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"Wenn ich den Boden verlasse, ist alles erledigt"

"Wenn ich den Boden verlasse, ist alles erledigt"
Die beiden Vorstandsmitglieder des Luftsportvereins Radevormwald Hans Peter Gomolzig und Helga Rachau stehen vor einer Cessna auf dem Flugplatz in Radevormwald-Leye. FOTO: Wolfgang Weitzdörfer
Hückeswagen. Das Fliegen bedeutet für viele Menschen Freiheit. Welche Kosten dabei entstehen und warum der Luftsportverein Radevormwald keine Nachwuchssorgen hat, erzählt Hans Peter Gomolzig, Vorsitzender des Luftsportvereins im BM-Interview. Und er verrät, welche Rolle Reinhard Mey spielt.

Herr Gomolzig, kennen Sie das Lied "Über den Wolken"?

Hans Peter Gomolzig Ja, natürlich. Das ist die Hymne der Segel- und Motorflieger. Das Lied spricht uns Fliegern absolut aus der Seele.

Erklärt es auch die Faszination des Fliegens?

Gomolzig "Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein" - das ist genauso, wie Reinhard Mey das singt. Für mich ist es so: Wenn ich den Boden verlasse, dann ist alles andere da unten erledigt. Es ist ein Abschalten und Vergessen des Alltags. Am besten geht das für mich jedoch beim Segelflug. Denn da ist es schön ruhig, man braucht keinen Motor und ist nur auf die Thermik angewiesen, die nichts kostet.

Wie lange fliegen Sie schon?

Gomolzig Seit 55 Jahren. Mein Vater war schon begeisterter Flieger, er war auch fachlich damit verbunden. Und so bin ich da nicht nur hineingeboren worden, sondern auch damit aufgewachsen.

Was fliegen Sie für Flugzeuge?

Gomolzig Ich habe quasi schon alles geflogen, was einen Propeller hat. Und auch im Segelflug habe ich schon sehr viele verschiedene Modelle gehabt.

Was ist dran am Klischee, dass sich nur die "Oberen Zehntausend" das Fliegen leisten können?

Gomolzig Es ist ein Klischee - und es ist vollkommen falsch. Beim Fliegen ist es wie auf dem Wasser: vom Paddelboot über das Motorboot bis zum großen Schiff ist die Spannbreite enorm. Das Paddelboot ist sehr kostengünstig - genauso sieht es beim Segelflugzeug aus. Abgesehen vom Unterstellen und der Anschaffung kostet das kaum etwas. Das Starten mit der Winde kostet etwa neun Euro.

Was kostet denn ein Segelflugzeug in der Anschaffung?

Gomolzig Ein Holzflugzeug, das 40 Jahre alt, aber völlig funktionstüchtig ist, bekommt man schon für wenige Tausend Euro. Ein neues High-End-Segelflugzeug kostet dann bis zu 300.000 Euro. Man kann auch im Verein fliegen, dann kann man die vereinseigenen Flugzeuge nutzen.

Wie sieht es mit dem zeitlichen Aufwand aus?

Gomolzig Das hängt ein wenig vom eigenen Lernaufwand ab. Manche schaffen es zum Segelflugschein in einem oder anderthalb Jahren. Das sind dann so 30 Stunden, die man machen muss. Zwei Jahre ist die normale Dauer zum Schein.

Gibt es eigentlich eine Flugsaison?

Gomolzig Die Segelflieger sind auf die Thermik angewiesen. Die Thermik ist am effektivsten im Frühjahr und auch über den Sommer. Theoretisch kann man aber auch im Winter fliegen - nur muss man dann eben mangels Thermik auf 1000 Meter hochgeschleppt werden und segelt dann runter. Gerade für Flugschüler ist es das, was sie lernen müssen.

Der Flugplatz Leye in Rade wird ja als Flugplatzgemeinschaft Berg-Land von drei Vereinen aus Wuppertal, Radevormwald und Schwelm betrieben. Seit wann ist das so?

Gomolzig Den Flugplatz selbst gibt es seit 1954, seit Pfingsten 1963 wird hier aber richtig Segelflug betrieben. Vorher war die Bahn zu kurz. Erst als die Straße umgeleitet wurde, konnten wir auch den Segelflugbetrieb aufnehmen. Die Dreierkonstellation gab es auch von Anfang an.

Was war der Grund für diese Konstellation?

Gomolzig Da waren 1963 sicherlich finanzielle Aspekte ein Grund. Wuppertal war der größte der drei Vereine und musste von Remscheid aus Platzgründen ausweichen. Der Rader Verein war damals nicht aktiv, und die Schwelmer waren schlicht auf der Suche nach einem Platz.

Wie läuft die Zusammenarbeit heute?

Gomolzig Das ist völlig problemlos. Es gibt eine Schülerfluggemeinschaft mit Wuppertal, die ja genau wie wir den Schwerpunkt im Segelflug haben. Insofern grenzen wir uns da nicht voneinander ab. Schwelm ist ein reiner Ultraleichtverein, das ist eine ganz andere Sportart.

Wie viele Mitglieder hat die Flugplatzgemeinschaft?

Gomolzig Wir haben derzeit 135, Wuppertal hat auch um die 130 und Schwelm hat etwa 25 bis 30 Mitglieder.

Stichwort Nachwuchs: Wie sieht es bei Ihnen aus?

Gomolzig Gar keine Probleme! Wir haben eine gut aufgestellte und aktive Flugjugend. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir hier einen Flugcontainer mit 13 Betten haben, in dem die Jugend immer wieder die Wochenenden verbringt. Natürlich kann man immer Nachwuchs gebrauchen, aber wir können uns nicht beklagen. Derzeit haben wir zwölf aktive Flugschüler.

Wie wichtig sind in diesem Zusammenhang die regelmäßigen Flugtage?

Gomolzig Für mich sind sie sehr wichtig - die nächsten finden übrigens am 2. und 3. September statt. Es gibt aber im Verein durchaus unterschiedliche Meinungen dazu, denn der Aufwand ist immens. Auch die Anforderungen von Ordnungsamt und Verwaltung sind sehr umfangreich. Aber ich halte sie für sehr wichtig, um unser Image nach außen hinzutragen und uns und den Flugplatz den Menschen zu präsentieren.

Was war das schönstes Flugerlebnis in Ihrem Leben?

Gomolzig In Europa waren das auf jeden Fall Flüge in den Alpen. Ich war aber auch einmal im Urlaub in Namibia - und dort zu fliegen, ist definitiv ein unvergleichliches fliegerisches Erlebnis gewesen.

WOLFGANG WEITZDÖRFER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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