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Hückeswagen
Wandern mit Krimi, Spielen und Ferkelchen

Hückeswagen: Wandern mit Krimi, Spielen und Ferkelchen
Marcus Paul vom Bauerncafé Busenbach mit Ida (9) und Emma (11), die beide aus Haan gekommen sind, und einem der acht süßen Ferkelchen. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Zur Bergischen Wanderwoche gibt es in Hückeswagen noch bis zum 2. Juni zahlreiche Angebote, sich in der Umgebung zu bewegen. Von Flora Treiber und Heike Karsten

AufgeregtesQuieken und unstillbarer Hunger halten Moni wach. Moni ist die große Sau, die das Bauerncafé Busenbach ihr Zuhause nennt. Sie hat am letzten Montag acht Ferkel geboren, die schon jetzt agil durch das hohe Gras stapfen. Die braun-weiß gefleckten Ferkel erregen aber nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Mutter, sondern auch die der Café-Besucher.

Am Wochenende herrschte im Café Hochbetrieb. Nadine Strombach und Marcus Paul bewirteten ihre Gäste mit Kuchen und kalter Holunder-Schorle, während sich Radfahrer und Spaziergänger in der grünen Oase unter Sonnenschirmen erholten. An Erholung konnten Emma und Ida nicht denken, sobald sie die Ferkel erblickten. "Ich habe noch nie ein Schwein gestreichelt", sagte Emma aufgeregt. Die Elfjährige war mit ihrer Schwester und ihrem Vater mit Bahn und Fahrrad nach Hückeswagen gekommen. "Wir kommen aus Haan und genießen das schöne Wetter. Die Ferkel sind eine tolle Überraschung", sagte Ralf Schüren.

Dank der Hilfe von Marcus Paul konnten die Mädchen eines der Ferkel streicheln und die weichen Borsten fühlen. Das Café war am Samstag auch Anlaufpunkt einer Aktion der Bergischen Wanderwoche. Unter dem Motto "Alte Spiele neu entdeckt" wanderte die Kolpingjugend mit fünf Kindern über den Wasserweg und den Panoramasteig in die Ortschaft zum Busenbach, um dort zu verweilen und alte Spiele wie Sackhüpfen oder Gummistiefel-Weitwurf aufleben zu lassen. "Das Wetter ist perfekt für unsere Wanderung und die Kinder haben sehr viel Spaß. Die Bergische Wanderwoche gehört in Hückeswagen schon fest zum Sommer", sagte Katharina Mehnert. Moritz, Luca, Niklas, Anna-Sofie und Finja stürzten sich nach der Ankunft direkt auf die Schaukeln, knüpften Kontakte mit den großen Kaninchen und warfen einen Blick auf die Ferkel. "Gleich beginnen unsere Spiele", sagte Moritz. Nach einigen Partien wanderte die Truppe zurück zum Kolpinghaus. Marcus Paul freut sich darüber, dass sein Café so beliebt ist. Das nächste Mal öffnet das Bauerncafé zu Pfingsten vom 3. bis 5. Juni. Dann findet dort auch eine Ausstellung des örtlichen Geflügelzuchtvereins statt. Die kleinen Ferkel bleiben noch weitere fünf Wochen im Bauerncafé.

Irmgard Hannoschöck wanderte mit einer kleinen Gruppe zur Wupper-Talsperre und las aus dem Krimi "Die Porzellanmalerinnen". FOTO: Jürgen Moll

Die Kriminal-Geschichte "Die Porzellanmalerinnen" von Irmgard Hannoschöck spielt in den beschaulichen Straßen und der malerischen Natur der Stadt. Zentraler Handlungsort ist das Haus Hammerstein, um das es in der Geschichte zahlreiche mysteriöse Vermutungen gibt. Zur Bergischen Wanderwoche veranstaltete die Autorin eine Krimi-Wanderung, die in Voßhagen startete und mit der kleinen Friedenskapelle auf dem Weg zu Haus Hammerstein bereits den ersten Schauplatz von "Die Porzellanmalerinnen" besuchte.

Katja Leidenberger und Andrea Brügger gehörten zu den vier Teilnehmern der Krimi-Wanderung und bezeichnen sich als große Krimi-Fans. Wenn es nach ihnen geht, können Geschichten nicht gruselig genug sein. Umso schöner, dass ihre Heimat dank Irmgard Hannoschöck der Schauplatz eines Krimis ist. "Wir waren sehr gespannt darauf, die Autorin kennenzulernen und zu erfahren, warum Hückeswagen in ihren Geschichten eine so große Rolle spielt", sagte Leidenberger. Dass die Autorin eigentlich Suchtberaterin ist und das Schreiben nur als Hobby ausübt, wussten sie nicht. "Ich finde das interessant. Ich wollte auch immer mal einen Krimi schreiben. Vielleicht kann ich mir heute ein paar Tipps geben lassen", sagte Alexandra Höller. Sie nahm mit ihrem Mann Klaus an der Krimi-Wanderung teil. Auf dem Weg zu Haus Hammerstein wuchs die Neugier der beiden. "Auf der Wanderung hierhin haben wir bereits Schauplätze kennengelernt. Jetzt wollen wir hören", sagte Klaus Höller.

"Dreh/sie dich um" lautet der Name dieser Straße. FOTO: Stephan Büllesbach

Nachdem sich die Krimi-Fans bei Haus Hammerstein niedergelassen hatten und die bergischen Waffeln verputzt waren, begann Irmgard Hannoschöck mit der Lesung. Sie entführte ihre Zuhörer bei strahlendem Sonnenschein in die Welt ihrer Protagonistin, die viele Eigenschaften von ihr selbst besitzt. Katja Leidenberger und Andrea Brügger hörten gebannt zu. Nach der Lesung wanderte die kleine Gruppe zurück nach Voßhagen. Auf dem Rückweg kamen sich über die Geschichte ins Gespräch. Für die Autorin war die Wanderung eine Premiere. "Ich freue mich darüber, dass sich Hückeswagener für meine Geschichte interessieren und mit mir die Plätze der Handlung entdecken", sagte sie.

Als Hückeswagener kennt man die meisten Straßennamen. Welche Bedeutungen jedoch dahinter steckten, das überrascht sogar die gebürtigen Schloss-Städter bei der Wanderung "Kiek an, Kieköm" am Sonntagmorgen. Stadtführerin Martina Rey begleitete die 14 Teilnehmer und hatte zu vielen Straßennamen eine kleine Anekdote parat. Neben den Siedlungen mit Blumen-, Vogel- und Komponistennamen wurden auch viele Industrielle, Pfarrer und bekannte Persönlichkeiten als Straßennamen verewigt. Weitverbreitet die Namen der Familie Schnabel, die von der Franz-Schnabel-Straße über die Schnabelsmühle bis zum Corneliusweg reichen. "An der Schnabelsmühle hat wirklich einmal eine Getreidemühle gestanden", berichtete Martina Rey. Überhaupt müsse man sich das Hückeswagen von früher viel sumpfiger und schlammiger vorstellen als heute. Die Fuhrleute mussten richtig "kratzen" und sich abmühen, um den Kratzkopf (August-Lütgenau-Straße) hinaufzukommen.

Teilnehmerin Magret Schubert konnte als gebürtige Hückeswagenerin noch viele Namen von Hausbesitzern und kleinen Gässchen hinzufügen, wozu Martina Rey zu Beginn der Führung im Rahmen der Bergischen Wanderwoche ausdrücklich angeregt hatte.

Die Teilnehmer erfuhren auch die Bedeutung der kleinen Stichstraße Kieköm ("dreh/sieh dich um"). Die Wanderführerin erklärte: "An der Wupper standen die ganzen Tuchfabriken. Nachdem die Angehörigen den Männern in der Pause das Essen gebracht hatten, drehten sie sich am Berg der Wupperstraße noch einmal um, um zu winken."

Nur wenige Straßen sind so heimatverbunden. Martina Rey teilte ihr angelesenes Wissen von der Fischmeierei an der Bachstraße, der Walkmühle im ehemaligen Pfarrhaus an der Weierbachstraße und der Waidpflanze, die zum Blaufärben der Stoffe benötigt wurde. Auf dem Höchsten hörte die Kreativität bei der Namensgebung allerdings auf. "Die Namen Nord-, West-, Süd- und Ringstraße entstanden eher aus verwaltungstechnischen Gründen", vermutete Rey. Die zweitstündige Wanderung war ein interessanter und kurzweiliger Spaziergang in die Vergangenheit mit kleinen Zwangspausen, die zwei heftige, aber kurze Regenschauer forderten.

Quelle: RP
 
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