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Hückeswagen
Warten auf Asyl-Bescheid und die Familie

Hückeswagen: Warten auf Asyl-Bescheid und die Familie
Yorga Belay hat als Lehrer in seiner Heimat Eritrea gearbeitet. Nun wartet der 29-Jährige auf seinen (positiven) Asyl-Bescheid sowie seine Frau und die beiden Töchter, fünf und eineinhalb Jahre alt. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Seit nunmehr 20 Monaten wartet der 29-jährige Eritreer Yorga Belay, der in Hückeswagen lebt, auf die Bearbeitung seines Asylantrags. Seine Frau und die beiden Töchter sind noch in Eritrea. Jetzt hat er Angst, sie endgültig zu verlieren. Von Wolfgang Weitzdörfer

Während des Gesprächs lächelt Yorga Belay immer wieder freundlich, aber die Anspannung steht dem 29-jährigen Afrikaner deutlich ins Gesicht geschrieben. Der junge Mann ist seit fast zwei Jahren in Deutschland - und wartet seitdem darauf, dass sein Asylantrag bearbeitet und er als Flüchtling anerkannt wird. So könnte er seine Frau und die fünf und eineinhalb Jahre alten Töchter nachholen. Die jüngere hat er noch nie gesehen.

"Ich bin 2013 in meiner Heimatstadt Adi Ketina unvermittelt aus dem Unterricht abgeholt und ohne Grund verhaftet worden. Neun Monate war ich eingesperrt, ohne dass man mir eine Begründung genannt hatte", erzählt Belay, der in seiner Heimat als Lehrer gearbeitet hat. Am Tag nach seiner Entlassung war er - aus Furcht vor weiteren Repressalien - in einer anschließenden sechsmonatigen Odyssee über Äthiopien, den Sudan, Libyen, das italienische Lampedusa und Frankreich nach Deutschland geflohen. Am 19. Juni 2014 kam er in Trier an, und über die Erstaufnahmestelle in Dortmund ging's einen Monat später nach Hückeswagen.

Noch in Dortmund hatte der 29-Jährige seinen Asylantrag gestellt. Doch dann passierte erst einmal nichts, wie Jutta Keller und Joachim Kutzner, die im Hückeswagener Flüchtlingsnetzwerk als Deutschlehrer für Flüchtlinge aktiv sind, erzählen. Der Kontakt zu dem jungen Eritreer war über ihre Deutschkurse zustande gekommen, an denen der 29-Jährige erstmals im März 2015 teilnahm: "Er war einer der ersten Teilnehmer und ist regelmäßig erschienen", erzählt Jutta Keller. Seit Oktober nimmt Belay an einem A1-Integrationssprachkursus der Agentur für Arbeit teil und geht dafür viermal wöchentlich nachmittags in die Montanusschule. "Zusammen mit einem weiteren jungen Mann aus Eritrea bekam Yorga von der Agentur eine Bescheinigung über die 'Teilnahme mit sehr gutem Erfolg'", erzählt Kutzner erfreut.

Beste Voraussetzungen eigentlich, um in Deutschland anzukommen. Allerdings gibt es das Manko, dass der 29-Jährige bislang keinerlei Aussage über seinen Asylantrag erhalten hat - und das, obwohl im August für Asylbewerber aus Eritrea ein vereinfachtes Verfahren ermöglicht wurde: "Die Anerkennungsquote lag mit 90 Prozent wohl so hoch, dass es diesen vereinfachten Antrag gab", berichtet Kutzner. Allerdings habe sich auch dann nichts getan. "Mitte Oktober hat Yorga dann mit einem Anwalt aus Velbert Klage beim Verwaltungsgericht in Köln eingereicht, mit dem Inhalt, dass seine Flüchtlingseigenschaft festgestellt werden sollte sowie binnen dreier Monate der Antrag bearbeitet sein musste."

Passiert ist wieder nichts. Allen Beteiligten ist natürlich klar, dass sowohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch die Verwaltungsgerichte auf Bergen von Anträgen sitzen und in Arbeit "ertrinken". An seinem Schicksal ändere dies indes nichts, sagt der 29-Jährige: "Meine Frau glaubt mir nicht mehr so recht, dass das alles hier so lange dauern soll. Sie hat mir zudem anfangs eine Art Ultimatum gestellt: Zwei Jahre würde sie warten, dann würde sie mit den beiden Kindern nach Äthiopien gehen und sich von mir trennen." Die Situation sei auch für sie kaum tragbar, zumal sie, ebenfalls Lehrerin, nach der Flucht ihres Mannes mit einem Berufsverbot belegt worden war.

Von diesen zwei Jahren sind nun bereits 20 Monate vorbei.

Quelle: RP
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