Jahr so nicht wieder machen", sagt Pille. So habe man das Gartengerät den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt und sich ein wenig aus der Arbeit zurückgezogen. "Wir haben sie mehr in die Verantwortung genommen - und das hat auch wunderbar geklappt", sagt Pille. Allerdings hätten sich die Ernte und deren Weiterverarbeitung als kleines Problem erwiesen, sagt Pille weiter. "Es hat sich herausgestellt, dass die Flüchtlinge nicht wirklich wussten, was sie etwa mit dem Mangold machen sollten."

Und so war die Idee geboren, bei einer gemeinsamen Aktion sowohl zu ernten als auch zu kochen. "Wir machen Kartoffel-Mangold-Puffer, dazu gibt es Salat mit verschiedenen Dressings und als Nachtisch Obstquark", zählt Pille auf. Hajdari ist mit Feuereifer dabei und raspelt zusammen mit Fink Kartoffeln und Zwiebeln. Ihr Sohn Jusuf schneidet gerade mit seiner Schwester Fatima die Gurken für den Salat: "Ich weiß, was man machen muss, damit man beim Zwiebelschneiden nicht weinen muss", ruft der Sechsjährige und ergänzt: "Eine Schwimmbrille aufsetzen." Seine achtjährige Schwester sagt: "Das hast Du doch in einer Kochshow gesehen." Fatima sagt, dass sie schon oft gekocht hat, auch in der Schule. "Das macht schon Spaß", sagt die Achtjährige.

Hajdari ist glücklich in Hückeswagen, das sieht man ihr an: "Es ist damit für mich ein Traum in Erfüllung gegangen", sagt die Albanerin mit leuchtenden Augen. Leider ist die Familie im Moment noch nur geduldet, sie ist allerdings schon seit zwei Jahren in Hückeswagen.

"Das ist nicht mein Rezept", sagt Hajdari auf die entsprechende Frage. Sie habe aber auch etwas vorbereitet, ergänzt sie dann: "Ich habe einen Kuchen gebacken, den können wir dann auch als Nachtisch essen. Ardan, hol doch mal den Kuchen raus", ruft sie ihrem Mann zu, der gerade bei den Kindern steht. Und wenig später steht er auch schon auf der Bank bereit. Währenddessen hat Pille die Kartoffel-Mangold-Masse verrührt und backt die ersten Reibekuchen in der Pfanne goldbraun.

Das Projekt möchte sie auf lange Sicht ganz in die Hand der Flüchtlinge übergeben: "Klar, wir sind nach wie vor mit dabei, aber unser Ziel ist es schon, den Garten über kurz oder lang ganz in die Eigenverantwortung der Bewohner an der Gerhart-Hauptmann-Straße zu übergeben." Schließlich sei auch das Integration.

Quelle: RP
 
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