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Helfer können durchatmen
Weniger Flüchtlinge nach Hückeswagen

Helfer können durchatmen: Weniger Flüchtlinge nach Hückeswagen
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Grafik. FOTO: Martin Ferl
Hückeswagen. Momentan werden 235 Flüchtlinge betreut, 60 weniger als zum Jahresende. Die Situation ist nicht entspannt, aber seit einigen Wochen können die Helfer mal durchatmen. Zurzeit bekommt die Schloss-Stadt keine neuen Zuweisungen. Von Joachim Rüttgen

Eine Kristallkugel hat sich Michael Kirch noch nicht in sein Büro gestellt. Aber genau die bräuchte der zuständige Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung Hückeswagen, um die künftige Entwicklung bei den Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen vorherzusagen. "Wir haben zurzeit keine total entspannte Situation, aber eben auch keine neuen Zuweisungen, das lässt uns ein bisschen Luft zum Durchatmen", sagt er.

Seit Dezember hat die Stadt für zwei oder drei Familien im Rahmen einer Zusammenführung handeln müssen, außerdem sind im ersten Quartal 2016 lediglich zwei Flüchtlinge zugewiesen worden, was damit zusammenhängt, dass Hückeswagen die vom Land geforderte Quote mit 106 bis 108 Prozent erfüllt hat. Die meisten Flüchtlinge kommen zurzeit aus Syrien (92), Afghanistan (39) und Albanien (17). Die meisten von ihnen sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. Zurzeit betreut die Schloss-Stadt 235 Flüchtlinge, das sind 60 weniger als noch Ende 2015. "30 Menschen sind nicht mehr in Hückeswagen, weil sie ohne Absprache verschwunden sind, 30 weitere sind in die Betreuung der Arge übergegangen", erklärt Kirch. Mit der Anerkennung endet die direkte Fürsorge der Verwaltung, es beginnt die Übernahme durch das Jobcenter für Arbeitsvermittlung und Wohnungssuche.

Kirch sagt, dass die Stadt gut vorbereitet ist, falls es die nächste Flüchtlingswelle geben sollte. Seine Mitarbeiter seien gerade damit beschäftigt, aufgelaufene Rückstände aus den vergangenen Monaten aufzuarbeiten. "Eine komplexe Situation", sagt Kirch.

Vor allem gehe es jetzt darum, die Menschen künftig auch angemessen zu betreuen und zu begleiten. Daher läuft zurzeit eine öffentliche Ausschreibung für die Stelle eines Sozialarbeiters. "Wir sind stolz, dass die Verzahnung zwischen Flüchtlingsnetzwerk, Ehrenamtsinitiative Weitblick, den Ehrenamtlichen, der Politik und der Verwaltung so super klappt", sagt Kirch. Ziel aller Bestrebungen sei die dezentrale Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge. Das gelang bislang gut, denn lediglich in Scheideweg (36 Plätze), an der Ewald-Gnau-Straße (25 Plätze) und an der Alten Schlossfabrik (eine Familie) werden momentan Flüchtlinge und Asylbewerber zentral untergebracht. Ab Mai könnte die Stadt bei Bedarf auch die Räume im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Bêché & Grohs an der Peterstraße beziehen.

Hier laufen nach Angaben von Kirch die letzten Arbeiten. "Da geht es um die Einrichtung. Die erste Etage ist fertig, auch in den anderen Bereichen sind die Handwerker bald fertig", sagt er.

Eine Prognose für die kommenden Monate will Kirch nicht wagen. "Das ist schwierig, aber an eine identische Entwicklung wie von Juli bis Dezember 2015 glaube ich nicht", sagt er. Weil die Balkanroute dicht sei, werde der Zulauf aus dieser Richtung schwierig, was sich aber nach dem Abkommen mit der Türkei entwickle, sei völlig unklar. "Die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes sind auch nicht mehr voll, da müssen wir jetzt einfach mal abwarten", sagt Kirch. Er sei zufrieden, denn nun könne sich die Stadt strukturiert vorbereiten und sei dann auch gewappnet - sowohl personell als auch räumlich.

"Wir wollen und müssen uns personell verstärken. Aber wir haben mehr als ein Jahr lang mit wenig Personal sehr viel geschafft. Wir machen Neueinstellungen aber auch künftig abhängig von der jeweiligen Entwicklung bei den Zuweisungszahlen", kündigt der Fachbereichsleiter an. Personal in Wartestellung werde es in Hückeswagen nicht geben. Durchatmen sei jetzt aber auch mal wichtig. "Und langweilig ist es dann trotzdem nicht", sagt Michael Kirch.

Quelle: RP
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