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Hückeswagen
Wie Oberberg ein Landkreis wurde

Hückeswagen. In einer Feierstunde wurden jetzt zwei bedeutende Jahrestage der Regionalgeschichte gewürdigt. Von Reiner Thies

Mit einem nachgeholten Festakt auf Schloss Homburg würdigt Landrat Jochen Hagt jetzt das 40-jährige Bestehen des Oberbergischen Kreises in seiner heutigen Form. 1975 bekam der Kreis im Zuge der kommunalen Neugliederung einen völlig neuen Zuschnitt. Den Rahmen der Feierstunde gibt eine bereits laufende Ausstellung zu einem weiteren Jubiläum: Vor 200 Jahren wurde die preußische Verwaltungseinteilung in Provinzen, Regierungsbezirke und Kreise eingeführt.

1816 richteten die Preußen im Südosten der Rheinprovinz zunächst mehrere oberbergische Landkreise ein, nämlich Wipperfürth, Waldbröl sowie Gimborn und Homburg, wobei letztere 1825 zum Kreis Gummersbach vereinigt wurden. Erst 1932 wurden die Kreise Gummersbach und Waldbröl zum Oberbergischen Kreis zusammengeschlossen. Das Amt Dattenfeld (die heutige Gemeinde Windeck) kam in diesem Zuge vom Kreis Waldbröl zum Sieg-Kreis.

Wie wenig selbstverständlich die heute gültigen Kreis- und Gemeindegrenzen sind, lässt sich auch an der weiteren Entwicklung ablesen. Ende der 1960er Jahre wurden Konzepte für eine Neugliederung diskutiert, in denen mal Overath, mal Much oder sogar Meinerzhagen oberbergisch werden sollten, wie Volker Dick im dritten Band der "Oberbergischen Geschichte" schreibt. Umgekehrt gab es Bestrebungen, den oberbergischen Süden dem Rhein-Sieg-Kreis und den Rest dem Rheinisch-Bergischen Kreis einzuverleiben. Allemal zeichneten sich ganz neue Regionalbeziehungen ab.

Die Entscheidungen der betroffenen Gemeinderäte waren taktisch und oft knapp. Das Gesetz zur Neugliederung des Oberbergischen Kreises reduzierte zum 1. Juli 1969 zunächst die Zahl der Gemeinden von 14 auf zehn: Lieberhausen wurde auf Gummersbach und Bergneustadt aufgeteilt. Denklingen und Eckenhagen gingen in der neuen Gemeinde Reichshof auf. Marienberghausen und Nümbrecht wurden zur Gemeinde Homburg (bald wieder Nümbrecht) zusammengeschlossen. Bielstein kam zur Gemeinde und späteren Stadt Wiehl. Zudem gehörten die Stadt Waldbröl und die Gemeinden Gimborn, Marienheide, Morsbach und Ründeroth zum Kreis.

Mit Inkrafttreten des Köln-Gesetzes am 1. Januar 1975 kamen Hückeswagen und Radevormwald aus dem aufgelösten Rhein-Wupper-Kreis hinzu. Neu waren auch Engelskirchen, Lindlar und Wipperfürth. Zugleich wurde der Zuschnitt der Gemeinden erneut verändert: Ründeroth wurde zum größten Teil nach Engelskirchen eingemeindet. Dieser Zusammenschluss erfolgte nicht ohne Ärger, nicht zuletzt, weil eigentlich der neutrale Gemeindename "Aggertal" vereinbart worden war. Die Gemeinde Gimborn wurde auf Engelskirchen, Gummersbach, Lindlar und Marienheide aufgeteilt. Die Gemeinde Wipperfeld wurde Wipperfürth, die Gemeinde Klüppelberg ebenfalls Wipperfürth und in kleinen Teilen Marienheide zugeschlagen. Hohkeppel kam zu Lindlar.

Der Oberbergische Kreis bestand nun aus 13 Städten und Gemeinden und war um 88 000 auf 240 000 Einwohner und um 360 auf 918 Quadratkilometer gewachsen.

Quelle: RP
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