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Hückeswagen
Wenn Flüchtlinge Schäden verursachen

Hückeswagen. Asylbewerber sind in der Regel nicht haftpflichtversichert. Wenn sie in Unfälle verwickelt sind, kann das einen großen Ärger bedeuten. Denn haben sie ihn verursacht, bleibt der Geschädigte auf den Kosten sitzen. So, wie jüngst geschehen. Von Stephan Büllesbach

Es war kein schwerer Unfall; verletzt worden war niemand. Für eine Kundin von Uwe Heinhaus hatte der Zusammenstoß mit einem Flüchtling jedoch negative Folgen, und das im wahren Sinne des Wortes: "Vor kurzem ist ein Asylbewerber mit dem Fahrrad in ihr Auto gefahren", berichtet der Inhaber des Spiel- und Lederwarengeschäfts von der Bahnhofstraße. Der Schaden an ihrem Auto war aufgenommen worden, und sie hatte ihn bei der Versicherung eingereicht - doch Geld wird sie nicht sehen. Ihre eigene Versicherung zahlt nicht, und der Flüchtling hat - wie im Übrigen auch so mancher Deutsche - keine Haftpflichtversicherung. Zwar könnte sie die Begleichung des Schadens vor Gericht einklagen, viel zu holen sein dürfte bei dem Mann aber eher nicht.

Auch die Stadt Hückeswagen kann nicht belangt werden. "Wir sind für die Unterbringung und ärztliche Versorgung der Asylbewerber verantwortlich", sagt Fachbereichsleiter Michael Kirch. Eine Versicherung müssen die Kommunen für sie aber nicht abschließen. Es gebe keine entsprechende gesetzliche Auflage, "und dafür hätten wir auch gar nicht die Ressourcen", betont Kirch.

Heinhaus wirft jedoch die Frage auf, ob die Stadt bzw. Institutionen wie die Caritas den Menschen aus Arabien oder Afrika, wo ganz andere Verkehrssituationen herrschen, nicht gewisse Regeln fürs Fahrradfahren und den Straßenverkehr näher bringen müssten. "Sie stellen ihnen schließlich die gebrauchten Fahrräder zur Verfügung", argumentiert er.

Das Problem ist bereits erkannt. Margareta Coenen, als Standortlotsin der Ehrenamtsinitiative "Weitblick" in Hückeswagen die Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, hat vor geraumer Zeit Kontakt mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aufgenommen, um gemeinsam ein Fahrsicherheitstraining für Asylbewerber auf die Beine zu stellen. Im Gespräch mit unserer Redaktion verspricht Frank Schopphoff, Sprecher des ADFC Wermelskirchen, dass in Kürze ein solches Fahrrad-Training in Hückeswagen stattfinden soll.

"Ich helfe gerne", versichert er. Denn er sei "in großer Sorge", wenn den Flüchtlingen Fahrräder zur Verfügung gestellt werden. "Wir sind dann mitverantwortlich dafür, dass sie Hilfe bekommen und auf die Regeln und Gefahren im deutschen Straßenverkehr hingewiesen werden." Margareta Coenen hat er inzwischen umfangreiches Schulungsmaterial, auch in anderen Sprachen, zur Verfügung gestellt. Das soll spätestens bei einem Fahrsicherheitstraining zum Einsatz kommen; ein Termin steht aber noch nicht fest. "Wir sind aber auf dem Weg", berichtet die Standortlotsin. So haben einige Flüchtlinge schon das Infomaterial mit Verhaltens- und Verkehrsregeln erhalten, das auch die Grundschüler beim Fahrradtraining im dritten und vierten Schuljahr nutzen.

Dass Asylbewerber in der Regel keine Haftpflichtversicherung abschließen (können), weiß auch Karl-Jürgen Huhn, Leiter der Provinzial-Geschäftsstelle vom Etapler Platz. Daher rät der Sprecher des Bezirks Bergisch-Land im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) dazu, auf Nummer sicher zu gehen: So kann man sich bei seiner Versicherung dagegen absichern, dass ein Unfallgegner nicht versichert ist und daher nicht zahlen kann. "Diese Ausfalldeckung ist sehr wichtig", meint Huhn.

Kürzlich erhielt er jedoch Besuch von einer syrischen Familie - "sie wollte eine Versicherung abschließen".

Quelle: RP
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