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Hückeswagen
Wandern auf Schienen

Hückeswagen. Hans-Leo Nassenstein aus Hämmern hat eine Idee: einfach die Schienen entlang gehen – die Wupper in der Nähe . Grund genug, einen Blickauf die Geschichte des Eisenbahn-Teilstücks von Hämmern nach Kleineichen zu werfen. Von Norbert Bangert

Hämmern Die Wupper von Hämmern in Richtung Kleineichen zu laufen, das sei doch kein Problem. Man müsse doch nur auf den Schienen entlang gehen. Diesen einfachen und verblüffend einleuchtenden Gedanken hatte jüngst Hans-Leo Nassenstein aus Hämmern. Es ist die Reaktion eines Wupper-Anrainers auf eine Anmerkung, dass kein Wanderweg unmittelbar entlang der Wupper verläuft. Die Bahnstrecke wurde in dem Teilstück fast parallel zum Fluss gebaut, und schon Ende dieses Jahres soll der neue Radweg diese Idee für jeden erlebbar machen.

Die ersten Güterzüge

Wann aber hätte Nassenstein seinen ersten Spaziergang auf den Gleisen machen können? Ab dem 22. Dezember 1876 hätte er es tun können, doch da war der Wipperfürther noch längst nicht geboren. Außerdem lagen die Schienen auf den Grundstücksparzellen der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft. An diesem Wintertag vor 123 Jahren fuhren nämlich die ersten Güterzüge von Hückeswagen nach Wipperfürth, im Januar des Folgejahres folgten auch die Personenzüge.

Zwei Haltepunkte gab es auf dem Teilstück: einen in Hämmern, der zweite in Kleineichen. Die Zwischenstation trug die offizielle Bezeichnung "Bever-Talsperre" und machte so die Bedeutung des nahen Stausees deutlich. Allerdings wurde der Haltepunkt erst zwischen 1952 und 1955 eingerichtet und lediglich von den neu eingeführten Schienenbussen genutzt.

Die Station in Kleineichen hat übrigens eine Vorgeschichte, die bis in das Jahr 1898 zurückreicht. Damals – und ein weiteres Mal elf Jahre später – bat der Bürgermeister von Neuhückeswagen die Bahngesellschaft, in Kleineichen eine Zwischenstation einzurichten. Als Begründung gab er die Attraktivität der Bever für Touristen an. Doch seine Bitte wurde abgelehnt.

Eine absolutes Unikum ist auch ein Stück Eisenbahn-Planungsgeschichte aus dem Jahr 1914. Damalige Entwürfe sahen vor, eine Eisenbahnlinie zwischen Wipperfürth und Bergisch Gladbach zu bauen. Die geplante Strecke hätte mit einer Abzweigung in Höhe des heutigen Flugplatzes Neye begonnen und dort die Wupper überquert und danach durch Hilgersbrücke (Ortsausgang Hämmern) geführt. Doch der Erste Weltkrieg und später die Weltwirtschaftskrise bereiteten den Plänen das Aus.

Erinnerungen leben weiter

Wenn ab Ende 2009 die ersten Radfahrer auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Hämmern und Kleineichen fahren, werden diese von der lebhaften Geschichte der Eisenbahn nur noch einen Hauch erahnen können. Nur in den Erinnerungen von Menschen wie Hans-Leo Nassenstein, der diese Schienen auch mal entlang gelaufen ist, leben sie weiter.

Quelle: RP
 
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