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Ansichtssache
Warum Hückeswagen 2018 wieder enger zusammenrücken sollte

Ansichtssache: Warum Hückeswagen 2018 wieder enger zusammenrücken sollte
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Morgen endet ein Jahr, das für die Schloss-Stadt Hückeswagen ein paar schöne Seiten, aber auch viel Ärger, Streit und Protest bereit hielt. Für 2018 wäre es schön, wenn die Wortwahl bei Meinungsverschiedenheiten deutlich freundlicher werden würde. Von Stephan Büllesbach

Endlich fertig! Das mag so mancher Hückeswagener und vor allem der dort ansässige Einzelhandel gedacht und mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung bedacht haben, als im November der Etapler Platz offiziell freigegeben wurde. Genutzt werden konnte der neu gestaltete Platz im Zentrum der Schloss-Stadt bereits seit Ende Juli. Damit waren mehr als zweieinhalb Jahre Baustelle mit Lärm, Dreck und Stress beendet.

Alles hatte mit dem Neubau im Januar 2015 begonnen, es folgte der Umbau des Rewe-Markts, der sich um einige Monate verzögern sollte, ehe dann Anfang Juni mit dem Umbau des Etapler Platzes begonnen werden konnte - da hatten die betroffenen schon zwei große Ärgernisse hinter sich: Die Verschiebung der Neugestaltung um ein ganzes Jahr und die ursprünglichen Pläne, die Bauarbeiten bis in den August, vielleicht sogar bis in den September hinein zu ziehen. Ein Gespräch aller Beteiligten und der vorbildhafte Einsatz der Baufirma, die den Etapler Platz innerhalb von nur sieben Wochen umwandelte, sorgten schließlich für zufriedene Mienen bei Kunden und ansässigen Händlern. Es zeigte: Wo vernünftig und ruhig miteinander geredet wird, wird in der Regel auch schnell eine Lösung gefunden, mit der alle Seiten leben können.

Endlich erledigt! Das dürften vor allem die Verantwortlichen bei der Verwaltung und die Politiker gedacht haben, als sich Mitte Juli die Stadt und die erste Abwicklungsanstalt (EAA) als Rechtsnachfolgerin der West LB auf einen Vergleich bei den Swaps einigten. "Ein Sieg auf der ganzen Linie" war es nicht, wie es die Hückeswagener Seite gehofft hatte. Ist doch noch eine Restschuld zu begleichen. Dennoch waren alle froh, dass das jahrelange Gezerre vor den Gerichten - im März 2016 hatten sich beide Seiten sogar vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe getroffen - endlich ein Ende hatte. Und das vor allem die Drohverluste in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro nicht reale Verluste wurden.

Die spekulativen Zinsderivatgeschäfte, die Mitte der 2000er Jahre der damalige Bürgermeister Uwe Ufer und der frühere Kämmerer Bernd Müller vor allem auf Drängen der damaligen schwarz-gelben Landesregierung initiiert hatten, kommen den Steuerzahlern dennoch teuer. Wie hoch die Summe ist, die die Schloss-Stadt letztlich zu zahlen hat, bleibt weiterhin unklar. Es ist Teil des Vergleichvertrags, dass Verwaltung und Politiker sie nicht nennen dürfen.

Es gab aber auch viele traurige Momente. Auf der L 101 erlag im Oktober ein Autofahrer aus Wermelskirchen seinen schweren Verletzungen, nachdem ein Wipperfürther mit seinem Auto in den Gegenverkehr geraten war. Der Unfallverursacher starb wenige Wochen später im Krankenhaus. Dazu kamen viele Schwerverletzte. Im Juli ertrank ein Hückeswagener in der Wupper nahe des Bürgerbüros.

Hauptdiskussions- und zuletzt auch -streitpunkt in 2017 war eindeutig das Drama um die Zukunft der Schulen. Seitdem ein Gutachter zu Jahresbeginn die Kosten für den Umbau und die Erweiterung der Hauptschule auf 20 Millionen Euro taxierte - die Stadt war lediglich von zwölf Millionen ausgegangen -, geht gar nichts mehr. Zwar hat die Ratsmehrheit Ende November den Beschluss von 2015 bestätigt, wonach der Schul-Tausch nun kommen soll. Doch umgehend gründete sich die Bürgerinitiative "Vernunft macht Schule" und versucht aktuell ein Bürgerbegehren auf die Beine zu stellen, um den Schul-Tausch wieder zu kippen.

Steht ein neues Jahr an, haben auch gute Vorsätze Hochkonjunktur. Wie wäre es, wenn die Hückeswagener wieder mal etwas mehr zusammenrücken würden? Das könnten sie, indem sie dem anderen, der anderer Meinung ist, zuhören und freundlich begegnen - und ihn nicht in aller Öffentlichkeit angreifen. Das gilt auch und im Besonderen für Politiker: Bürgern die Fähigkeit abzusprechen, vermeintlich komplexe Themengebiet zu verstehen, geht nicht. Das vergrault sie.

Und die Hückeswagener könnten zusammenrücken, indem sie wieder gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Die ausgefallene Bierbörse wäre die passende Gelegenheit: Es wäre schön, würden sich einige von ihnen bereiterklären, an der Organisation eines Ersatzfestes am ersten Mai-Wochenende zusammen mit dem Stadtmarketing mitzuwirken. Das wäre wieder etwas von Hückeswagenern für Hückeswagener.

Gemeinsam ist immer besser als gegeneinander.

Quelle: RP
 
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