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Paul Werner Speck
Vorreiter in Sachen bergischer Zusammenarbeit

Paul Werner Speck: Vorreiter in Sachen bergischer Zusammenarbeit
Paul Werner Speck, Vorsitzender der Veranstaltergemeinschaft. FOTO: Jümo
Hückeswagen. Radio RSG sendet seit 25 Jahren in Solingen und Remscheid. Der Vorsitzende der Veranstaltergemeinschaft spricht über die Anfänge, prägende Ereignisse und die Entwicklung des Lokalsenders.

Wie ist die Idee entstanden, vor 25 Jahren einen Lokalfunksender zu gründen ?

Speck Die Landesregierung - damals unter Ministerpräsident Johannes Rau - hatte durch ein Gesetz den Weg für lokales Radio in Nordrhein-Westfalen beschlossen. Das war in 1988/1989. Im Rahmen eines Zwei-Säulen-Modells sollte lokaler Rundfunk entstehen. Die Betriebsgesellschaft (BG) mit den Gesellschaftern von Zeitungsverlegern und Städte war die eine Säule. Sie sollte den wirtschaftlichen Rahmen des Radios absichern. Die zweite Säule war die Veranstaltergemeinschaft (VG), bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Organisationen. Diese VG sollte den Sendebetrieb ohne redaktionelle Einflussnahme der Betriebsgesellschaft gestalten. Für Remscheid und Solingen stand die Frage an: Macht man es alleine oder gemeinsam ?

Da ging es sicherlich ums Geld, oder ?

Speck Das war die Kernfrage: Haben Remscheid und Solingen die wirtschaftliche Kraft, dass sich ein Lokalfunksender in dieser Region auch dauerhaft finanziell trägt ?

War es eine richtige Entscheidung ?

Speck Wie sich heute zeigt, war es rückblickend die richtige Entscheidung. Wir waren damit ja auch quasi Vorreiter in Sachen Bergischer Zusammenarbeit.

Ging das alles holterdiepolter vonstatten?

Speck Das waren anfangs schon sehr schwierige und anstrengende Sitzungen - und wir haben auch lange verhandelt. So hat es dann letztlich fast drei Jahre gedauert, bis Radio RSG tatsächlich starten konnte. Und dann musste man ja auch noch die richtigen Leute fürs Mikro finden und ein modernes Sendestudio errichten. Denn sowas wie Lokalradio, das gab es in der Form ja bis dato noch nicht.

Aber dann ging es mit Schwung auf Sendung...

Speck Ich hätte es - ehrlich gesagt - damals nicht für möglich gehalten, dass Radio RSG im Jahr 1995 in der Medienanalyse zum ersten Mal vor den öffentlich-rechtlichen Sendern stand. Und diese Position verteidigt es bis heute. Das erstaunt mich jedes Mal aufs Neue. Radio RSG hören seit Jahren mehr als 40 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger in Remscheid und Solingen.

Und wie sieht es im Umland aus?

Speck Jeder fünfte Hörer lebt außerhalb von Remscheid und Solingen. Diese 20.000 Hörer im Umland verteilen sich auf die Gebiete Wuppertal, Kreis Mettmann und Rhein-Berg/Oberberg. Eine exakte Zahl für die genannten Städte kann ich allerdings nicht angeben.

Gibt es vielleicht eine Fangemeinde aus dem Umland?

Speck Aus dem gefühlten Eindruck und direkten Hörernachfragen kann ich sagen, dass wir vor allem auch in Wermelskirchen eine gute "Fanbase" haben - insbesondere bei denjenigen, die aus privaten und beruflichen Gründen Richtung Remscheid orientiert sind. Aus Radevormwald und Wipperfürth haben wir sporadische Rückmeldungen, aus Hückeswagen sehr selten.

Was glauben Sie, macht Radio RSG so erfolgreich?

Speck Radio RSG wird mit Innovation, Motivation, Herz und Leidenschaft gemacht. Das merken auch die Hörer. Ich erinnere mich vor allem an die Momente und Aktionen, wenn Radio RSG irgendwo "draußen" bei den Menschen war. Und die Hörer haben mitgemacht. Auch bei den Hörer-Reisen - da sind wir in den ersten Jahren mit teilweise hunderten Menschen mit der Fähre nach London oder mit dem Bus ins Eurodisney nach Paris gefahren oder die Skitouren in die Berge. Wir hatten tolle Events, etwa ganz groß auf dem Remscheider Rathausplatz oder auf dem Neumarkt in Solingen.

Welches Ereignis hat besonders geprägt ?

Speck Wir waren beim Brandanschlag in Solingen 1993 für die Menschen über mehrere Tage eine direkte Informationsquelle. Die Kollegen haben damals über mehrere Tage nonstop lokal gesendet. Das ging nur durch die enge Kooperation mit Radio Neandertal, die es in den Anfangsjahren ja noch gab. Deshalb sind ja später auch beide Sender gemeinsam mit einem Hörfunk-Sonderpreis für besondere journalistische Leistung ausgezeichnet worden. Das alles hat natürlich mit den Menschen zu tun, die dahinter stecken.

Wer steckt dahinter ?

Speck Das war in den Anfangsjahren Jörg Bertram, unser erster Chefredakteur und seit 2002, Thorsten Kabitz als unser jetziger Chefredakteur. Sie konnten sich immer auf ein kleines, aber seit 25 Jahren erfolgreiches Team verlassen. Und dass die Chefredakteure mit dem Team so frei arbeiten konnten, ohne dass ihnen ständig jemand reingeredet hat, das lag natürlich auch an den Verantwortlichen in der Veranstaltergemeinschaft und in der Betriebsgesellschaft.

Die Betriebsgesellschaft sollte ja keinen redaktionellen Einfluss auf den Sendebetrieb nehmen. War das immer leicht ?

Speck Wir haben bei den Etats für die Redaktionen manches Mal hart ringen müssen. Auch wenn die Verhandlungen über den Wirtschafts- und Stellenplan manchmal anstrengend und schwierig waren und auch sicherlich weiterhin sind: Der Erfolg eines Senders hängt maßgeblich davon ab, ob Veranstaltergemeinschaft und Betriebsgesellschaft es gut miteinander können. An dieser Stelle unseren Dank für die konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Diese gute partnerschaftliche Zusammenarbeit auf der Ebene der Vorstände und Veranstaltergemeinschaft sowie der Betriebsgesellschaft (BG) mit den Geschäftsführern Michael und Bernhard Boll ist auch die Basis für die gute und alltägliche Zusammenarbeit zwischen Redaktion und dem BG-Bereich Marketing.

Was erwarten Sie für Radio RSG in der Zukunft?

Speck Nimmt man die Partnerschaft zur BG und die tolle Arbeit unseres Chefredakteurs mit dem gesamten Team zusammen, so sind das für mich die maßgeblichen Bausteine für den Erfolg von Radio RSG. Ich bin sicher, dass dies auch in den nächsten Jahren so bleiben wird.

BERND GEISLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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