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Hückeswagen
Zeuge vor Gericht: Jägerin wurde schnell hysterisch

Hückeswagen. Zu Beginn der Beweisaufnahme im Prozess gegen die 46-jährige Frau, die zugibt, im April 2015 in Wermelskirchen-Pohlhausen ihr Vermieterpaar mit einem Jagdgewehr erschossen zu haben, ließ sie durch ihren Verteidiger die Anklage korrigieren. Die Anschuldigungen stimmten bis auf zwei Tatsachen: Richtig sei, dass der zweite Schuss den Balkon erwischt habe und nicht der erste. Und dass sie die tödlich getroffene Frau nicht an ihrer Halskette zu Boden gezerrt habe, sondern sie mit einem Stuhl zu Boden geschlagen habe.

"Die Angeklagte ist eine Frau, die alles ganz genau schildern muss", sagte ein 75-jähriger Mann, den sie kurz nach der Tat angerufen hatte und der jetzt als Zeuge auftrat. Vorher hatte die Kammer bereits die Angeklagte ausgiebig zu ihrem Lebenslauf befragt. Bei ihren bereitwilligen Antworten sprach sie ruhig und gefasst - Regungen des Körpers und ein Mienenspiel waren nicht erkennbar. Als es um ihre psychische Krankheit ging, schloss auf Antrag des Verteidigers die Kammer die Öffentlichkeit für knapp eineinhalb Stunden aus. Zuvor hatte die Angeklagte ausgesagt, dass sie eine "glückliche Kindheit" im Hause gut betuchter Eltern und mit einer älteren Schwester verlebt hatte. Allerdings sei sie stets einsam gewesen. Das Gymnasium hatte sie kurz vor dem Abitur wegen Prüfungsangst verlassen. Danach begann sie eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau bis zum Gesellenbrief, lernte ihren späteren Ehemann kennen und war als selbstständige Gartenbauplanerin erfolgreich.

Dann erkrankte sie an Weichteilrheumatismus und Durchblutungsstörungen. Sie nahm ihren Ehemann in ihren Betrieb auf, weil sie zu harter körperlicher Gartenbauarbeit nicht mehr in der Lage war. Von da an gab es Streit, 2006 erfolgte die Scheidung.

Sie wollte als freie Kunstmalerin selbstständig leben, litt aber permanent unter Geldmangel, nachdem sie ihre Reserven aufgebraucht hatte. Sie habe durch die Jagd ihre Liebe zur Natur pflegen wollen, sagte die Angeklagte. Den Jagdschein habe sie benötigt, um Fleisch zu essen, weil das übliche Fleisch mit ihrer Meinung über Fleischerzeugung nicht vereinbar sei.

Den 75-jährigen Zeugen hatte sie bei ihrem Hobby als Jägerin kennen. Die Angeklagte sei eine gute Jägerin gewesen, sagte dieser. Aber auch ein Mensch, mit dem es niemand lange ausgehalten habe. Bei einer gegensätzlichen Meinung im Gespräch sei die Frau jedes Mal hysterisch geworden. Sie fühlte sich verfolgt und glaubte, dass sie permanent sexuell belästigt würde und ihre Wohnungen verwanzt seien. Kurz nach der Tat habe sie ihn angerufen und mit unaufgeregter Stimme gesagt, dass sie zwei Menschen erschossen habe. Er solle sofort kommen, um ihren Hund abzuholen, damit er nicht ins Tierheim komme.

Die Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt.

(bege)
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