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Hückeswagen
Würdigende und kritische Worte zu Kohls Wirken

Helmut Kohl – Stationen seines Weges
Helmut Kohl – Stationen seines Weges FOTO: AP
Hückeswagen. Der Tod von Altkanzler Helmut Kohl am vergangenen Freitag hat auch in der Schloss-Stadt für Bestürzung gesorgt. Von Wolfgang Weitzdörfer

Bundesweit und international werden die politischen Leistungen Helmut Kohls, der im Alter von 87 Jahren in seinem Haus im rheinland-pfälzischen Oggersheim starb, gewürdigt - allen voran seine Verdienste um Europa und die deutsche Einheit. Dem schließen sich Hückeswagener Lokalpolitiker an.

FDP-Fraktionschef Jörg von Polheim sagt auf Anfrage unserer Redaktion: "Die Freien Demokraten in Hückeswagen verneigen sich vor Helmut Kohls politischem Werk, das man nicht hoch genug einschätzen kann." Er sei ein großer Staatsmann für Deutschland und Europa gewesen. Besonders gut erinnert sich von Polheim in Bezug auf die Wiedervereinigung auch an die Zusammenarbeit Kohls mit dem damaligen liberalen Außenminister Hans-Dietrich Genscher: "Die beiden waren ein Glücksfall für Deutschland und haben dafür gesorgt, dass alles friedlich und erfolgreich verlaufen ist."

Auch CDU-Fraktionschef Christian Schütte sprach ausschließlich wohlwollend über den Altkanzler: "Kohl hat es geschafft, den von Konrad Adenauer begonnenen Weg der Aussöhnung mit der Wiedervereinigung abzuschließen." Ohne Kohl wäre das heutige Deutschland nicht möglich. "Die CDU Hückeswagen trauert gemeinsam mit der Bundes- und Landespartei um einen großen konservativen Politiker und Staatsmann", sagt Schütte.

Für ihn persönlich sei der CDU-Politiker aus Rheinland-Pfalz prägend für den eigenen politischen Werdegang gewesen: "Die Kernthemen in den 70er Jahren und zu Beginn der Ära Kohl - die friedliche Nutzung der Atomkraft und der stark kontrovers diskutierte Nato-Doppelbeschluss -, waren für mich ausschlaggebend, mich der Jungen Union anzuschließen", sagte Schütte. Kohls Leistungen seien noch heute ein Grund für ihn, in der CDU aktiv zu sein.

Doch auch kritische Töne sind zu hören, vor allem zum Thema "Spendenaffäre". Horst Fink, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands, sagt: "Als Kanzler der Wiedervereinigung und der europäischen Integration hat Helmut Kohl zweifellos große Verdienste für Deutschland erworben, die Parteispendenaffäre hat aber auch einen dunklen Schatten über seine Kanzlerschaft gelegt."

Ebenfalls ambivalent sah Shirley Finster, Vorsitzende des Grünen-Ortsverbands, die Ära Kohl: "Natürlich war Helmut Kohl ein großer Staatsmann, keine Frage. Er war aber auch ein absoluter Machtmensch mit allen Konsequenzen, die das beinhaltet." Vor seinen großen Verdiensten um Europa könne sich eine europafreundliche Partei wie Bündnis 90/Die Grünen nur verneigen, betont sie. "Auch davor, wie schnell er die Wiedervereinigung erreicht hatte - fraglich, ob das einem anderen Politiker so möglich gewesen wäre." Kritik übt sie jedoch an seinem Verhalten in der Spendenaffäre: "Es geht nicht, dass er sein Ehrenwort über das Gesetz gestellt und geschwiegen hat."

Kurt Blumberg hatte vom Tod Kohls am Freitagabend aus den Nachrichten erfahren: "Ich bedauere schon, dass er verstorben ist", sagt der Hückeswagener. Kohls Bedeutung für Europa sei sehr groß gewesen.

Mit seiner Frau Marlies ist der Bremer Hans Niehoff zurzeit zu Gast am Campingplatz. "Wir haben in unserem Wohnwagen Radio gehört, es war Samstagmorgen. Und da war das natürlich die Meldung des Tages", erzählt der Hanseat. An Helmut Kohl werde man sich nicht nur wegen seiner bislang unerreicht langen Amtszeit von 16 Jahren erinnern: "Seine Leistungen für Europa sind bis heute und darüber hinaus wichtig", unterstreicht Niehoff.

Quelle: RP
 
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